Smart Factory ein essentieller Bestandteil auf dem Weg zur Industrie 4.0

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Smart Factory ein essentieller Bestandteil auf dem Weg zur Industrie 4.0: Wie sehen die aktuellen Entwicklungen aus und gehen wir den richtigen Weg?

Was sind die derzeitigen Treiber und nach was strebt die Produktion?

Die Revolution in vielen Geschäftsfeldern ist derzeit schon im vollen Gange und viele Hersteller weltweit beschäftigen sich derzeit mit Themen rund um die Smart Factory. So investiert Infineon zum Beispiel in den nächsten fünf Jahren 105 Millionen Dollar, um sein Werk in Singapur zu einer Smart Factory[1] zu machen. Adidas investiert in Roboter und 3D-Druck, um die Produktion wieder nach Deutschland zu holen[2]. Ein chinesisches Werk erweiterte seinen Betrieb um Roboter, was zu einer Produktionssteigerung von 250 % und einer Fehlerreduzierung von 80 %[3] führte.

Wie hat sich die Erwartungshaltung entwickelt?

Basierend auf Umfragen haben wir herausgefunden, dass die Investitionen, die Hersteller in intelligente Fabriken tätigen, in den nächsten fünf Jahren bis zu 1.500 Milliarden Dollar ausmachen werden. Das Investitionsniveau variiert stark zwischen verschiedenen Branchen und Unternehmensbereichen und wird die Zukunft der Unternehmen wesentlich beeinflussen. In den nächsten fünf Jahren erwarten die Hersteller, dass Smart Factories die Leistungssteigerungen exponentiell vorantreiben und jegliche bisherigen Bemühungen deutlich übertreffen:

  • die pünktliche Lieferung der Endprodukte soll um das 13-fache beschleunigt werden, während sich die Qualitätsindikatoren um das mehr als 12-fache gegenüber 1990 verbessern werden.
  • wichtige Kostenpositionen wie Capex & Inventory sollen 12-mal rationalisiert werden und Material-, Logistik- und Transportkosten 11-mal so schnell wie seit 1990.
  • bei der Gesamtproduktivität wird ein siebenfacher Anstieg auf einen 5,04 %-Verbesserungshebel erwartet.

 

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Das Bestreben nach ‚intelligenten‘ Fabriken ist vielversprechend, jedoch müssen viele Unternehmen, die in der zunehmend vernetzten und disruptiven Umgebung von morgen bestehen wollen, sich  von Organisationen mit intelligenten Fertigungskapazitäten zu digitalen Unternehmen mit „digitalen Meistern“ entwickeln und jetzt schon ihr taktisches und strategisches digitale Ökosystem für die kommenden 15 – 20 Jahre aufbauen.

Sind wir mit dieser Entwicklung auf dem richtigen Weg?

Die zentrale Frage, die sich vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen stellt ist, ob die aktuelle Ausrichtung der Unternehmen und die angestoßenen Veränderungen in den Organisationen zukunftsfähig sind. Es gibt wohl kaum eine Industrie, in der keine Projekte oder Task Forces unter dem Schlagwort Smart Factory laufen.

Für viele ist bereits das Digitalisieren an sich Mittel zum Zweck genug, um umfassende Maßnahmen zu definieren und zu starten. Oft mit der Konsequenz, dass ein Problem für eine digitale Lösung gesucht wird. Das entsprechende Zielbild ist selten Bestandteil dieser Projekte. Dies führt dazu, dass analoge Produktionen oder Fabriken digitalisiert werden ohne die Einflüssen und Möglichkeiten der smarten Fabrik zu reflektieren – insbesondere vor dem aktuellen und zukünftigen Geschäftsmodell. Meist aus Angst den Anschluss an globale Digitalisierungsgrößen zu verlieren, werden diese Projekte mit Millionenbudgets ausgestattet und binden Mitarbeiterkapazitäten. Die Absprungbasis bildet die analoge Produktionslinie, die um digitale Funktionen angereichert wird. Dadurch können vereinzelt Effizienzen gehoben werden, allerdings wird die dabei das strategische Zielbild oft außen vorgelassen und viele Initiativen enden im Proof-of-Concept Status und werden nicht weiterverfolgt. Zudem wird die Weiterentwicklung von etwas Bestehendem nur selten zu etwas disruptiven Neuen führen. Auch die Glühbirne wurde nicht durch die Weiterentwicklung der Kerze erfunden.

Oftmals fehlt der Mut in großen und ungewohnten Dimensionen oder Visionen zu denken, die ganze Geschäftsmodelle auf den Kopf stellen. Beobachtungen aus der Vergangenheit zeigen, dass Industrien oft dezentral starteten und dann zur Effizienzsteigerung zentralisiert wurden. Durch die Weiterentwicklung der Technologien und Innovationen, wurde die dezentrale Anwendung produktiver und effizienter. Dies sieht man am Beispiel der Energiebranche. Die Energieerzeugung startete Ende des 19. Jhd. durch dezentrale Generatoren meist angetrieben durch Dampf- oder Wasserkraft, die auch lokal genutzt wurde. Vom Ende des 19. Jhd. an wurden großtechnische Kraftwerke zentral erbaut und die Energieerzeugung zur Effizienzsteigerung zentralisiert. Mit Beginn des 20. Jhd. lässt sich gegenläufiges beobachten: Durch Technologiefortschritte ist die dezentrale Energieerzeugung wirtschaftlich – teils wirtschaftlicher als die zentralisierte. Dies lässt sich in verschiedenen Ausprägungen beobachten, sei es Wind-, Solar- oder Blockheizkraftwerke. Andere Branchen zu denen sich Parallelen ziehen lassen sind z. B. die Finanz- oder Logistikbranche. Wieso verwehren wir uns vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen auch die ‚Smart Factory‘ dezentral zu denken? Wäre es nicht möglich, dass es in Zukunft gar keine Fabriken wie im heutigen Sinne gibt? Wäre es nicht denkbar, dass durch eine Dezentralisierung erst die Stärke von Netzwerkeffekten genutzt werden können? Wie sähe eine Zukunft aus, in der Kunden Produkte bei sich selbst herstellen können z. B. mittels eines 3D Druckers? Lassen Sie uns mutig sein und nicht nur bestehendes verbessern, sondern neues erschaffen. Nur so kann eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit garantiert werden.

 

[1] The Straits Times, “Infineon’s $105m ‘smart factory’ push”, March 2017

[2] The Economist, “Adidas’s high-tech factory brings production back to Germany”, January 2017

[3] Futurism, “Production Soared After This Factory Replaced 90% of Its Employees With Robots”, February 2017


 

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Daniel Heinen, Capgemini Invent

Über den Autor: Daniel Heinen

Daniel Heinen ist Berater im Bereich Operations Transformation. Er unterstützt seine Kunden bei der Integration digitaler Technologien in die Unternehmensstrategie, wodurch Unternehmensbedürfnisse sowohl in Umsatzwachstum als auch Einsparungen im Endergebnis transformiert werden.

 

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