Vermisst: Der Human Centered IT Architect

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Wer er ist und warum wir ihn brauchen, den blinden Fleck beim wichtigsten Faktor in Lehre und Praxis zu beseitigen

Andreas Lutz, Capgemini

Wenn man schwarz-weiß sehen möchte, gibt es in der IT-Welt zwei verschiedene Architekten: Auf der einen Seite den Enterprise Architect und auf der anderen den Solutions- oder auch Applications-Architekt. Der Unterschied zwischen beiden ist die Flughöhe: Wenn man Gebäude als Analogie nimmt, dann kümmert sich ein Enterprise Architekt um die Stadtplanung und ein Solutions/Applications-Architekt um die Gebäudeplanung – beide begleiten natürlich auch die Umsetzung. Was beide jedoch gemeinsam haben ist ein starker Backend-Fokus: Zwar kümmern sich beide auch um Strategiethemen und fachliche Anforderungen, wenn es jedoch um die IT und ihre Umsetzung geht, dann sind beide in der sehr technischen Backend-Welt zwischen Schnittstellen, 3-Schichten-Modell und Datenbanken zuhause. Das kenne ich sowohl von der Ausbildung im Studium als auch von der gelebten Rolle und deren Verständnis in verschiedensten Unternehmen. Was hier jedoch vergessen wird, ist der wichtigste Faktor überhaupt: Der User.

User-Experience auch mit Software-Architekten diskutieren

Nach meinem Verständnis ist der Architekt für die Umsetzung von Applikationen und Applikationslandschaften zuständig. Die Fachseite erhebt Anforderungen, die Architekten entwerfen einen Plan zur Umsetzung und begleiten sie dann auch. Nach diesem Verständnis geht es allerdings nicht nur um Backend, Schnittstellen und Datenbanken, sondern auch um das Frontend. Gerade in Zeiten von einem mit REST (Representational state transfer) APIs entkoppelten Frontend auf Angular Basis. Das ist nicht nur architektonisch interessant, sondern auch die Schnittstelle zum User – für den wir das alles tun. Die Entwicklung einer neuen Applikation startet meist mit der Anforderungserhebung auf der Fachseite. Ab einem bestimmten Zeitpunkt sollten diese Anforderungen auch mit den Architekten abgestimmt werden, welche dann einen Plan für die Umsetzung bzw. die Lösung entwerfen.

Ziel: Human Centered Design

Bei neuen Applikationen mit einer Benutzeroberfläche muss diese jedoch gestaltet werden, noch bevor die Entwickler zum eigentlichen Zug kommen. Hier kommen Design Thinking Workshops, Google Sprint und dergleichen zum Einsatz mit dessen Hilfe man mit allen Stakeholdern erste Mockups für eine richtige User Experience erstellt, damit es intuitiv und selbstverständlich bedienbar ist. Anschließend werden die Mockups in ein User Interface Design gegossen, damit es auch schön aussieht und klar wirkt. Danach wird dieser Output an die Entwickler weitergegeben, welche es umsetzen. Bestenfalls erfolgt danach noch ein UX-Test gemeinsam mit den UX-Designern, damit die Oberfläche weiter optimiert werden kann. Das Ziel ist es ein sogenanntes „Human Centered Design“.

Appell an Hochschulen: Mehr Mensch denken

Trotzdem das Design ein elementarer Baustein der Applikationsentwicklung ist, sind die Veranstaltungen in Informatik- und Wirtschaftsinformatikstudiengängen rar gesät, ebenso wie das Verständnis dafür bei Architekten. Der Human Centered IT Architect sollte nicht nur die Technik im Sinn haben, sondern auch den User, den Mensch. Dazu zählt das Human Centered Design ebenso wie seine Entstehungsprozesse. Ein Architekt, der die Entwicklung überblickt muss zwar kein Experte darin sein, er sollte jedoch wissen

  1. dass es ein elementarer Baustein ist,
  2. welche Rollen dazu zählen,
  3. wo im Prozess diese verankert sind,
  4. wie er dafür sorgt, dass auch diesem Baustein in der Architektur genügend Beachtung geschenkt wird und nicht zu vergessen
  5. dass all das gemeinsam mit anderen Menschen passiert.

Hochschulen benötigen dringend Veranstaltungen für angehende Architekten und wir Architekten müssen uns zwingend mit der Materie beschäftigen und sie verstehen. Tun wir das nicht, dann verlieren wir aus den Augen wofür wir all das tun: Den User.

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