IT Trends: Das Ende der Effizienz?

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Unternehmen müssen schnell digitalisieren. Das ist teuer – und erstes Opfer wird die Effizienz. Vier Faktoren, die Sie viel Geld kosten

Thomas Heimann,
Capgemini

Wenn man sich die Ziele anschaut, die Unternehmensleitungen ihren CIOs in den letzten Jahren gesetzt haben, dann fällt vor allem auf, wie stark sich der Stellenwert der beiden Faktoren Effizienz und Kostensenkungen verändert hat.

2014 zählten sie für 44 beziehungsweise 38 Prozent der Teilnehmer der IT-Trends-Studie zu den drei wichtigsten Zielen der kommenden 12 Monate. Fünf Jahre später sind es nur noch 24 beziehungsweise 22 Prozent der Befragten. Im gleichen Zeitraum wird der Ausbau der Digitalisierung zum wichtigsten Ziel und die Anzahl der Teilnehmer, die steigende IT-Budgets melden, steigt fast kontinuierlich an.

Vier Faktoren, die Sie viel Geld kosten

Stark vereinfacht könnte man also auch sagen, dass das ambitionierte Ziel Digitalisierung in Kombination mit viel IT-Budget dazu geführt hat, dass die Effizienz auf der Strecke geblieben ist. Wer derartige Situationen nicht zum ersten Mal erlebt, kennt die Folgen. Schon bei anderen Umbrüchen, beispielsweise als es um Mobilität oder Portale ging, entstand eine Menge IT, die später doch nicht benötigt wurde oder die nicht in die IT-Landschaft passte und damit die Komplexität und den Aufwand erhöhte. Dieser Wildwuchs musste dann wieder aussortiert oder mit anderen Systemen abgelöst werden. Netzökonom Holger Schmidt sieht ein solches Jahr 2019 wieder auf uns zukommen, auch er griff das Thema Effizienz hier auf.

Das kostet Geld und natürlich wertvolle Zeit der Mitarbeiter, denn Konsolidierung und Standardisierung sind keine trivialen Aufgaben. Sie werden dieses Mal noch aufwendiger werden. Schon jetzt klagen mit 81,6 Prozent erschreckend viele IT-Verantwortliche über steigende Komplexität. Als Ursache identifizieren sie die Digitalisierung.

Prozentsatz der Teilnehmer, der die jeweilige Option in der jeweiligen Studie als eines der drei wichtigsten Vorgaben der Unternehmensleitung für die kommenden Monate ausgewählt hat bzw. Prozentsatz der Teilnehmer, die angaben, dass ihr Budget im angegebenen Jahr steigt.

1. Der Tunnelblick 

Deshalb stellt sich die Frage, warum es immer wieder dazu kommt. Der Mensch ist ja lernfähig. Oder vielleicht doch nicht? Kennen Sie die folgenden Phänomene? Wird das Unternehmen aufs Sparen eingeschworen, schauen die Einkäufer auf jeden Euro, egal wie wenig sinnvoll es sein mag, ein billigeres und eventuell weniger hochwertiges oder passendes Produkt zu kaufen. Umgekehrt gilt dasselbe: Muss die Digitalisierung unbedingt gelingen, werden die Folgekosten von Investitionen erst einmal vernachlässigt.

2. Die Komplexität

All das ist zwar irrational, aber menschlich, und liegt auch an zu eindimensionalen Zielsystemen. Die zu definieren, wird im Moment aber immer schwieriger. Denn im zunehmend agil aufgestellten Unternehmen gibt es viele Teams, die mit eigenen Zielen und flachen Hierarchien Projekte umsetzen. Das reduziert zwar die Komplexität an der Basis, macht die Steuerung des Ganzen aber nicht gerade einfacher.

3. Kurze Innovationszyklen

Hinzu kommt, dass der Innovationsdruck im internationalen Wettbewerb hoch ist und sich neue Technologien immer schneller durchsetzen. Das bedeutet für Unternehmen, dass sie Investitionsentscheidungen nicht mehr so lange hinaus zögern können, bis Innovationen ihren Nutzen in der Praxis bewiesen haben oder sich die besten Umsetzungsstrategien abzeichnen. Das führt natürlich auch dazu, Projekte zu verfolgen, die sich später als Flop herausstellen.

4. Gruppenzwang

Außerdem sollte man den Einfluss der Gruppendynamik nicht unterschätzen. Wenn fast das gesamte Team, egal auf welcher Ebene, für eine bestimmte Sache ist, werden Einwände von Einzelnen meistens kaum noch gehört. Vielleicht sollte man solche Entscheidungen in Zukunft deshalb ganz anders vorbereiten und einen unabhängigen Dritten alle Faktoren berechnen und eine Lösung vorstellen lassen, die viele verschiedene Ziele unter einen Hut bringt.

Effizienz nicht aus dem Blick verlieren

Meiner Meinung nach sollte man Effizienz und Kosten der IT nie komplett ausblenden. Denn sie sorgen in der Regel dafür, dass neue Lösungen Standards folgen und damit die Komplexität der IT-Landschaft nicht unnötig in die Höhe treiben. Ein wenig Ausschuss wird es immer geben, aber die Kosten dafür kann man nach dem Fail-Fast-Prinzip in Grenzen halten. Das sorgt dann auch dafür, dass nach einem Hype nicht wieder weggekürzt werden muss, weil es halt doch nicht passt oder am Ende niemand benötigt. Wie sehen Sie das? Haben Sie einen Weg gefunden, dieses Mal einige dieser Klippen zu umschiffen?

Sie möchten mehr zu den aktuellen IT-Trends erfahren? Hier finden Sie alle Ergebnisse der IT-Trends Studie.

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