Wie die Fertigungsindustrie das Rennen um die Geschäftsmodelle der Zukunft gewinnt

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Wann steigen Amazon, Google & Co. ins Digital Manufacturing ein?

 

Jochen Bechtold, Capgemini

Viele Unternehmen in der diskreten Fertigung sind äußerst erfolgreich. Mit ihrer über Jahre und Jahrzehnte aufgebauten Exzellenz stellen sie hochentwickelte und komplexe Produkte her. Gleichzeitig sind sie sehr weit vom Endkunden entfernt. Die Hersteller von Gasturbinen, Flugzeugmotoren oder Zügen haben keinen direkten Kontakt zu den Menschen, die ihre Wohnung heizen, das Licht anschalten oder mit dem Flugzeug oder Zug auf ihre nächste Geschäfts- oder Urlaubsreise gehen.

 

Industrie 4.0 ist für Digital-Konzerne attraktiv

Diese Tatsache wird zunehmend zum Problem, denn damit erhalten produzierende Unternehmen keine Daten darüber, wie Endkunden die Produkte nutzen. Gleichzeitig steigen immer häufiger ursprünglich rein digitale Unternehmen, deren Business auf Endkundendaten aufbaut, in Geschäftsmodelle ein, bei denen es um physische Güter geht. Google (oder Alphabet) arbeitet über seine Tochtergesellschaft Waymo an einem Prototypen für ein selbstfahrendes Fahrzeug. Apple beschäftigt sich ebenfalls mit diesem Thema, aber auch mit Systemen, die ältere Autos zu vollständig autonomen Fahrzeugen aufrüsten können. Amazon hat sich von einem reinen Online-Händler zu einem Mischkonzern entwickelt, der heute beispielsweise in den Bereichen Lieferung und Transport, stationärer Handel, Unterhaltung und im Softwaregeschäft tätig ist.

Diese Unternehmen kennen sich nicht nur sehr gut mit Daten aus, sondern auch damit, sich schnell an die Anforderungen ihrer Kunden anzupassen. Jetzt könnten Sie fragen,  warum sich eines von ihnen als nächstes dafür entscheiden sollte, in die diskrete Fertigung einzusteigen. Die Frage ist berechtigt und der Grund könnte einer der drei folgenden sein (oder alle zusammen):

  • Jedes dieser Unternehmen hat eine wesentlich höhere Expertise im Bezug auf die Monetarisierung von Daten, als Unternehmen aus der Fertigungsindustrie. Bisher war es Außenstehenden aber nicht oder kaum möglich, Daten in der Fertigungsindustrie zu sammeln, dementsprechend attraktiv ist die Branche für digitale Player.
  • Zweitens hosten einige dieser Unternehmen bereits Anwendungen, die die Fertigungsindustrie nutzt (z. B. AWS). Also, wie lange noch, bis sie sich entscheiden, in ihren eigenen Maschinenpark zu investieren, um eine noch nahtlosere Integration von Hard- und Software zu erreichen?
  • Drittens und letztens haben diese Unternehmen inzwischen einen hohen Wert und gut gefüllte Kassen, so dass sie in der Lage sind, längere Durststrecken problemlos zu meistern.

Digitalisierung heißt, sich nicht auf dem Erfolg der Vergangenheit auszuruhen

Wenn die Fertigungsindustrie also nicht zügig selbst die Potenziale der Digitalisierung ausschöpft, könnte es sein, dass sie am Ende den Kürzeren zieht. Denn die Angreifer zielen darauf ab, die althergebrachten Geschäftsmodelle zu zerlegen. Die Branche ist derzeit allerdings mit vielen Nebenschauplätzen beschäftigt, die sie vom Kern des Problems ablenken. Darüber hinaus müssen sie sich mit dem Brexit und Handelskonflikten beschäftigen. Veraltete IT-Landschaften und eine naturgemäß geringere Flexibilität aufgrund der langen Produktentwicklungszyklen bremsen den Wandel zusätzlich.

Manufacturing Intelligence nutzen

Was nun? Ich empfehle der Fertigungsindustrie, sich auf zwei Dinge zu konzentrieren: auf Maximierung und Sondierung. Mit Maximierung meine ich, ihre Stärken weiter auszubauen und noch besser und effizienter in dem zu werden, was sie ohnehin schon gut können. Mit Sondierung meine ich, neue Geschäftsfelder zu erkunden. Das können beispielsweise Smart Services sein, der Direktvertrieb an Endkunden oder andere Modelle, die aus den Daten, die das Unternehmen hat oder gewinnen kann, einen geschäftlichen Vorteil ziehen.

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