Warum klassische Modelle zur IT-Mitarbeiterentwicklung ausgedient haben

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Technologie-Durchdringung benötigt spezielles Wissen und Fähigkeiten, was zu einem fundamentalen Skill-Shift in der IT führt. Klassische Modelle zur Mitarbeiter-entwicklung und -gewinnung sind nicht mehr zeitgemäß. Eine erfolgreiche Transformation kann nur durch die Einführung innovativer Konzepte gelingen.

Herausforderung: Rasanter IT-Skill Shift

Im ersten Blogbeitrag dieser Serie wurden wesentliche Herausforderungen eines CIOs betrachtet. Eine Kernherausforderung ist es, den rasant benötigten Skill-Shift in der IT zu ermöglichen. Im gleichen Ausmaß wie die Geschwindkeit und Durchdringung von Technologien und Innovationen voranschreiten, müssen auch die Fähigkeiten der Mitarbeiter in der IT weiterentwickelt werden.

Unsere Erfahrung zeigt, dass der Faktor „People & Skill Management“ ein wesentlicher Enabler einer digitalen IT ist.

Capgemini Invent Digital IT Enablers

Digitale IT Champions haben sich dieser neuen Herausforderung gestellt und zeichnen sich hier durch

1. Neue Wege in der Gewinnung digitaler IT Talente
2. Dem Einsatz neuer Karrieremodelle und
3. fortlaufendes Mitarbeiter-bestimmtes Lernen aus.

Digital Talent Attraction – dramatischer Wandel zum Bewerbermarkt

Der viel zitierte „War for Talent“ ist aktuell wie noch nie und betrifft im besonderem Maße die IT. Das bedeutet heutzutage, dass Unternehmen den ersten Schritt machen müssen und sich aktiv um „High Potentials“ bemühen müssen. Doch wie spricht man eine Zielgruppe an, die auf Karrieremessen oftmals nicht anzutreffen und von Flyern, Give-aways und „vielfältigen Karriere-Chancen“ nicht beeindruckt ist?

Etablierte Recrutingprozesse und -kanäle haben hier weitestgehend ausgedient. Als initialer Kanal ist die Präsenz in relevanten Social-Media Kanälen unabdingbar (z.B. Instagram oder Karriere-Portale wie glassdoor, kununu, etc.). Seitenlange Positionsbeschreibungen und Anforderungsprofile sind nicht mehr gefragt. Es werden kurze, klare und prägnante Aussagen erwartet – am besten in kurzweiligen Video-Sequenzen, um einen ersten Eindruck von Arbeitsumgebung und -klima zu bekommen. Digital Natives wollen durch ein modernes Arbeitsumfeld, den Einsatz von State-of-the-Art Technologien und spannende Herausfoderungen begeistert werden.

Hier eignen sich insbesondere alternative „Recruitaintment“-Formate wie Hackathons / Digithnons oder Escape Games, bei denen Teilnehmer in kurzer Zeit in kleinen Teams anspruchsvolle Problemstellungen in für das Unternehmen relevanten Technologie- und Innovationsbereichen lösen. Dabei haben Kandidat und Unternehmen die Möglichkeit, sich in einem ungezwungenem Umfeld mit Event-Charakter und abseits von stressigen Bewerbungsgesprächen unter Arbeitsbedingungen kennen zu lernen.

Auch in angrenzenden Bereichen der IT ist ein Umdenken notwendig. Neben der Personalabteilung betrifft dies Employer Branding und Unternehmenskommunikation. Der Impuls dazu kann durchaus aus der IT kommen.

Neue Karriere-Modelle sind zwingend erforderlich

Haben sich Unternehmen und Mitarbeiter gefunden, beginnt die Arbeit erst richtig. Digital Natives sorgen schnell für Unruhe in traditionellen Organisationen. Ansprüche und Ziele werden forsch und direkt kommuniziert und Anwesenheitspflicht im Büro ist ein Fremdwort. Speziell in der IT ist die virtuelle Zusammenarbeit heutzutage Standard. Cloud-basierte Social Collaboration-Tools wie JAM, Chatter, Teams und Slack sind längst in Unternehmen angekommen. Die Fähigkeit, diese effektiv in den Arbeitsalltag zu integrieren muss jedoch häufig noch erlernt werden.

Eine weitere große Herausforderung ist, IT-Mitarbeitern langfristig Entwicklungsperspektiven zu bieten. Oftmals gehen Karriereschritte und Beförderungen mit steigender Personalverantwortung einher. Dieses traditionelle Modell hat jedoch ausgedient. Zum einen eignet sich nicht jeder IT Experte automatisch als Führungskraft, zum anderen strebt nicht jeder IT Mitarbeiter nach Personalverantwortung. Um Mitarbeiter mit wertvollem Fachwissen langfristig nicht zu verlieren, müssen Lösungen gefunden werden. Ein Ausweg ist die Einführung von Fach- oder Experten-Karrierepfaden. Gerade technisch versierten Mitarbeitern mit Spezialwissen erleichtern solche Modelle eine attraktive berufliche Perspektive. Digitale Vorreiter installieren zusätzlich neue Rollen wie „Technology Evangelists“ mit Missionarsauftrag, um im eigenen Unternehmen Begeisterung für Technologie und Innovation zu entfachen.

Fortlaufendes, Mitarbeiter-getriebenes Lernen

In der gleichen Geschwindigkeit wie Disruption durch Technologie und Innovation die Arbeitswelt und die Gesellschaft verändern, müssen auch Konzepte zur Mitarbeiter-Entwicklung angepasst werden. Somit macht das viel zitierte „lebenslange Lernen“ auch vor der IT nicht Halt. Permanente Weiterbildung allein ist aber nicht ausreichend, um dem technologischen Fortschritt gerecht zu werden. Die beste Möglichkeit zu lernen ist „ausprobieren“ und nach agiler Logik schnell Prototypen zu entwickeln. Hierfür muss der Freiraum geschaffen werden, z.B. durch frei-verfügbare Arbeitszeitbudgets.
Kontinuierliche Weiterbildung lässt sich durch digitale Angebote wie attraktive „Self-Service“ eLearning Plattformen heutzutage einfach in den Arbeitsalltag integrieren. Ein weiteres machtvolles Instrument sind Job-Rotationen, in denen Mitarbeiter für einen begrenzten Zeitraum in andere Rollen schlüpfen, neue Länder, Abteilungen oder Bereiche kennenlernen. Die Lernkurve wird drastisch erhöht, neue Netzwerke werden aufgebaut und die grundsätzliche Affinität für Veränderungen steigt. Diese Modelle müssen an der Unternehmensgrenze nicht halt machen, sondern können auch mit anderen Unternehmen wie mit Start-Ups und Unternehmensausgründungen etabliert werden.

Fazit

Die Veränderungsgeschwindigkeit der Anforderungen an Fähigkeiten der Mitarbeiter ist eine erhebliche Herausforderung – nicht nur in der IT. Zusammen mit der stark steigenden Nachfrage nach Talenten mit IT- und Digitalaffinität erfordert dies neue proaktive Wege im Recruiting, die Etablierung alternativer Karrieremodelle sowie neue Möglichkeiten zur fortwährenden Weiterbildung zu schaffen.
In Rahmen dieser Blogserie stellen wir die einzelnen Enabler des Capgemini Invent Digital IT Frameworks vor. Hier finden sie weitere Informationen zum Capgemini Invent Digital IT Assessment. Weiterführende Informationen zum Capgemini Invent Digital IT Beratungsangebot finden Sie auf unserer Website.


 

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Mitja Lomp, Capgemini Invent

Über den Autor: Mitja Lomp

Mitja Lomp war mehrere Jahre Teil des CIO Offices eines globalen Medienkonzerns und begleitet nun Konzerne und große Mittelständler in der digitalen Transformation. Besonders im Fokus steht dabei die Entwicklung einer passgenauen IT Strategie, Business-IT-Alignment sowie die Ausgestaltung der Bereiche IT Governance, IT Organisation, Change Management und Innovation – gemeinsam mit dem Kunden. Bei Capgemini Invent ist er Teil des Digital Strategy & Transformation Teams im Bereich Future of Technology. Gerne können Sie sich mit ihm über Xing oder LinkedIn vernetzen, um sich gemeinsam über das Thema auszutauschen.

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