Künstliche Aufregung um KI? Eindrücke vom Handelsblatt KI Summit

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Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde – aber was kann KI heute liefern und was treibt die Wirtschaft um? Wir haben uns auf dem Handelsblatt KI Summit umgehört, wo Unternehmen in der DACH-Region gerade stehen und wie sie sich die Kundeninteraktionen des 21. Jahrhunderts vorstellen.

Luca Cito, Capgemini

Immer wieder Künstliche Intelligenz: Auch der interessierte Laie weiß, dass sie unser aller Leben verändern wird, und nicht nur Experten kennen die diversen KI-Studien zu ihrer Leistungsfähigkeit. Ist also alles gesagt? Nicht unbedingt. Das wirtschaftliche Potenzial mag eindeutig sein, doch es lohnt, sich mit einem anderen Punkt zu befassen – dem aktuellen Stand der KI-Revolution. Wer hierzu etwas über die Stimmungslage der Wirtschaft erfahren möchte, kam am größten deutschsprachigen KI-Event am 21. und 22. März nicht vorbei. Die Veranstaltung lieferte einige Aufschlüsse, inwieweit uns die KI-Revolution (noch nicht) erfasst hat.

KI in Europa: Staaten und Unternehmen am Zug

Beim Handelsblatt KI Summit in München trafen sich viele Entscheidungsträger, um das Thema angeregt zu diskutieren. Großunternehmen wie IBM, Deutsche Bahn oder Alibaba gaben Einblicke, wie sie die Zukunftstechnologie bereits heute einsetzen. Startups wie der Anbieter für KI-basierte Gefühlsanalyse Tawny nutzten die Chance, in der Zukunftslounge ihre mit Künstlicher Intelligenz ausgestatteten Produkte vorzustellen.

Ein kontroverses Thema war, wie Europa dasteht – verglichen mit den amerikanischen Technologie-Riesen und dem strategischen Ansatz Chinas. So zeichnete Dr. Peter Breuer von McKinsey ein doch etwas düsteres Bild von einem Europa, das hauptsächlich durch Skepsis und Sorgen um den Datenschutz den Anschluss zur KI-Avantgarde verliert. Dr. David Barber vom University College London hob hingegen die kulturellen Unterschiede hervor: Die Skepsis westlicher Gesellschaften bei KI gegenüber der Innovationsfreude im asiatischen Markt. Ein einheitliches Bild zum Status Europas gab es nicht; dass einzelne Städte Chinas jedoch mehr in KI investieren wollen als Deutschland insgesamt, war Teil kritischer Diskussionen.

Die Vorträge machten zugleich deutlich, dass hiesigen Konzernen KI nicht fremd ist. Aber wie baut man das eigene Unternehmen zur „AI first company“ um? Dr. Andreas Liebl von UnternehmerTUM bezog sich dabei auf das Modell des „Center of Excellence“ (CoE) für den KI-Einsatz: Exzellenzzentren sollen im Unternehmen bereichsübergreifend die Vision vorleben und das Know-how bündeln, um KI schlussendlich unternehmensweit nutzbar zu machen.

KI im Unternehmen: Der Katalysator menschlicher Intelligenz

Im Zuge des diskutierten Wandels erhält man mitunter den Eindruck, dass jeder Mitarbeiter in Zukunft ein Data Scientist werden müsste. Auch beim Summit wurden der Fachkräftemangel sowie fehlende KI-Kompetenzen als Innovationsbremsen angeführt. Doch es zeichnen sich technische Lösungen ab, die die Situation zumindest entschärfen: Vortrainierte Modelle, die als Dienste angeboten und per Plug-and-Play eingesetzt werden können, unterstützen schon heute wichtige Prozesse.

KI wird demnach immer mehr zum wichtigen Katalysator, um die Effizienz und Effektivität des menschlichen Gegenparts zu erhöhen. In dieser Funktion wird KI künftig den Mittelpunkt bei der Interaktion von Mitarbeitern sowie Endkunden mit Software und Produkten bilden.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass KI gerade in den Bereichen User Experience (UX) und Customer Experience (CX) großes Potenzial zugeschrieben wird. Auch Stephane Girard, Global CTO der Digital Customer Experience bei Capgemini, widmete sich diesem Thema in seiner Keynote „Surprising your customers with AI“. Es ist ein Beispiel, dass stellvertretend für die unzähligen Möglichkeiten in nahezu allen Branchen steht: Eine Kreuzfahrtgesellschaft nutzt KI, um Prozesse gemäß den Bedürfnissen junger Besucher zu modernisieren. KI ermöglicht etwa das Einchecken per Gesichtserkennung, auf die eigenen Wünsche angepasste Unterhaltungsangebote und Stimmungsanalysen, die Meinungsumfragen auf Papierbögen deutlich überlegen sind.

Fazit

Die KI-Revolution ist im vollen Gange und es scheint aktuell noch offen, inwieweit und mit welchem Modell Europa sich langfristig behaupten können wird. Für Unternehmen gibt es aber eine klare Marschroute: nicht in vielen kleinen Pilotprojekten verrennen, sondern eine nachhaltige, skalierbare Strategie definieren. Ich selbst habe jedenfalls bei mir einen gewissen Handlungsbedarf festgestellt und mir heute einen Echo Dot als Sprachassistent bestellt.

 

Weiterführende Informationen: Perform AI
Anfang des Jahres 2019 hat Capgemini sein KI-Leistungsportfolio veröffentlicht, welches auf die zentralen Herausforderungen im Geschäftsumfeld fokussiert. Informationen zu Perform AI finden Sie hier.

 

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