Das digitale Lager – Vom Mitarbeiter zum vollautomatisierten Lager?

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Das Lager der Zukunft – bekommen Mitarbeiter Superkräfte oder führen autonome Roboter zu dunklen Gängen? Der Artikel beleuchtet Herausforderungen und Potentiale der Branche.

Ein Blick in die Lagerhalle zeigt: häufig dominieren Mitarbeiter das Bild. Doch diese werden zur Mangelware. Basierend auf einer Studie des BVL fehlen in 38% der befragten Unternehmen Lagermitarbeiter [1]. Gleichzeitig macht die zunehmende Automatisierung keinen Halt vor der Lagerlogistik. Die aufgewendeten Investitionskosten werden mit höherer Prozesseffizienz belohnt, falls die Ware ein automatisches Handling zulässt. Doch wie sieht die Zukunft der Lagerlogistik im Detail aus?

Naht das Ende des Lagers?

In einer intelligenten, vernetzten Welt erscheint ein Lager immer unbedeutender. Wagt man einen Blick in die Zukunft entlang der gesamten Supply Chain, unterstützen eine genaue Planung und neugewonnene Transparenz die bedarfsorientierte Produktion. Als Resultat können der Bullwhip-Effekt ausgehebelt, Unsicherheiten reduziert und Nachfrageschwankungen eingeplant werden.

Soweit zumindest die Theorie. Doch nicht für jedes Material oder jeden Kunden ist dies erstrebenswert. Unter Berücksichtigung anderer Zielgrößen wie minimaler Transportwege, optimaler Losgrößen etc. kann das Vorhalten von Lagerbeständen an Attraktivität zurückgewinnen.

Ist das autonome Lager ohne Mitarbeiter die Zukunft?

Internetriesen wie Amazon und Alibaba machen es vor. Kleine, autonome Roboter finden ihren Weg durch die Lagerhalle und bewegen die Waren entsprechend des Bedarfes von A nach B. Diese Lösungen dominieren aktuell noch im Internethandel. Allerdings erfolgt der Kommissioniervorgang weiterhin manuell. Daher steht häufig nach wie vor der Mitarbeiter im Mittelpunkt.

Superkräfte durch Exoskelett und Smart Glasses?

Schluss mit Man vs. Machine. Durch Exoskelette werden Mitarbeiter zu Maschinen. Zumindest ein bisschen. Sensoren ermitteln die optimale Kraftunterstützung und dienen bei Arbeitsabläufen mit kontinuierlicher, hoher Belastung der Prävention von Gesundheitsschäden. Erste Pilotprojekte zeigen allerdings noch Defizite in der Praxistauglichkeit, wodurch die vermeintlichen Superkräfte wieder aufgehoben werden. Smart Glasses finden ihre Anwendung in der Kommissionierung und können Pick-by-Light ersetzen. Eine Brille, die direkt vor Augen führt in welches Fach zu greifen ist, kann den Pick-Vorgang erleichtern und beschleunigen. Zwar ist diese Technologie bereits verbreiteter als das Exoskelett, doch auch hier besteht noch Optimierungspotential.

Startups mischen aber auch abseits der großen Trends die Lagerlogistik auf. Ein Arbeitshandschuh mit integrierter Scanvorrichtung bringt im Vergleich zu einem herkömmlichen Model eine Effizienzsteigerung und Ergonomieverbesserung mit sich. Die 3D-Kameravermessung ermöglicht dem Anwender die Ware direkt auf dem Gabelstapler zu vermessen. Mehr Flexibilität und Modularität wird durch ein omnidirektionales Förder- und Positioniersystem geschaffen, das eine einfache Anpassung der Förderstrecke über die Software erlaubt. Sollte eine engere Beziehung zwischen Mitarbeiter und Kommissionierwagen gewünscht sein, ist diese mit dem AI Wagen auch möglich. Dank künstlicher Intelligenz folgt der Wagen dem Mitarbeiter und bei Erreichen der Kapazitätsgrenzen kommt automatisch Ersatz angefahren.

Nachfolgendes Bild bietet einen Überblick über die genannten Technologien und deren Einsatzbereiche.

das-digitale-lager

Technologien digitales Lager [2]

Lust auf mehr? Gemeinsam mit dem BVL wurden im Rahmen der Arbeitsgruppe Digitales Lager relevante Technologien identifiziert und bewertet. Hier geht’s zum Online-Tool.

Doch wozu das Ganze überhaupt?

Die Digitalisierung der Lagersysteme wird immer wichtiger, um konkurrenzfähig zu bleiben und den kontinuierlich steigenden Kundenbedürfnissen begegnen zu können. Kürzere Bestellzyklen mit geringen Mengen und gleichzeitig maximale Flexibilität werden vom Markt gefordert. Zusätzlich soll alles umweltschonend sein und zu günstigen Konditionen erfolgen. Aus der Perspektive des Arbeitgebers spielt zudem die ergonomische Ausübung der Arbeitsschritte eine immer größere Rolle. Nicht nur um den Job attraktiver zu gestalten, sondern auch um der rückläufigen Belastbarkeit durch den Altersanstieg der Belegschaft entgegen zu wirken.

Die aufgezeigten Technologien adressieren diese Herausforderungen, stecken aber zum Teil noch in den Kinderschuhen. Für die Marktreife sind weitere Praxistests erforderlich. Somit ist klar, dass sich das Bild der Lagerhalle verändern wird. Dennoch zeigt die Technologieentwicklung auch, dass an Lagerhaltung weiter festgehalten wird und eine Produktion ohne Lagerhaltung noch in weiter Ferne liegt.

Co-Autor: Julia Maihöfer

[1] https://www.bvl.de/dossiers/arbeitgeber-logistik/umfrage-fachkraeftemangel-201

[2] https://digitaleslager.bvl.de


 

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