Die Zukunft des Einkaufs – dead, still alive or re-invented?

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Der Einkauf hat und wird sich in all seinen Bereichen durch die voranschreitende Digitalisierung verändern. Dabei geht es um neue Geschäftsmodelle und die Frage welche Technologien den stärksten Einfluss auf die Prozesse und Strukturen unserer Kunden haben werden.

Der technologische Fortschritt und die stetig voranschreitende Digitalisierung sind auch am Einkauf nicht spurlos vorüber gegangen. Der digitale Wandel hat erkennbaren Einfluss auf die klassischen Einkaufsbereiche wie Strategie, Lieferanten-, Vertrags- und Risikomanagement und bedingt vielfach veränderte bzw. erweiterte Qualifikationen im Einkauf. Eigen- und Fremdbild des Einkaufs haben sich mindestens in den letzten 20 Jahren signifikant verändert.

Im Zuge der Digitalisierung wird der Einkauf zudem mit neuen Partner- und Geschäftsmodellen konfrontiert, die sowohl nach innen auf die eigene Organisation, als auch nach außen auf Lieferanten und Partner wirken. Gleichzeitig führt die Digitalisierung dazu, dass sich der „Way of Working“ auf eine bis dato nie gekannte Art und Weise verändern und der eigene Handlungsrahmen erweitert wird.

Mit Blick in die Zukunft stellt sich uns und unseren Kunden die Frage, welche Auswirkung die Digitalisierung auf die Einkaufsfunktion haben wird. Welche Technologien haben den stärksten Einfluss auf den Grad der Veränderung von Aufgaben, Prozessen, Strukturen und Anforderungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber auch externe Lieferanten und Partner? Wir arbeiten mit unseren Kunden daran, einen möglichst effizienten und zielführenden Weg für die Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie für den Einkauf zu entwickeln und zu implementieren. Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, da Technologien wie künstliche Intelligenz und Robotics Process Automation eingebettet sein müssen in eine, in der Regel sehr komplexe Unternehmenslegacy. In diesem Zusammenhang stossen wir sehr schnell auch auf Fragestellungen und Herausforderungen rund um Skalierbarkeit, Nachhaltigkeit und Veränderungsmanagement. Und letztlich diskutieren auch wir natürlich mit unseren Kunden die Fragestellung: „Wird es zukünftig noch einen Einkauf geben?“ Zumindest uns erscheint die Antwort klar auf der Hand zu liegen: JA!

Wer jetzt jedoch dazu tendiert, sich entspannt zurück zu lehnen und zum Alltag überzugehen, sei gewarnt. Dieses sehr eindeutige „JA!“ geht mindestens genauso eindeutig mit unserer tiefen Überzeugung einher, dass der Einkauf nur dann auch in Zukunft eine Berechtigung und „Überlebenschance“ haben wird, wenn er es schafft, das Paradigma der Kostenoptimierung und des Pfennigfuchsers endgültig hinter sich zu lassen. Der Einkauf muss sich in einem veränderten Umfeld selber neu erfinden. Innovationskraft, Agilität, Wachstum, Umsatzrentabilität, neue Geschäfts- bzw. Betriebsmodelle und Value Add rücken in den Fokus. Um diese, zugegebener Maßen für viele Unternehmen auch im Jahr 2019 noch immer disruptive Denkrichtung auch tatsächlich umsetzen zu können, stellt die Digitalisierung unserem Verständnis nach einen der wichtigsten „Enabler“ dar.

Technologie ist die einmalige Chance, den seit ebenfalls mindestens 20 Jahren proklamierten Fokus auf strategische und wertschöpfende Tätigkeiten im Einkauf endlich zu realisieren.

Digitalisierung versetzt den Einkauf perspektivisch in die Lage jegliche Form von Legacy hinter sich zu lassen bzw. sehr smart zu überwinden und auf einer vollständig integrierten Plattform mit Best-of-Breed Lösungen zu arbeiten.

Die Digitalisierung und der damit einhergehende, sich kontinuierlich ausweitende Datenfootprint, ermöglicht es dem Einkauf, Chancen und Risiken in allen für den Einkauf relevanten Performancefacetten sehr viel verlässlicher als bisher vorherzusagen, zu bewerten und als Steuerungsinstrument zu nutzen.

Intelligente Algorithmen unterstützen uns dabei, nicht nur repetitive sondern zunehmend auch komplexere Vorgänge aus dem taktischen und strategischen Bereich des Einkaufs maschinell, in hoher Geschwindigkeit, mit maximaler Effizienz und Qualität abzuarbeiten. Letztlich, so unsere Überzeugung, werden Roboter und Algorithmen es uns ermöglichen alles, was Knowledge- bzw. Pattern-based ist, über kurz oder lang vollständig zu automatisieren.

Selbst die hohe Kunst der Verhandlungsführung unter Nutzung von Ansätzen der Spieltheorie erscheint keine unüberwindbare Hürde mehr für intelligente Assistenten zu sein. Sie verfügen schon heute über die Möglichkeit, über Sprach- und Bilderkennung Stimmungsbilder potentieller Verhandlungspartner analysieren und bewerten zu können. Die gleichzeitige Berücksichtigung und Analyse einer maximal sinnvollen Kombination von real-time Daten aus unterschiedlichen Quellen führt letztlich dazu, dass Einkaufsverhandlungen sich zukünftig ähnlich wie autonomes Fahren anfühlen werden: Einkaufsverantwortliche werden zunehmend zum Beobachter und Passagier mit Freiraum für andere Aufgaben und Tätigkeiten.

Was aber wird dem Einkauf auch zukünftige eine Daseinsberechtigung verschaffen: Im Kern sehen wir drei wesentliche Rollen:

  1. Innovator: Kreativität und Erfindungsreichtum sind nicht programmierbar. Der Einkauf wird zum Treiber und Impulsgeber für Verbesserungen, Innovationen und Umsatzwachstum. Er wird maßgeblich dazu beitragen, Time-to-Market zu reduzieren und ein sich kontinuierlich veränderndes Ecosystem bestehend aus Partnern und Lieferanten aufzubauen
  2. Beziehungsmanager: Ein entsprechendes Ecosystem muss kontinuierlich gepflegt und weiterentwickelt werden. Der Einkauf wird die Fähigkeit und Bereitschaft benötigen, Empfindungen, Emotionen, Gedanken, Motive und Persönlichkeitsmerkmale der Partner und Lieferanten zu erkennen, zu verstehen und diese komplexen Beziehungen aktiv und flexibel zu managen – im Einklang mit den unterschiedlichen Interessengruppen des eigenen Unternehmens
  3. Entscheider: Der Einkauf wird auch zukünftig ein zentraler Entscheidungsträger dahingehend sein, wie beispielsweise mit Risiken konkret umzugehen ist, welche Partner und Lieferanten zu fokussieren sind, welche Rolle das eigene Unternehmen in Bezug auf Fragestellung im Bereich Corporate Social Responsibility spielt und wie unternehmensinterne Zielkonflikte aufzulösen sind. Digitalisierung unterstützt den Einkauf, wird ihn jedoch in dieser Hinsicht nicht vollständig ersetzen können

Mit diesem Artikel sowie insgesamt vier weiteren Blogartikeln wollen meine Kollegen und ich einen Anstoß für eine Auseinandersetzung mit der Fragestellung nach der zukünftigen Rolle des Einkaufs geben. Wir betrachten unterschiedliche Technologien, zukünftige Target Operating Models im Einkauf sowie die Frage nach der grundsätzlichen IT-Plattformstrategie im Einkauf. In diesem Kontext geht es nicht um richtig oder falsch als vielmehr um die Fragestellung, welche Schritte heute zu gehen sind, um zukünftig den Einkauf bestmöglich einzubinden und zu nutzen, um als Unternehmen dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein. Wir teilen in Auszügen Sichtweisen bzw. Erfahrungswerte, die das Ergebnis unserer Projekte und Diskussionen mit unseren Kunden sind. Sie sind herzlich eingeladen, die Diskussion mit uns weiter fortzusetzen – wir freuen aus auf Sie!

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