Governance in der agilen IT? Spagat zwischen Freiräumen und Richtlinien

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Um Agile IT erfolgreich in die Organisation einzubinden, sollte neben dem nötigen Entscheidungsfreiraum klare Governance-Richtlinien definiert sein.

Das größte Taxiunternehmen der Welt besitzt keine eigenen Fahrzeuge, der größte Anbieter von Übernachtungen keine Immobilien und einer der größten Einzelhändler keine Filialen. Was haben Uber, Airbnb und Alibaba gemeinsam? Ihr IT-befähigtes Betriebsmodell hat den Markt disruptiv verändert. Im Vergleich zu ihren klassischen Wettbewerbern, setzen diese drei Unternehmen IT-Funktionen in das Zentrum ihres Betriebsmodells. Die IT-Abteilung arbeitet nicht mehr in starren Silo-Strukturen, sondern ist agil mit dem operativen Geschäft verflochten. Eine agile IT schließt somit die Lücke zwischen der IT-Abteilung und der betriebswirtschaftlichen Seite eines Unternehmens und wappnet die Organisation für zukünftige Veränderungen.

Abbildung 1: Transformation von der traditionellen hin zur agilen IT (Quelle: Capgemini Invent)

Welche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, um die agile IT in die Organisation einzubinden?

In unserer Blog-Serie „Organizational Excellence to boost Agile IT“ betrachten wir den Zusammenhang der agilen IT mit dem Betriebsmodell. Hierbei liegt der Fokus auf folgenden drei Betriebsmodell-Dimensionen:

  • Organizational Design
  • Governance
  • Leadership & Culture

In vorherigen Blog-Beitrag haben wir uns der Dimension „Organizational Design“ gewidmet, nun beleuchten wir die „Governance“.

Governance bezeichnet die Grundsätze, Leitlinien und Regeln für die Steuerung und Entscheidungsfindung. Das richtige Governance-Modell ist daher eine zentrale Stellschraube. Durch die passende Governance können bspw. IT-Verantwortliche früher in den Produktentscheidungsprozess einbezogen, ein Equilibrium zwischen IT-Verantwortlichen und Betriebswirten gefördert oder die Zusammenarbeit mit externen Partnern definiert werden.

Abbildung 2: Betrachtungsumfang der Blog-Serie „Organizational Excellence to boost Agile IT“ (Quelle: Capgemini Invent)

Etablieren Sie eine Governance-Struktur, welche IT-Verantwortliche bei Produktentscheidungen einbezieht und somit Abstimmungsrunden reduziert

Bei der Umsetzung einer agilen IT treten viele Unternehmen vor die Herausforderung, die Entscheidungsverantwortung zwischen IT und Business transparent darzustellen und effizient zu verteilen. Häufig werden Produkt- oder Technologieentscheidungen nicht zwangsläufig an der Stelle der höchsten Kompetenz getroffen. Durch das Beiwohnen von IT-Verantwortlichen in wichtigen Produktentscheidungen, wird die Anzahl an Abstimmungsrunden reduziert und somit der Entscheidungsprozess beschleunigt.

Das von Elon Musk geführte Unternehmen Space X untermalt den Governance-Ansatz durch die Nutzung einer kollaborativen Software. Der Informationsaustausch im Entscheidungsprozess zwischen den IT-Verantwortlichen und Betriebswirten findet ebenwürdig auf der Plattform statt. Somit wird nicht nur die Entscheidungskoordination gefördert, sondern Synergien geschöpft.

Räumen Sie agilen Teams Entscheidungsfreiräume ein, um das Entwickeln von neuen Ideen und Projekten voranzutreiben

Organisationen sehen sich zunehmend im Spannungsfeld zwischen dem Erhalt von komplexen IT-Landschaften und dem Aufbau von agilen Projektteams. Hierbei muss der Spagat zwischen Sicherung bestehender Strukturen und Aufbau flexibler Entscheidungsbefugnisse gemeistert werden. Durch das Bereitstellen eines finanziellen Entscheidungsfreiraumes für agile und heterogene Teams – bestehend aus IT-Mitarbeitern und Betriebswirten – wird das unternehmerische Denken gefördert. Zusätzlich beschleunigt dies den Prototyping-Prozess von neuen Ideen und Minimum Viable Products (MVP). Jedoch zeigt unsere Erfahrung, dass bei der Einführung agiler Projektteams eine unterstützende Kontrollinstanz förderlich sein kann.

Der Online-Händler Zappos hat durch die Verteilung der Autorität auf autonome Teams seine Reaktionsgeschwindigkeit auf Marktveränderungen erhöht. Statt Entscheidungen in verschiedenen Hierarchiestufen auf sowohl der IT-Seite als auch der betriebswirtschaftlichen Seite abstimmen zu müssen, wird bei Zappos in kleinen cross-funktionalen Kreisen entschieden.

Definieren Sie ein skalierbares Governance-Modell, um bestmöglich von einer offenen Zusammenarbeit profitieren zu können

Bei zahlreichen IT-bezogenen Fragestellungen kann das Mitwirken von externen Experten einen Mehrwert bieten. Die Nutzung sozialer Plattformen hat solch eine Einbeziehung radikal vereinfacht, sodass die Grenzkosten der Koordination gegen Null tendieren. Jedoch erfordert das Auflösen der Unternehmensgrenzen ein wohldurchdachtes Governance-Gerüst. Die Governance sollte skalierbar sein, sodass die Zusammenarbeit mit einer größeren Anzahl an externen Kunden, Lieferanten oder Experten möglich ist. Unter anderem bedeutet dies, dass selbst bei der Anwendung unterschiedlicher IT-Plattformen, die Nutzungs- und Eigentumsrechte stets klar definiert sind.

Ein europäischer Energieversorger wendet eine abgeschwächte Form solch einer Einbeziehung an. Bei wichtigen Entscheidungen wird ein für den Fachbereich Externer zu Rate gezogen. Dieser fungiert nun als Devils Advocate und soll die Entscheidungsgrundlage fordernd hinterfragen. Hierdurch können sowohl IT- als auch Business-Entscheidungen von der jeweils anderen Perspektive überprüft und weiterentwickelt werden.

Abschließend ist zu sagen, dass trotz des nötigen Entscheidungsfreiraumes für agile Projektteams, klare Governance-Richtlinien definiert werden müssen, um die agile IT erfolgreich in die Organisation einzubinden. Wie die agile IT mit der dritten Dimension Leadership & Culture zusammenhängt, erfahren Sie im nächsten Blog-Beitrag.

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