Rückblick: 15 Jahre IT-Trends

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Früher war alles besser? Stimmt nicht. Und hätte die IT das Speicherproblem nicht gelöst, wären Innovationen wie KI oder die Cloud unmöglich.

Thomas Heimann,
Capgemini

Vor ungefähr 15 Jahren startete die Teilnehmerbefragung zur ersten IT-Trends-Studie. Damals standen natürlich ganz andere Themen auf der Agenda der CIOs als heute: Bandbreite und Speicherplatz waren teuer und Mobilfunkkosten hoch. Serviceorientierte Architekturen steckten noch in den Kinderschuhen und Mobiltelefone nutzte man neben dem Telefonieren höchstens noch zum Abrufen von E-Mails. Was hat sich seitdem sonst noch alles getan? Ich habe mir ausgewählte Technologietrends der letzten anderthalb Dekaden noch einmal angeschaut.

 

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Portale und die Sorge um den Speicherplatz

Vor 15 Jahren machten sich IT-Verantwortliche am meisten Gedanken über Portallösungen. Die Technologie war noch relativ neu und die Umsetzungsphase auf breiter Front wurde gerade eingeläutet. Außerdem war Storage sehr teuer und die IT steckte viel Energie in die Verwaltung und Optimierung von Speicherplatz. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Zeiten, in denen die Größe von E-Mail-Postfächern streng limitiert war und Ihre IT-Administratoren immer wieder dazu aufriefen, bitte keine Power-Point-Dateien an Kollegen im eigenen Haus per Mail zu verschicken? Der Speicherplatzbedarf von damals erscheint im Vergleich zu heute lächerlich gering. Wie schön, denn wenn Speicher immer noch so teuer wäre, hätte es viele Innovationen wahrscheinlich nicht gegeben.

Die Zwänge von Standardsoftware

Ein anderes Thema, das viele CIOs beschäftigte, war die Integration verschiedener Anwendungen in die IT-Landschaft. Laut der IT-Trends-Studie setzten 2003 knapp 80 Prozent der Befragten vor allem für nicht-geschäftskritische Anwendungen Standardsoftware der großen Hersteller ein. Der Grund war, dass die einzelnen Module von vornherein aufeinander abgestimmt waren und deutlich weniger Schnittstellenprobleme auftraten. Individualsoftware oder Best-of-Breed wurde hauptsächlich da genutzt, wo individuellere Geschäftsprozesse deutliche Wettbewerbsvorteile versprachen. Dementsprechend dominierten ERP-Systeme und die Diskussion ihrer Kosten die IT-Trends in den Jahren 2005, 2006 und 2007. Mit dem Aufkommen von serviceorientierten Architekturen änderte sich das. Viele CIOs sahen eine Chance, neben dem Standard wieder ihre bevorzugten Best-of-Breed-Produkte oder Individuallösungen einzusetzen, ohne massive Schnittstellenprobleme zu verursachen. Dementsprechend verlor das Thema ERP 2008 allmählich an Bedeutung und Business Intelligence rückte in den Vordergrund.

Die Wurzeln von Big Data

Datenanalyse ist bis heute ein wichtiges Thema, allerdings geht es jetzt nicht mehr darum, welche Daten wertvoll genug sind, um sie zu speichern. Es geht auch nicht mehr darum, wie man sie organisiert, damit man sie auswerten kann. Inzwischen lassen sich auch unstrukturierte Informationen analysieren und Speicherplatz ist ebenfalls kein Problem mehr. Lediglich die Geschwindigkeit der Prozessoren beziehungsweise der Datenbanksysteme setzt den Analysemöglichkeiten (noch) Grenzen, doch auch auf diesem Gebiet waren die Fortschritte der letzten Jahre enorm. Einer war die Entwicklung der In-Memory-Technologie. Mit ihrer Hilfe dauert die Analyse von 280 Millionen Aufträgen im Rahmen eines Mahnlaufs nicht mehr 20 Minuten, sondern nur noch eine Sekunde. Geschäft in „echter Echtzeit” rückte in erreichbare Nähe.

Inzwischen sind wir bei KI

Die IT-Trends-Studie 2019 wird sich sehr viel mit intelligenten Technologien beschäftigen. Sie können jetzt in die breitere Anwendung gehen, weil Unternehmen im Rahmen von Big Data die entsprechende Infrastruktur aufgebaut haben. Außerdem sind Prozessoren inzwischen leistungsfähig genug, um Abläufe zu steuern. Das war nicht immer so. Wussten Sie zum Beispiel, dass schon 1990 in Japan an den Grundlagen für das selbstfahrende Auto gearbeitet wurde? Mazda und Capgemini entwickelten damals ein computergestütztes Bildverarbeitungssystem, das Objekte auf der Straße erkennen und das Verhalten des Fahrzeuges daran anpassen sollte. Das Projekt scheiterte aber daran, dass die damals verfügbare Rechenleistung nicht ausreichte, um schnell genug zu reagieren. Das Fahrzeug hätte einen also erst über das Hindernis informiert, wenn man schon im Straßengraben gelegen hätte. Das wäre natürlich unverantwortlich gewesen.

Heute sind wir da schon wesentlich weiter. Aber welche Innovation hat die technologische Entwicklung Ihrer Meinung nach in den letzten Jahren am weitesten vorangebracht? Ich freue mich auf Ihr Feedback!

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