Energiewirtschaft – Vorsprung durch Daten? (5/5) – Blog 5: „Zukunftspotenzial – Spezifische Use Cases für die Energiewirtschaft“

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“The opposite of ‘open’ isn’t closed. The opposite of open is ‘broken’.” – John Wilbanks, Chief Commons Officer at Sage Bionetworks

Im fünften und abschließenden Teil unserer Blogserie widmen wir uns nicht mehr nur einer rein theoretischen Betrachtung des Open Data-Konzepts, sondern wollen praxisorientierte, wertschöpfende Beispiele in den Vordergrund rücken.

Open Data als Treiber der Energiewende

Durch die Dezentralisierung der Erzeugung und der zunehmenden Volatilitäten im Stromnetz werden Transparenz und Abstimmung zwischen den einzelnen Marktteilnehmern immer wichtiger. Die offene Bereitstellung von energiewirtschaftlichen Daten ist im Zuge der Energiewende laut Weltbank1 ein gewichtiges Mittel, um diesen Wandel zu beschleunigen, Transparenz für Bürger und politische Entscheider zu stärken und Innovationen zu fördern.

Das Konzept einer offenen Datennutzung kann allerdings nicht nur auf volkswirtschaftlicher Ebene als relevant angesehen werden. Es soll jedem Marktteilnehmer wirtschaftliche Chancen (bspw. Kostenreduktion, Einführung neuer Geschäftsmodelle) bieten. Es sollte beachtet werden, dass die nachfolgend vorgestellten Open Data-Anwendungsfälle dabei nur einen kleinen Auszug aus dem Portfolio von Möglichkeiten abbilden.

Open Data bei Erzeugern

Gerade im Bereich erneuerbarer Energien bietet Open Data großes Potential. Neben klassischen Anwendungen, wie Benchmarking gegenüber anderen Erzeugern und Schaffung von Markttransparenz, bieten „Open Data Analytics“ einen Mehrwert. Beispielsweise konnte ENGIE in Frankreich auf Basis offen zur Verfügung stehender Winderzeugungsdaten Turbinen ausweisen, die unterhalb ihrer Erwartungswerte liefen. Durch Einbindung weiterer Datensätze konnten zusätzlich Gründe für Minderleistungen zugeordnet werden.
Auch die Nutzung von offenen Daten im Bereich privater PV-Kleinerzeuger erhöht die wirtschaftliche Möglichkeit virtueller Kraftwerke unserer Einschätzung nach weiter.

Open Data bei Netzbetreibern

Netzbetreiber besitzen seit jeher eine große Menge energiewirtschaftlicher Daten, u.a. Einspeise-, Verbrauchs-, sowie Netzstörungs- und Engpassmanagementdaten.
Durch einen offenen Zugang zu diesen Daten bestünde durch den direkten Austausch von engpassrelevanten Daten zwischen einzelnen Netzbetreibern, Endkunden und Geschäftskunden, die Möglichkeit, Netzprognosegüten zu erhöhen und das eigene Netz optimal zu nutzen.
Eine weitere Nutzung offener Daten wäre die zeitlich und räumlich begrenzte Balancierung von Stromangebot und -nachfrage. Indem in hoher regionaler und zeitlicher Auflösung Energieverbräuche und Netzdaten anderer Betreiber analysiert werden, können Rückschlüsse zu Netzausbau, Speicherbedarfen und Energieeffizienzmaßnahmen gezogen werden. Somit können Netzbetreiber den Um- bzw. Ausbau des Stromnetzes insbesondere an Übergabepunkten des Netzes wirtschaftlich optimieren.
Aufgrund der guten Datenlage im Netzbereich kann zusätzlich darüber nachgedacht werden die Datenbereitstellung zu monetarisieren, da insbesondere bei Betreibern von Kleinstanlagen und Großkraftwerken sowie bei Energiehändlern starkes Interesse zur Optimierung ihres eigenen Geschäfts vorliegt.

Open Data im Energievertrieb

Open Data-Konzepte bieten für Energievertriebe Möglichkeiten, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Der Wandel vom reinen Energievertrieb hin zu energiewirtschaftlichen Dienstleistungen lässt sich sehr gut mit Open Data-Konzepten fördern.
Anonymisierte Verbrauchsdaten können weiterverarbeitet werden, um z.B. neue, digitale Dienstleistungen im Bereich Nachfrageverhalten zu entwickeln. Eine zukünftig flächendeckende Versorgung mit Smart Metern wird die Datenmenge, -qualität und somit die Analysemöglichkeiten stark steigern.
Beispielhaft kann die Entwicklung einer App für Elektrofahrzeuge angestrebt werden, die auf Basis offener Daten freie Netzkapazitäten analysiert, um das Fahrzeug zu einem bestmöglichen Zeitpunkt zu laden. Das Beispiel verdeutlicht den Bedarf offener Daten über alle Wertschöpfungsstufen der Energiewirtschaft hinweg, da neben den Vertriebs- auch Netzdaten benötigt werden, um eine Optimierung des Ladeverhaltens zu erreichen.

Die Entwicklung weiterer Anwendungsfälle oder Applikationen auf Basis offener Daten muss dabei nicht zwangsläufig alleine durch Energiemarktteilnehmer umgesetzt werden. Eine offene Datenlage fördert Kooperationen und neue Partnerschaften zwischen Energieunternehmen und externen Partnern, die gerade im Bereich Bündelprodukte wertschöpfend genutzt werden können.

1. Open energy data assessment methodology – World Bank Group (Version 1.0 – November 2015)

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