Die Zukunft des SCM – Träumt nicht davon, erschafft sie

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Die Disruptionen im Supply Chain Management – Eine Sicht von Capgemini Invent Deutschland

Wir, das Supply Chain Management Team von Capgemini Invent in Deutschland, arbeiten an vielen SCM-Projekten auf der ganzen Welt. Der Fokus liegt vor allem auf der Verbesserung des Ist-Zustandes und der Weiterentwicklung unserer Kunden zu Spitzenleistungen im Supply Chain Management. Aber ist das genug? Wir glauben, dass eine Steigerung der Anwendung und des Einsatzes von Technologie erforderlich ist, um wirklich einen Wandel herbeizuführen und Neuerungen zum Leben zu erwecken. Dieses Denken war der Auslöser für eine Reihe von Blog-Artikeln, die in den nächsten Wochen veröffentlicht werden. Unser Ziel ist es, den Supply Chain Managern Denkanstöße zu geben. Vorausdenken, um das zu verwirklichen, was jetzt möglich ist und was in der Zukunft sinnvoll wäre – in 3 Jahren, in 5 Jahren und darüber hinaus.

Das Konzept des SCM wurde in den 1980er Jahren geboren und wurde in der Mitte der 1990er zu einem Hype-Thema. Die Idee von SCM war die vollständige Integration der Wertschöpfungskette von der Herkunft eines Produkts (oder einer Dienstleistung) bis hin zur Lieferung an den Endkunden. Zusammen mit der Idee des Lean Managements ist das oberste Ziel, zufriedene Kunden zu schaffen und den Kunden einen Mehrwert zu bieten. Das Konzept beinhaltet also zwei Hauptideen:

  1. Verbindung aller Aktivitäten zu einem durchgängigen Ablauf mit der Möglichkeit, jederzeit zu wissen, wo sich die Waren im Prozess tatsächlich befinden.
  2. Etablierung der Wertströme zu möglichst geringen Kosten und gleichzeitige Schaffung eines höchstmöglichen Wertes für den Kunden. Der Wert lässt sich in höchster Produktqualität, Termintreue, geringstem Aufwand und voller Transparenz über den Auftragsstatus ausdrücken.

Lange Zeit waren diese Ziele sehr schwer bis unmöglich zu erreichen. Warum? Die Prozesse waren nicht miteinander verbunden wodurch die Transparenz nicht gegeben war. Weiterhin wurden individuelle Optimierungen durch Manager und Prozessverantwortliche durchgeführt (Silo-Denken) und die gemeinsame Nutzung von Informationen nicht als wertvoll, sondern eher als Risiko für die eigene interne und externe Wettbewerbsposition angesehen. Mit der Einführung von massiv komplexen ERP-Systemen versuchten Industrie- und Softwareunternehmen, Fortschritte bei der Integration der Prozesse zu erzielen, scheiterten aber oft an technischen Restriktionen und massiven Kosten für die Implementierung von Lösungen. Darüber hinaus sind ERP Systemen innen-gerichtet und kaum geeignet über Unternehmensgrenzen hinweg zu kollaborieren.

Da das Internet heute überall (mehr oder weniger) verfügbar ist, hat sich die Situation bereits verändert. Konnektivität ist möglich – ja sogar einfach. Durch drastische Kostenreduzierung für leistungsstarke Computer mit extrem hohen Rechen-Geschwindigkeiten und mit den Entwicklungen bei Automatisierungswerkzeugen könnte die ursprüngliche Idee des Supply Chain Management realisiert werden. Dennoch ist die Idee des Supply Chain Managements weiterhin nicht verwirklicht. Die oben genannten Hinderungsgründe existieren immer noch – aber die Technologie kann nicht mehr als Entschuldigung benutzt werden. Es sind die Blockaden in den Köpfen der handelnden Entscheidungsträger und der anhaltende Kostenfokus, der den möglichen Fortschritt verhindert.

Einige Beispiele sollen zeigen, was möglich ist und noch mehr, was mit dem Fortschritt der technologischen Leistungsfähigkeit erreicht werden kann:

Die Herausforderung des Planungsprozesses: Anstatt zu Raten und auf Glück zu hoffen – Zu wissen was kommt.

Warum planen wir überhaupt? Ist das nicht reine Verschwendung? Viele Supply Chain Manager beklagen sich über die Volatilität des Marktes und darüber, dass es unmöglich ist, große Menge an Beständen und die damit verbundenen Kosten und Aufwände zu vermeiden. Die meisten Logistikleiter beklagen sich über die Inflexibilität der Produktionseinheiten, die nicht in der Lage sind, auf sich ändernde Kundenwünsche einzugehen. Ja, das sind die Herausforderungen in der Planung, aber sie haben einen Grund. Projekte, die Analysen und große Datenmengen einsetzen, um das Kundenverhalten viel besser zu verstehen, haben erfolgreich bewiesen, dass Vorhersagen über die Kundennachfrage möglich sind – mit einer sehr hohen Genauigkeitsrate. Um diese Vorteile zu erreichen, sind erstens die benötigten Datenobjekte und die benötigte Datenmenge viel höher als das, was heute in den meisten Fällen erhoben wird. Und zweitens bleiben viele der gesammelten Daten in den Marketing- und Vertriebsabteilungen verborgen und werden nicht für Prognosen herangezogen. Wir wissen, dass technisch viel mehr möglich ist – was wir brauchen, ist der Austausch von Daten (natürlich unter Beachtung der Datenschutzbestimmungen), eine IT-Infrastruktur, die es ermöglicht, große Datenmengen zu analysieren und die Bereitschaft, den Ergebnissen von Algorithmen zu vertrauen. Wir sind fest davon überzeugt, dass das Zeitalter der Analytik vor der Tür steht – die Technologie ist bereit und wird noch weiter entwickelt, vom maschinellen Lernen zu noch ausgefeilteren Vorhersagemethoden.

Das Problem der unflexiblen Produktion wird durch zwei verschiedene Themen getrieben. Die tatsächlichen technischen Grenzen der heutigen Maschinen, aber noch mehr durch den starken Glauben an Skaleneffekte, anstatt die Idee der vollen Kundenorientierung zu forcieren. Die Entwicklung flexiblerer Maschinen ist eine echte Herausforderung, aber die Kreativität der Ingenieure auf der ganzen Welt wird viel mehr ermöglichen, als wir uns heute vorstellen können. Die Entwicklung von Technologien wie dem 3D-Druck weist den Weg. So werden Planungsabteilungen in Zukunft wahrscheinlich in der Lage sein, die Planungsalgorithmen wesentlich flexibler zu konfigurieren als heute, da die Produktionseinheiten wesentlich flexibler werden. Aber es gibt immer noch das Gesetz der Mengeneffekte – eine Maschine muss so viele Teile wie möglich ohne Unterbrechung produzieren. Das ist das Gesetz der Ökonomie aus dem letzten Jahrhundert. Und es ist sicherlich nicht das Denken, das in einem kundenorientierten Markt gefragt ist. Was wir brauchen, ist eine neue Kostenkalkulationsidee, die die Kundenzufriedenheit im Fokus hat – dieses Konzept ist bereits seit dem Zeitalter des Lean Managements bekannt, aber leider nicht in die Controllingsysteme der meisten Unternehmen übertragen.

Lesen Sie mehr über die Zukunft der Planung in den kommenden Blogs zu diesem Thema.

Die Beschaffung wird vollständig automatisiert.

Der Beschaffungsprozess ist heute einer der am meisten manuell gesteuerten Prozesse. Aber das wird sich ändern. Erste Schritte werden bereits mit dem Einsatz von Robot Process Automation (RPA) Technologien gemacht, aber das ist nur ein Anfang. Wir gehen davon aus, dass die Beschaffung in Zukunft von autonomen Systemen gesteuert wird. Ich möchte nur ein Beispiel nennen, was autonomes Sourcing bedeuten könnte: Nehmen wir den Prozess der Lieferantenbewertung als Beispiel. Anstatt die Aufgabe zu haben, die qualitativen und quantitativen KPI´s pro Lieferant zu überprüfen, welche innerhalb des gesamten Category-Management-Teams in einer unzuverlässigen, fehleranfälligen und manuelle Weise ermittelt werden, wird das autonome Lieferantenbewertungssystem rund um die Uhr arbeiten, um die notwendigen Daten zu sammeln und die Lieferanten an die Vorgaben und Abweichungen zu erinnern. Mit der bevorstehenden Spracherkennung und natürlichen Sprachverarbeitung werden die Systeme zukünftig auch selbstständig Lieferanten kontaktieren, sollten Informationen oder Lieferungen ausstehen.

Lesen Sie mehr über die Zukunft des Sourcing in den entsprechenden Blog-Artikeln, die in Kürze erscheinen werden.

Intelligente Fabrik – dunkle Fabrik?

Fabriken sind heute Gegenstand vieler, vieler sogenannter Industrie 4.0-Initiativen. Dieser Ansatz wird durch eine Vielzahl von Proof-of-Concept-Projekten vorangetrieben, bei denen neue Technologien auf der Grundlage von Trial-and-Error-Verfahren implementiert werden. „Fail fast“ ist eines der bekanntesten Schlagworte in diesem Bereich. Wir unterstützen den schnellen Implementierungsansatz, aber nie mit dem Ziel, schnell zu scheitern, sondern schnell erfolgreich zu sein. Um mit diesem Ansatz erfolgreich zu sein, ist es notwendig, die Weichen zu stellen – also eine flexible, datengesteuerte IT-Umgebung zu implementieren, um automatisch gesteuerte und hochflexible Produktionsprozesse zu ermöglichen. Flexibilität ist der Schlüssel zur Erfüllung der Kundenanforderungen (siehe oben). Wir müssen immer und überall in Losgröße eins produzieren – zumindest solange der Hype des Individualismus anhält und die Kunden in die Lage versetzt werden, alles zu kaufen, was sie wollen, wo immer sie wollen und zu jeder Zeit in individuellen Konfigurationen. Und genau das ist es, was die Marketingabteilungen vorantreiben, um in bereits gesättigten Märkten mehr Marktanteile zu gewinnen. Produktionsleiter müssen also die Partner der Marketingabteilungen sowie der Entwicklungs-Abteilungen sein, um Kundenzufriedenheit jederzeit möglich zu machen – und das zu möglichst geringen Kosten. Der Kostenaspekt wird durch noch mehr Automatisierung als heute angegriffen. Viele traditionelle Ingenieure denken vielleicht, dass dies fast unmöglich ist. Wir sagen: Nein, das wird passieren. Die 3D-Drucktechnologie ist ein erster Schritt in die individualisierte Mengenfertigung. Die Technologie wird sich weiterentwickeln – das ist sicher. Wir können also eine Zukunft erwarten, in der Fabriken und kleinere Einheiten, die aus 3D-Druckern (oder der nächsten Technologie) in Kombination mit Robotern bestehen, und lichtlosen Gebäuden entstehen, da kein Mensch direkt in den Produktionsstätten arbeitet.

Ist das eine Utopie? Vielleicht, aber die Entwicklung ist möglich. Lesen Sie mehr über die Zukunft der Produktion in den entsprechenden Blog-Artikeln, die in Kürze erscheinen werden.

Lieferung – überall, zu jeder Zeit

Wenn die Online-Bestellung die Filialbesuche ersetzt – eine wahrscheinliche Entwicklung – wird die Lieferung an viele Orte erwartet: nach Hause, zur Arbeit, zum Kofferraum, zu den Lieferboxen und so weiter. Da unsere Städte bereits heute voll mit Autos sind, sind die Lieferkonzepte der Zukunft auf schnelle und damit alternative Verkehrsmittel angewiesen. Wird es autonomes Fahren von Lieferfahrzeugen sein, oder vielleicht die guten alten Fahrräder? Oder sogar Drohnen – sobald das Problem der Luftraumsicherheit gelöst ist. Es ist relativ unklar, aber sicher wird der Verkehr durch intelligente Systeme gesteuert, die dafür sorgen, dass unsere Städte nicht im Verkehrschaos kollabieren. Aus diesem Grund müssen alle Aufträge in einem Ballungsraum zentral durch ein intelligentes Verkehrssystem verwaltet werden. Intelligente Last Mile Lieferung muss die Lieferung einer Bestellung auf dem bestmöglichen und verfügbaren Transportmittel ermöglichen. Auch hier sind Datenaustausch, Analytik (oder vielleicht KI) und Konnektivität wichtige Voraussetzungen für eine zukünftige intelligente Bereitstellung von Produkten. Ein Unternehmen kann die Herausforderung nicht allein lösen. Es wird auf gemeinsame und zentral gesteuerte Liefermodelle hinauslaufen – mit intelligent gesteuerter Warenallokation zu Transportmitteln.

Und was heißt das nun?

Supply Chain Management wird in Zukunft Realität werden. Das digitale Konzept dafür ist

Partner verbinden – Daten sammeln – Daten analysieren – Ereignisse vorhersagen – Handeln

Diese digitale Handlungskette ermöglicht es, dass SCM Realität wird. Wie ich bereits im ersten Abschnitt erwähnt habe: Die Technologie wird es uns ermöglichen, intelligenter und effizienter zu handeln. Die Disruptionen, die wir heute sehen, sind nur ein Anfang. Wir können jetzt die Zukunft gestalten, indem wir die Digitalisierung zu einem Instrument für den zukünftigen Wohlstand machen.

Lesen Sie die nächsten Blogs dieser Serie, um den Dialog über neue, vernetzten und intelligenten Supply Chain zu beginnen.

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