Über intelligente Automatisierung, virtuelle Lieferzentren…und Kindergärten

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Einen Roboter als Arbeitskraft zur Hand zu haben ist schön und gut, aber wie kriegt man ihn dazu, genau die Anweisungen auszuführen?

Tim Ulrich, Capgemini

Kürzlich habe ich meiner Mutter erklärt, was ich tagtäglich bei Capgemini mache und was das mit der Industrie 4.0-Revolution zu tun hat. Nachdem ich 20 Jahre lang mit der Erklärung,  „ich mache etwas mit Computern“ davongekommen bin, hatte ich den Drang, etwas präziser zu sein. Sie hatte sich wohl insgeheim immer gewünscht, dass ich in ihre Fußstapfen trete und Kindergärtner werde – jetzt war der Zeitpunkt, dass dies als Analogie zum Einsatz kam.

 

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König(in) von „Roboland“

Zu Beginn habe ich die Tatsache erklärt, dass der Fokus von Unternehmenslenkern schon immer auf Profitmaximierung liegt, d.h. kostengünstiger, schneller und wenn möglich zu einer besseren Qualität zu produzieren. Dieses Ziel begründete die industrielle Revolution vor 200 Jahren, aber es war auch der Auslöser der Outsourcing- und Offshoring-Wellen in der jüngsten Vergangenheit.

Ich bat meine Mutter dann, sich vorzustellen, Herrscherin über einen neuen Kontinent zu sein. In diesem gäbe es jede Menge Roboter, die ohne Beschwerde lange, monotone Arbeit ausführen; und das auch noch zu sehr niedrigen Kosten! Nennen wir diesen imaginären Ort „Roboland“. Es wäre dann natürlich naheliegend, alle stupiden Arbeiten von menschlichen Arbeitskräften auf die Roboter umzuverteilen.

Ich kam dann zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen Mitarbeitern und Robotern in Bezug auf die Ausführung bestimmter Aufgaben, z.B. die Erbringung der Tätigkeiten exakt nach Beschreibung, die Wahrung von Transparenz sowie die Fähigkeit, auf unvorhersehbare Ereignisse wie schwankende Arbeitsumfänge durch Änderung der Nachfrage am Markt adäquat zu reagieren. Während jedes Szenario unterschiedlich angegangen werden muss, sind diese Aufgaben ziemlich ähnlich in ihrer Bedeutung für das Unternehmen.

Mütter verstehen, wie es läuft

Als wir detaillierter darüber sprachen, wie ein Roboter instruiert werden kann und welche Grenzen es dabei gibt (z.B. Ausnahmen, unklare / nicht-existente Regeln), folgerte meine Mutter: „Das ist wie einem 4-jährigen Kind zu erklären, was es tun soll und dann genau dabei zuzusehen – außer, dass der Roboter wirklich die Anweisung befolgt und bei der Ausführung nicht unerlaubt kreativ wird oder einfach abgelenkt wird.“

Mütter verstehen einfach, wie es läuft – diese Erklärung trifft die Realität in Unternehmen wahrscheinlich besser, als wir manchmal zugeben möchten.

Nun, da ich ihre volle Aufmerksamkeit hatte, konnte ich nicht widerstehen, das Beispiel um ein paar weitere, deutlich komplexere Fragestellungen zu erweitern. Insbesondere um solche, die am Ende vielleicht doch den kleinen Unterschied zwischen meinem Job und beispielsweise dem eines Kindergärtners verdeutlichen (wobei man sicher bei genauer Betrachtung auch einige Parallelen entdecken kann):

Anforderung   Menschliche Arbeitskraft   Roboter
Fluktuierende Arbeitsnachfrage managen Mitarbeiterschaft verfügbar halten für ‚worst case‘ Szenarien mit sehr hoher Nachfrage (teuer) oder bei Bedarf Fremdfirmen beauftragen (meist günstiger, aber mit mehr Risiken verbunden) Dynamische Zuteilung der auszuführenden Arbeitsabläufe zu den verfügbaren Robotern (Verfügbarkeit auf Abruf, aber können in Flauten anderweitig eingesetzt werden)
24/7 Verfügbarkeit über Zeitzonen hinweg Schichtarbeit für zentralisierte Mitarbeiterschaft oder Errichtung von verschiedenen regionalen Hubs (erfordert Steuerung und Synchronisierung der Aufgaben) Roboter können problemlos 24/7 eingesetzt werden, dank eines zentralen Managements und Monitoring
Kurzfristige Durchführung von neuen Tätigkeiten Neue Mitarbeiter mit den erforderlichen Skills finden, einstellen und schulen (zeitaufwändiger Prozess) Anforderungen genau definieren, erforderliche Roboter-Eigenschaften entwickeln, testen und zügig zur Produktion freigeben
Sinnvolle Verteilung der Arbeitskraft ggf. über mehrere Kunden, um Ressourcen optimal zu nutzen Schwierig in üblichen Geschäftsmodellen, teilweise möglich bei Outsourcing-Modellen Verwendung einer sicheren, mandantenfähigen Umgebung auf mehreren Ebenen, einige Schlüsselkomponenten können geteilt werden (abhängig von der Zustimmung der Kunden)

 

Obwohl die Vorteile des Roboters in den dargestellten Punkten deutlich überwiegen – vor allem wenn sich die entsprechenden Geschäftsbereiche für die Verwendung von Robotern eignen – schließen sich die beiden Optionen (Mensch vs. Roboter) in Wirklichkeit nicht gegenseitig aus. Eine gemischte Belegschaft aus Mitarbeitern und Robotern wird also höchstwahrscheinlich für einige Jahre die Realität darstellen, auch wenn heute nur schwer vorhersehbar ist, wie schnell die Entwicklungen bei Künstlicher Intelligenz diese Prognose bestätigen oder widerlegen werden.

Mitarbeiter tragen also weiterhin essenziell zum Erfolg der Automatisierung bei – vorausgesetzt sie sind passend der Anforderung qualifiziert. Die Höherqualifizierung von Mitarbeitern wird bisher leider weitgehend vernachlässigt, wie auch in einer Capgemini-Studie zum Thema Arbeitskraft und Automatisierung aufgezeigt wird.*

Den Traum der Industrialisierung leben

Ich bat also meine Mutter dann, sich vorzustellen, dass sie ihre ‚Roboland‘ Bewohner nicht selbst akquirieren, trainieren, organisieren und unterstützen müsste – sondern dass ein Dienstleister mit entsprechender Erfahrung und Fähigkeit dies übernimmt. Das bedeute: alle Vorteile ohne das lästige Mikromanagement des Roboter-Heers genießen.

Genau dies unterscheidet Capgeminis „Virtual Delivery Center“ von intern durchgeführten Automatisierungsprojekten in Unternehmen. In der „Roboter“ Spalte der Tabelle oben sind bereits einige Bereiche dargestellt, wo ein Virtual Delivery Center den entscheidenden Unterschied machen kann.

Für meine Mutter war die jetzt gefundene Darstellung durchaus verständlich. So verständlich, dass sie in  der ihr eigenen Art schlussfolgerte: „Ich dachte immer, Du möchtest nicht in einem Kindergarten arbeiten…aber ist das, was Du machst, nicht genau dieselbe Dienstleistung?“

Ich gestehe, dass ich es aus dieser Warte bislang nicht betrachtet hatte. Aber ich werde ihre Vorstellung nicht korrigieren – zumindest nicht in den nächsten 20 Jahren.

Erfahren Sie, wie Capgemini’s Virtual Delivery Center virtuelle Roboter als Arbeitskräfte zur Verfügung stellt, um Ihre Geschäftsprozesse voranzutreiben: https://www.capgemini.com/service/business-services/enabling-technologies/virtual-delivery-center/

* Übrigens – hier noch ein Lesetipp für alle, die sich intensiver mit dem Thema Automatisierung und Mitarbeiter beschäftigen wollen. Die Studie wurde vom Capgemini Research Institut 2018 verfasst:  „Automatisierung braucht Mitarbeiterbefähigung – Wie Höherqualifizierung zum Erfolg von Automatisierung beiträgt

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