UX ist sexy, UI ist hot, aber sie allein sind kein Erfolgsrezept für Applikationen die man liebt

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5 Tipps für Applikationen, die Anwender lieben

Andreas Lutz, Capgemini

In der Zeit von Instagram, Snapchat und Airbnb sind benutzerfreundliche Apps, die es Spaß macht zu verwenden, wichtiger denn je. Smartphones und deren Apps haben zuerst den Fokus der Endnutzer auf Usability gelenkt. Mittlerweile wollen auch immer mehr Unternehmen und Organisationen Apps entwickeln, die geliebt werden. Es ist dabei egal ob es sich hierbei um Applikationen für Endnutzer oder für internen Gebrauch handelt, ob Smartphone, Web oder Desktop. Das Ziel ist es moderne Apps für den Nutzer zu entwickeln. Das ist eine großartige Entwicklung!

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Was ich auf Kundenseite auch sehe ist oft der Gedanke, dass, wenn man geliebte Applikationen bauen möchte, einfach am Anfang ein wenig User Experience (UX) und User Interface (UI) oder beides streuen muss und der Rest wächst von ganz allein. Das ist leider nicht so. User Experience, die sich gut anfühlt und ein User Interface, das gut aussieht sind wichtige Bausteine, aber lange nicht alles. Für Entwicklungsleiter, Projektleiter, Architekten und CTOs unverzichtbares Wissen. Jedoch auch für ambitionierte und interessierte Entwickler. Meine fünf Tipps für Applikationen die die Anwender lieben werden.

Tipp 1: Dauerhafte Integration der Rollen UX- und UI-Designer

Ganz prinzipiell ist es wichtig, dass insbesondere in der agilen Entwicklung sowohl UX- als auch UI-Designer als feste Rollen im Projekt vorgesehen werden und den gesamten Entwicklungsprozess dauerhaft begleiten. Neue Anforderungen oder User Stories im neuen Sprint müssen genauso konzipiert und designed werden, genauso wie Änderungen in bestehenden Anforderungen. Der Projektleiter muss dies vorsehen und einplanen.

Wird das nicht getan, dann kann man der gut konzipierten User Experience und dem gut designten User Interface langsam beim Zerfall zuschauen. Wenn man Entwickler daraufhin anspricht hört man meist, dass diese sich auf die Umsetzung der fachlichen Anforderungen konzentrieren – und das sind fast nie die Verbesserung der User Experience, sondern im Backend verschlossene Prozesse.

Tipp 2: Initiale Konzepterstellung – Wireframe und Visual Design

Bevor ich mit der Software-Entwicklung beginne, macht es Sinn initial Anforderungen zu sammeln und ein grundlegendes Konzept auszuarbeiten. Insbesondere die Integration der Fachseite ist die Krux eines jeden IT-Projektes. Im Fokus soll die Lösung eines Problems stehen. Dass dieses Problem mit Hilfe einer Applikation gelöst werden kann, ist erst der zweite Schritt. Der erste heißt verstehen, sammeln und schärfen. In der agilen Entwicklung ist dies übrigens eine Schleife, die sich immer wieder wiederholt. Die Fachseite muss eng eingebunden werden, Feedback muss eingesammelt werden, genauso wie Wünsche zur Weiterentwicklung, insbesondere vom Endanwender. Nur so stellt man sicher in die richtige Richtung zu laufen.

Hat man Anforderungen gesammelt, kann man mit Hilfe eines UX-Designers Mockups konzipieren. Diese Mockups oder auch Wireframes geben eine gewisse Struktur des Aufbaus vor, sind der erste Schritt zur Visualisierung und konzentrieren sich vor allem darauf wie es sich anfühlt die App zu benutzen und welcher Schritt dem anderen folgt, sogenannte „Flows“. Man kann hier entweder mit Hilfe eines Workshops gemeinsam Wireframes erstellen oder man lässt dem UX-Designer ein wenig mehr freie Hand und hat auch hier kurze Feedbackschleifen. Oder beides: Zu Beginn gemeinsam in einem Workshop um die Ausrichtung und das Konzept zu schärfen, während der Entwicklung in kurzen Feedbackschleifen über den UX-Designer.

Sind die Wireframes final, folgt immer das UI-Design, auch Visual Design genannt, mit dem UI-Designer. Der UX-Designer kann auch der UI-Designer sein. Hier geht es nur nicht mehr um Fühlen, sondern um Aussehen. Er gibt den Mockups die Farben und Formen die sie benötigen um ein finales Gewandt zu bekommen, was genau so später ausschauen soll. Zerstückeln diese dann das finale Visual Design in kleine Bildchen und geben sie den Entwicklern weiter, können diese mit der Entwicklung beginnen.

Tipp 3: Auswahl der richtigen Entwickler-Bausteine

Nachdem ein initiales Konzept oder eine Anforderung mit Hilfe von Mockups konzipiert und anschließend als Visual Designs optisch finalisiert wurde, folgt die Entwicklung. Wie bereits erwähnt ist es wichtig, dass auch diese nicht nur von Entwicklern und Architekten begleitet wird, sondern weiterhin von UX- und UI-Designer. Architekten mit einem Verständnis der Arbeit eines UX-/UI-Designers und umgekehrt kombiniert mit einem regen Austausch, fördert die Entwicklung von hochkarätigen Applikationen. Dennoch: Das schönste und ergonomischste Design hilft nichts, wenn die Bausteine zur Umsetzung die Limits setzen.

Als Basis steht immer die geeignete Auswahl eines (open source) Techstack. Der ermöglicht überhaupt erst die Umsetzung der Designs. Des Weiteren wird durch eine Komponentisierung der Oberflächen die Parallelisierung der Entwicklung vereinfacht, Fehler vermieden und Redundanzen ausgemerzt. Ganz nebenbei ist es insbesondere für juniore Entwickler deutlich spannender am Puls der Zeit zu leben und aktuelle Sprachen und Methoden zu verwenden. Das ist auch bei der Arbeitnehmerwahl ein entscheidendes Kriterium. Es fördert das Recruiting und auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter, was nicht unterschätzt werden sollte.

Tipp 4: Das richtige Entwickler-Werkzeug und wie man damit umgeht

Wenn das richtige Werkzeug ausgewählt wurde muss immer noch geklärt werden wie man damit arbeiten soll. Zum einen ist das wichtig um eine einheitliche und effiziente Arbeitsweise zu schaffen, zum anderen vermeidet man damit die falsche Nutzung der richtigen Werkzeuge. Man kann auch mit einer Kreissäge einen Nagel in das Brett hämmern, ist jedoch wenig sinnvoll. Auch ein gemeinsames Lernen und weiterentwickeln steht hier im Mittelpunkt.

DevOps/Continuous Integration eine Branching Strategie und den Einsatz von Code Review sind Themen die sich wiederfinden sollten. Die Prozesse und Vorgehen muss abgestimmt werden um Chaos, Verwirrung und Fehler zu vermeiden. Ein geeigneter Ort für solche Themen ist sicherlich das Entwicklerhandbuch, was man gerne zentral verwalten kann um die Aktualität zu gewährleisten – Confluence sollte man dabei in Betracht ziehen.

Dass die richtigen Tools auf die richtige Weise genutzt werden ist jedoch mehr nötig als der Verweis in einer E-Mail auf ein paar schöne Wörter einer Confluence-Seite. Die Ideen des Managements müssen in die operative Ebene einfließen und wirken. Change-Management ist wichtig, vor allem bei senioreren Mitarbeitern, welche eine gewisse Routine und Erfahrung mitbringen. Integration der Mitarbeiter ist wichtig, Feedback nötig und auch eine iterative Anpassung der Entwicklung ganz im Sinne der agilen Entwicklung.

Tipp 5: Das Gesamtbild im Blick

Zum Abschluss ist es nicht wichtig den großen Blick zu verlieren. Schnell ist man in den Details und auf Code-Ebene und vergisst was links und rechts passiert. Das gilt es zu vermeiden mit Hilfe von Solution Architekten, welche mit den Enterprise Architekten zusammenarbeiten um neue Applikationen geeignet in die Unternehmensarchitektur einzubinden. Strategien müssen aligned werden, denn nicht immer ist die Vision einer Applikation mit der Vision der Unternehmensarchitektur 100% zu vereinbaren. Hier gilt es gemeinsam Lösungen zu erarbeiten um das Optimum herauszuholen.

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