Open Data: Wie Unternehmen die europäische Datenwirtschaft mitgestalten können

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Organisationen nutzen Daten für vordefinierte Zwecke. Alles jenseits davon bleibt unberührtes Potenzial. Deswegen möchte die EU öffentlich finanzierte Daten vermehrt frei zur Verfügung stellen – eine Chance für Unternehmen.

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Die EU-Kommission hat eine Vision: eine europäische Datenwirtschaft, erstmals vorgestellt in der Mitteilung der Kommission vom 10. Januar 2017. In einer weiteren Mitteilung vom 25. April 2017 schlägt die Kommission ein Maßnahmenpaket zum Aufbau eines gemeinsamen Datenraums in der EU vor – einem nahtlosen digitalen Raum, der die Synergieentwicklung zwischen mit Daten arbeitenden Unternehmen fördern soll.

Freier Datenverkehr als 5. Binnenraumfreiheit: EU-Kommission verankert freien Datenfluss im EU-Recht

In der geplanten EU-Datenwirtschaft sollen Daten frei fließen können, quasi als fünfte Binnenmarktfreiheit neben dem freien Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr. Dies trägt der Überzeugung Rechnung, dass Daten eine wesentliche Quelle für Wirtschaftswachstum, höheren Wettbewerb, Innovationen und Arbeitsplätze sind. Den Wert digitaler Daten beziffert die EU mit einem Wert von 739 Milliarden Euro bis 2020 – das entspricht 4 Prozent des Gesamt-EU-BIPs. Allein für den Open Data-Bereich wird den EU28+ Staaten für 2018 ein direktes Marktvolumen in Höhe von 64,6 Milliarden Euro prognostiziert. Des Weiteren schätzt das vor kurzem aktualisierte EU-Monitoring „Der europäische Markt für Daten“ die Größe der Datenwirtschaft in der EU für 2020 auf ca. 360.000 Data-Unternehmen und ca. 10,4 Millionen Datenspezialisten.

Mit diesem Wachstum entsteht aber ein Vakuum zwischen Angebot und Nachfrage an Datenspezialisten: 2016 waren 420.000 Stellen unbesetzt. Laut aktuellen Prognosen wird sich die Talent-Lücke in der EU bis 2020 weiter verschärfen, mit einer Konzentration der unbesetzten Stellen in den großen Mitgliedstaaten, insbesondere in Deutschland und Frankreich. Mit gezielten Trainingsprogrammen innerhalb des Unternehmens und Fortbildungsinitiativen als Public-Private-Partnerschaften mit anderen Bereichen wie dem öffentlichen Sektor könnte diesem Trend entgegen gesteuert werden.

Das Potenzial von Open Data ist die gemeinsame, mehrfache Nutzung

Daten sollten nicht als wettstreitige Ressource betrachtet werden. Dieselben Daten können oftmals als Grundlage für die Entwicklung mehrerer Produkte und Dienstleistungen dienen. Ihre Bereitstellung zehrt keinen individuellen Wettbewerbsvorsprung auf. Insbesondere für das Training von KI-Anwendungen gilt die Bereitstellung relevanter Daten aber als wichtiges Element, um für Europa  insgesamt einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu schaffen.

„Um aus Unternehmen Data-Trendsettern zu machen, bedarf es einer nach innen und außen blickenden Unternehmensstrategie.“
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Um aus Unternehmen Data-Trendsettern zu machen, bedarf es einer nach innen und nach außen blickenden Unternehmensstrategie.

Nach innen blickend sollte die Strategie folgenden Maßnahmen beinhalten:

  • Prozesse: Aufnahme und Implementierung der Prozesse zum Mapping der nicht-personenbezogenen maschinengenerierten Bestandsdaten sowie zur Evaluierung der Machbarkeit der Bereitstellung dieser Daten; anschließend Aufnahme und Implementierung der Prozesse zur Datenveröffentlichung.
  • Technologie: Alignment hinsichtlich der existierenden IT-Systeme und gegebenenfalls ein IT-Check  hinsichtlich der  Bereitstellung von automatisiertem Zugriff auf die Daten, sowie internes Alignment mit Bezug auf die Datenveröffentlichungsformate, die begleitenden Lizenzen und Nutzungsrechte für die Weiterverwendung durch Dritte.
  • Governance & Verantwortung: Die Einführung einer Data Governance-internen Task-Force sowie eines Daten-Hauptverantwortlichen können für die notwendige Governance und das interne Qualitätsmanagement sorgen. Ferner bedarf es eines tiefgründigen Verständnisses hinsichtlich der Verantwortung, die mit dem Sammeln von Daten einhergeht. Mit der Datenschutz-Grundverordnung schafft die EU einen soliden Rahmen für das Vertrauen, um eine tragfähige Entwicklung der Datenwirtschaft zu ermöglichen. Daher sollten Führungskräfte auch Konzepte wie Data Ethics stärker ins Visier nehmen. Das heißt nicht gleich die Einführung eines dedizierten Chief Data Ethics Officer. Nichtdestotrotz sollten ethische Überlegungen den Umgang mit Daten begleiten und idealerweise in einem internen Data-Ethikkodex festgehalten werden.
  • People: Talentlücke schließen: Unternehmen sollten ganz gezielte Investitionen in den Auf- und Ausbau der internen Fähigkeiten zum Umgang mit Daten tätigen, um die drohende Talentlücke zu schließen. Die Weitergabe von Daten- Knowhow muss eine zentrale, vielleicht sogar institutionalisierte Rolle spielen. Denn diese Fähigkeiten werden mehr denn je benötigt.

Nach außen blickend sollten folgende Elemente berücksichtigt werden:

  • Automatisierter Zugang zu den Daten durch die Bereitstellung von APIs.
  • Beteiligung an Data Collaboratives: Diese können dazu beitragen, weitere wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteile durch die intensivierte gemeinsame Datennutzung zwischen Unternehmen zu erzielen. Dieser Gedanke treibt auch die in der EU existierenden Data-Collaboratives und virtuellen Daten-Marktplätze, in denen Großunternehmen, KMUs oder Start-Ups und Einrichtungen des öffentlichen Sektors zusammenarbeiten, um das vollständige Potenzial der Daten für die Gesellschaft auszuschöpfen.
  • Veranstaltung von und Mitwirkung an Datathons und Data-Challenges: Mit solchen bereits etablierten Formaten gelingt es Unternehmen, die Weiterverwendung ihrer Daten zu fördern. Die hierdurch entwickelten Produkte und Anwendungen bieten eine hervorragende Möglichkeit für Unternehmen, weitere Mehrwerte für die Gesellschaft zu schaffen.

Mit diesen Maßnahmen gelingt es Ihnen, die Potenziale offener Daten für Ihr Unternehmen zu erschließen und zum aktiven Mitgestalter der EU-Datenwirtschaft zu werden. Welche Schritte haben Sie bereits eingeleitet, um Ihre Organisation zum Datenwirtschaft-Trendsetter zu entwickeln? Diskutieren Sie mit!

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