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Fortschritt und stetiger Wandel sind nichts Neues. Getrieben durch innovative Erfindungen und Entdeckungen hat sich die Menschheit über die Jahrtausende zu einer zivilisierten Informationsgesellschaft weiterentwickelt. Nach aktueller Zählweise befinden wir uns damit – nach der Phase des Jagens und Sammelns, dem Agrarzeitalter und der Industriegesellschaft – auf der vierten Stufe. Allerdings ist auch die Informationsgesellschaft nur ein Zwischenschritt. Denn getrieben durch die Digitalisierung und im Zusammenspiel mit den anderen großen Einflussfaktoren – der Globalisierung, der Demografie und dem Klimawandel – steht mit der smarten Gesellschaft die nächste Stufe an. Und diese Gesellschaft 5.0 bietet enorme Potenziale.

„Es bedarf noch vieler kleiner und großer Anstrengungen, um die Stufe 5.0 tatsächlich zu erklimmen.“
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Technologische Anwendungen und digitale Prozesse verändern alle gesellschaftlichen Lebensfelder. Sie machen die Arbeitswelt effizienter, optimieren unsere Verkehrsströme und Verwaltungsabläufe und helfen, die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Allerdings bedarf es noch vieler kleiner und großer Anstrengungen, um die Stufe 5.0 tatsächlich zu erklimmen. So bleiben eHealth, autonome Verkehrssysteme und eine digitale Verwaltung eine Verheißung, wenn es nicht gelingt, die dafür notwendigen Bandbreiten flächendecken sicherzustellen.

Deutschland muss dazu substanziell in die physische Infrastruktur investieren.

Je mehr Lebensbereiche von der Digitalisierung durchdrungen werden, umso höher werden die Ansprüche an die Leistungsfähigkeit der Netze. Oder können Sie sich bei der aktuellen Versorgung vorstellen, komplexe medizinische Leistungen online oder gar mobil in Anspruch zu nehmen? Der lückenlose Infrastrukturausbau ist im Koalitionsvertrag vorgesehen, stand allerdings auch schon in den letzten Legislaturperioden auf der Agenda. Die neue Bundesregierung muss hier endlich liefern.

Rahmenbedingungen für innovative Anwendungen schaffen.

Finanzielle Investitionen in die digitale Infrastruktur sind eine notwendige Bedingung, jedoch nur der Anfang. Richtig interessant wird es erst danach. Wenn die technischen Voraussetzungen gegeben sind, müssen die Rahmenbedingungen für all die innovativen Anwendungen und Prozesse geschaffen werden. Denn nur, wenn die Neuerungen in der Breite bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommen und sich im Alltag als nützlich und hilfreich erweisen, kann die Gesellschaft insgesamt profitieren.

Beispiel Datenschutz: Das Vertrauen in die Sicherheit der eigenen Daten ist eine existenzielle Voraussetzung der Gesellschaft 5.0. Die Chancen der Digitalisierung können in den unterschiedlichen Lebensbereichen nur gehoben werden, wenn die Bürgerinnen und Bürger nicht die Macht über ihre eigenen Daten verlieren. Der aktuelle Facebook-Fall zeigt, wie herausfordernd diese Aufgabe ist. Und das nicht nur für die Politik.

Beispiel Digitale Kompetenzen: Der souveräne Umgang mit den Errungenschaften der Digitalisierung will gelernt sein. Das erfordert von jedem Einzelnen eine gewisse Offenheit gegenüber neuen Entwicklungen, aber auch erhebliche, eigene Bildungsanstrengungen.

Beispiel Arbeit: Die Digitalisierung verändert die bekannten Muster unserer Arbeitswelt. Manche Jobs werden von Maschinen und Algorithmen ersetzt, gleichzeitig entstehen vielfältige neue Tätigkeitsfelder. Der Wandel der Arbeitswelt an sich ist dabei nichts Neues, das Tempo der Veränderungen schon. Im Takt mit Innovationen und technologischem Fortschritt ist daher das Erlernen ständig neuer Fertigkeiten und Fähigkeiten erforderlich. Politik und Wirtschaft müssen hierzu Weiterbildungsmodelle entwickeln, die für alle Menschen zugänglich und finanzierbar sind. Der Koalitionsvertrag enthält eine Reihe von Maßnahmen, eine übergreifende Vision für das Bildungssystem der Zukunft ist jedoch noch nicht erkennbar.

Der Weg in die Gesellschaft 5.0 ist noch lang und mitunter steinig. Aber die Anstrengungen lohnen sich. Das Leitbild der smarten Gesellschaft, wie es die Studie „Gesellschaft 5.0 – Implikationen der Digitalisierung“ zeichnet, verdeutlicht dies.

Was sind Ihre Visionen für die smarte Gesellschaft 5.0? Und welche wichtigen Schritten sehen Sie auf dem Weg dorthin? Schreiben Sie mir gerne – ich freue mich auf die Diskussion.

 

Dr. Oliver Ehrentraut ist Vize-Direktor und Leiter des Bereichs Volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Grundsatzfragen der Prognos AG.