Wie sich die Automobilindustrie über die IT-Architektur neu erfindet

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Markus Großmann hat einen aufregenden Job: Als IT-Architekt gestaltet er in Stuttgart die Evolution der Automobilbranche mit.

IT-Architektur wird für die strategische und zukunftsorientierte Ausrichtung von Automobilunternehmen immer wichtiger: Egal, ob es um selbstfahrende Autos, neue Mobilitäts-Geschäftsmodelle oder die Bedienung von Fahrzeugen per App geht. Ein IT-Architekt plant und realisiert hierfür komplette Software-Landschaften. Er braucht also den vollen Überblick, sowohl über die bestehende IT-Infrastruktur des Unternehmens als auch über die branchenspezifischen Anforderungen.

Die zunehmende Digitalisierung, Datenverarbeitung und Vernetzung – sowohl in der Autoproduktion als auch in der Produktnutzung durch den Endverbraucher – stellt die Automobilbranche vor neue Herausforderungen. IT-Architekten sind dabei besonders gefordert. Sie müssen neue, zukunftssichere Lösungen finden und in die bestehenden IT-Landschaften integrieren.

Markus Großmann, Managing Solution Architect bei Capgemini, entwickelt Automotive-Backend-Systeme für das Kunden- und Mitarbeitererlebnis von morgen. Im Interview erzählt er von seinem Alltag am Automotive Hotspot Stuttgart.

Stuttgart ist durch die dort ansässigen Unternehmen ein wichtiges Zentrum für die Automobilindustrie. Wie wirkt sich das auf die tägliche Arbeit in deinem Team aus?

Auch für Capgemini ist die Stadt einer der Top-Standorte für die Zusammenarbeit mit unseren Automotive-Kunden. Entsprechend viele IT-Jobs gibt es in Stuttgart. Seit 1996 sind wir zum Beispiel für Daimler aktiv und inzwischen ein strategischer Partner von Entwicklung bis After Sales.

Was unterscheidet die Arbeit des IT-Architekten in der Automotive-Industrie im Vergleich zu anderen Projekten?

Früher haben IT-Architekten hauptsächlich in klassischen Informationssystemen gearbeitet, in denen Daten, Kunden und Aufträge verwaltet wurden. In der Automotive-Branche sind Architekten mehr und mehr auch am Lösungsdesign beteiligt, wenn die Bereiche nicht den klassischen Informationssystemen zugeordnet werden können.

Zum Beispiel indem wir das Internet der Dinge (IoT) oder Augmented Reality einsetzen. Aktuell bauen wir einen Prototypen mit der Augmented-Reality-Brille HoloLens von Microsoft. Mit ihr sollen Fahrzeuge in letzter Instanz noch einmal geprüft werden können. Wenn der Tester bei der Fahrzeugprüfung die HoloLens nutzt, sieht er alle einzelnen Prüfschritte. Das macht die Arbeit des Prüfers leichter, effizienter und zuverlässiger. Die Herausforderung ist hier, eine tragfähige Architektur zu finden, welche das Augmented-Reality-Frontend mit den Backend-Systemen verbindet und die Geometrien der Autos und Testfall-Spezifikationen beinhaltet. Dieser Einfluss auf die Produktionsprozesse macht die Architekturarbeit in der Automobilbranche so besonders.

Das heißt wir finden technische Lösungen für konkrete Branchenherausforderungen und nehmen damit unmittelbar Einfluss auf die Prozesse und Strukturen der Unternehmen. Außerdem ist die Zusammenarbeit mit den Kunden viel interaktiver und agiler als früher.

In den vergangenen Jahren hat sich die Automobilindustrie sehr verändert –  Themen wie Artificial Intelligence und Data Mining sind nur zwei Beispiele. Wie wirken sich solche Trends auf die Tätigkeit deines Teams aus?

IT und Automotive wachsen immer mehr zusammen. Die gesamte Automotive-Branche erfindet sich gerade neu. Die Digitalisierung führt zu einem enormen Wandel, was neue Geschäftsmodelle angeht, zum Beispiel indem Dienste rund um das Fahrzeug in Form von Apps angeboten werden. Auch in diesem Feld arbeiten wir bereits. Wir entwickeln neue Geschäftsmodelle im Kontext von connected vehicle, die das Kundenerlebnis in den Vordergrund stellen. Die Nutzer können sich mobil mit dem Fahrzeug vernetzen, digitale Serviceberichte erhalten, sich Inspirationen auf Reisen zeigen lassen und vieles mehr.

Darüber hinaus haben wir in unserem Team beispielsweise einen innovativen Fahrzeugkonfigurator entwickelt. Weitere spannende Trendthemen, an denen wir arbeiten, sind IT-Architekturen auf Basis von Microservices und die Migration und Erstellung von Applikationen in der Cloud.

Durch diese Digitalisierung in allen Bereichen rund um das Fahrzeug reden wir hier über eine neue Epoche der Industrialisierung – und da sind wir gern ganz vorne mit dabei, indem wir Systeme entwickeln, die die Kunden oder Autofahrer selbst in Aktion erleben können. Ich freue mich, zusammen mit meinem Team Hands-on mit State-of-the-Art-Technologien zu arbeiten.

Welche Herausforderungen ergeben sich speziell aus dem Thema „autonomes Fahren“ für dich und dein Team?

Die Automobilhersteller haben hier unterschiedliche Visionen. Wohin die Reise wirklich geht, kann man noch nicht mit Sicherheit sagen. Das fordert eine gewisse Neugier, Flexibilität und eben auch eine Lösung – insbesondere die Architekten müssen hier eine neue Software-Architektur erschaffen, die auf die bestehende aufgesetzt werden kann. Und sie müssen dafür sorgen, dass gute Übergangsszenarien entwickelt werden. So gestalten wir bei Capgemini diese Transformation aktiv mit.

Was denkst du – wann können wir mit den ersten selbstfahrenden Autos auf den Straßen Deutschlands rechnen?

Die selbstfahrenden Autos werden zumindest international teilweise bereits im Straßenverkehr getestet. Auch in Deutschland werden sie kommen. Wann? Da wage ich keine Prognose abzugeben. Ob sie dann direkt auf der Straße fahren oder auf separaten Wegen, bleibt abzuwarten. Das ist aber auch das Spannende: dass man manche Dinge einfach noch nicht planen kann. Ich rechne allerdings damit, dass es schneller gehen wird, als wir es heute vermuten.

Ist Erfahrung in der Automobilbranche notwendig, wenn man in deinem Team anfangen möchte?

Ein Faible für die Automotive-Branche wäre natürlich sehr schön und passend. Aber es ist keine zwingende Voraussetzung. Es ist eher wichtig, dass man ein gutes Verständnis für Software Engineering hat.

Was schätzt du über die Arbeit hinaus an Stuttgart?

Stuttgart hat viel mehr internationales Flair, als man denkt. Oper, Ballett und Musical – das alles ist von Weltrang. Das Kulturangebot ist sehr vielfältig. Außerdem gibt es Naherholungsgebiete direkt vor der Haustür: Wälder, Seen, Weinberge. Alles lässt sich sehr schnell erreichen, ohne dass man lange mit dem Auto unterwegs ist. Und ich habe kurze Wege zum Kunden, das ist natürlich angenehm.

Sie finden das Thema Software-Architektur spannend? Dann schauen Sie doch gleich mal nach unseren aktuellen Stellenangeboten für IT-Architekten! Wenn Sie sich für Automotive begeistern, gibt es übrigens auch andere interessante Positionen bei Capgemini. Oder Sie steigen bei uns als Projektmanager oder Berater ein – in jedem Fall freuen wir uns auf Ihre Bewerbung! Hier finden Sie zudem weitere Informationen über unseren Stuttgarter Standort.

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