André, du leitest den Standort Erfurt. Wie an anderen Standorten auch, gehst du dort beim IT-Projektmanagement neue Wege. Um agiler und schneller zu sein, arbeitest du mit Modellen wie Scrum. Welche Vorteile hat das?  

Mit Scrum gewinnt der Entwicklungsprozess enorm an Flexibilität und Dynamik.  Wir können zielgerichteter arbeiten und gelangen schneller zu konkreten Ergebnissen. Durch die Möglichkeit das Zielbild unserer Kunden verbunden mit der Erwartungshaltung der Anwender in kurzen Abständen mit greifbaren Ergebnissen abzugleichen, können z.B. Projektrisiken deutlich schneller erkannt und konsequenter reduziert werden. Moving Target und Fehler werden defacto systemimmanent.  Agile Methoden sind damit meines Erachtens viel näher dran am „natürlichen“ Umgang mit Problemstellungen. Insbesondere die damit verbundene neue positive Fehlerkultur, hilft uns Teamspirit zu erzeugen und erleichtert u.a. auch die Integration neuer Kollegen und Kolleginnen in die Teams.
Festzuhalten ist aber auch, dass damit andere Methoden z.B. Wasserfall nicht automatisch obsolet werden. Vom Kunden her denken bedeutet Methodik ständig im Sinne der Zielstellung unserer Kunden zu hinterfragen und ggf. zu adaptieren.

Unsere Regeln: Lasst uns dynamisch entwickeln. Lasst uns Fehler machen. Lasst uns vom Ergebnis her denken. Und vor allem: Lasst uns die Sicht der Kunden bzw. Anwender einnehmen.

Der Standort Erfurt wurde erst im vergangenen Jahr eröffnet. Seitdem arbeitest du dort vor allem mit Kunden aus dem öffentlichen Sektor – Landes- und Bundesbehörden etwa. Ist die Bereitschaft, mit agilen Modellen wie Scrum zu arbeiten, dort geringer als bei Unternehmen der freien Wirtschaft?

Nein, das ist sie nicht. Die Projektmanagement-Erfahrung im Bereich Software Engineering oder Software Development ist dort ja keine andere, als in der Wirtschaft. Die Nachteile des Wasserfallmodells – also des linearen, starr aufgebauten Projektvorgehens – haben die verantwortlichen Personen auch im öffentlichen Sektor wahrgenommen. Insofern waren auch sie offen für Veränderungen. Der Wunsch, agiler und schneller zu werden, ist definitiv da. Stabilität, Vorhersagegenauigkeit, Rechtskonformität, Datensicherheit und Datenschutz sind einige Faktoren, die für Projekte im Public Sector dennoch berücksichtigt werden müssen und die auch künftig ihre Berechtgung haben werden

„Mit Scrum arbeiten wir schneller, kreativer, agiler.“

Was unterscheidet Scrum überhaupt vom herkömmlichen Wasserfallmodell?

Beim Wasserfallmodell wird das Projekt schrittweise abgearbeitet. Der Ablauf ist klar definiert. Das gewährleistet zwar Planungssicherheit, zwängt den Prozess aber in ein sehr enges Korsett. Scrum gibt weniger Struktur vor und lässt uns eine deutlich höhere Flexibilität. Wir können schneller, kreativer, agiler arbeiten und auf veränderte Kundenanforderungen rasch reagieren. Scrum ist eine Antwort auf das immer höhere Tempo der Digitalisierung und die sich schnell ändernden Nachfragebedingungen im Bereich Software. Das heißt natürlich auch, dass sich die Anforderungen an einen Entwickler bei Capgemini verändert haben.

Welche Anforderungen stellst du denn an einen Entwickler?

Mit DevOps, Continuos Deployment etc. verwischen die Grenzen zwischen Plan, Build und Run zunehmend. Ein guter Entwickler muss heutzutage umso mehr kommunikativ sein und die Anwendung aus einer ganzheitlichen Perspektive betrachten. Ich sehe den Entwickler tatsächlich viel stärker als Software Engineer und zentraler Ankerpunkt moderner Anwendungsentwicklung. Damit gewinnt die Position meines Erachtens auch nochmals deutlich an Bedeutung. Gute Programmierfähigkeiten sind und bleiben natürlich auch sehr wichtig. Großen Wert legen wir außerdem auf einen ständigen Wissens- und Innovationsdrang. Die Frage muss immer lauten: Was können wir noch besser machen?

„Auf Hierarchien legen wir wenig Wert.“

Du betonst den Wert von Teamarbeit. Worauf achtest du dabei besonders? 

Vor allem auf eine sehr agile, sehr kundenorientierte Vorgehensweise, die genügend Raum für die Entwicklung jedes einzelnen Teammitglieds lässt. Uns ist wichtig, dass jeder seine Ideen einbringen kann, unabhängig davon, wie lange er dabei ist. Dabei lehnen wir Dogmatismus ab und legen wenig Wert auf Hierarchien: Wenn ein junger Mitarbeiter eine Idee hat und wir merken, dass sie gut funktioniert, dann ändern wir eben unsere Vorgehensweise. Das gleiche gilt natürlich für Ideen erfahrener Mitarbeiter.

Auch wer sein Studium noch nicht abgeschlossen hat, kann bereits Teil des Capgemini-Teams werden: So haben Studierende die Chance, im Unternehmen ihre Abschlussarbeiten zu schreiben. Erzähle uns darüber.

Studierende können bei Capgemini ihre Abschlussarbeit zu einer aktuellen und herausfordernden Fragestellung mit hohem Praxisbezug zu schreiben. Der Vorteil: Bei uns können sie Themen und Prozesse nicht nur in der Theorie studieren, sondern genau untersuchen, wie wir damit Tag für Tag im Auftrag des Kunden arbeiten. Worauf der Student bei seiner Arbeit den Fokus legt, ist ihm selbst überlassen.

Was sind die Voraussetzungen für die Bewerbung für eine Abschlussarbeit?

Voraussetzung ist neben einem Bachelor- oder Masterstudium mit MINT-Schwerpunkt vor allem viel Motivation. Wer bei uns seine Abschlussarbeit schreibt, sollte Lust darauf haben, unsere Experten zu interviewen, die Arbeit mit dem Kunden vor Ort zu studieren und Nachfragen zu stellen. Sind diese Punkte erfüllt, freuen wir uns auf eine Bewerbung.

Reden wir abschließend über Erfurt: Was zeichnet den neuen Capgemini-Standort aus?

Erfurt ist ein fantastischer Ort. Eine solche Altstadt, mit so viel Kultur und Geschichte, gibt es nicht häufig in Deutschland. Erfurt ist gleichzeitig eine moderne und vibrierende Studentenstadt. Und jetzt haben wir einen Standort eröffnet, der diese besondere Dynamik widerspiegelt. Wir können hier regional arbeiten, ohne auf die globalen Ressourcen eines Top-IT-Unternehmens verzichten zu müssen. Das macht die Arbeit sehr angenehm. 

Sie möchten Teil des Capgemini-Teams in Erfurt werden? Bewerben Sie sich als IT-Projektmanager, Junior-Software-Ingenieur, IT-Architekt oder Junior-Berater für Software- und Prozesslösungen. Alle aktuellen Stellenausschreibungen und weitere Informationen über den Standort Erfurt finden Sie hier.