Von der Energiewende zur Cloudwende – Teil 2: „Multispeed-IT“ als Enabler

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Moderne Energieversorgungsunternehmen (EVU) müssen wie eine Flotte aus Schnellbooten, Yachten und Frachtschiffen geführt werden: gleichermaßen agil, flexibel und stabil.

Die heterogenen Veränderungsgeschwindigkeiten im Unternehmen.

Energieversorger haben den Veränderungsdruck durch das Spannungsfeld, dem sie ausgesetzt sind, schon längst mitbekommen und versuchen auf die Fragen aus dem 1. Teil der Blogserie stets Antworten zu finden. Aufgrund verschiedener Arbeitsweisen im Unternehmen selbst wird jedoch auch unterschiedlich auf diesen Druck reagiert. Manche Teams agieren wie Schnellboote: erkundungsfreudig, keine Angst vor fremden Gewässern und ständig auf der Suche nach neuen Schätzen. Sie sorgen für die Innovationen im Unternehmen und somit für einen signifikanten kompetitiven Vorsprung. Andere Teams sind eher wie Yachten: luxuriös, von vorne bis hinten mit der neuesten Technologie ausgestattet und auf anspruchsvolle Nutzer fokussiert. Sie helfen dem Unternehmen sich von seinen Wettbewerbern abzuheben und die Lösungen attraktiver zu gestalten. Wieder andere Teams sind wie Frachtschiffe: funktionell ausgerichtet und kaum den Kurs ändernd. Sie sind zuständig für stabile, standardisierte Prozesse und Systeme und halten das Kerngeschäft am Leben.

Was haben Schiffe mit Energieversorgern zu tun?
Diese Analogie verdeutlicht, dass das moderne Energieversorgungsunternehmen auf dem dynamisch-disruptiven Markt seine gesamte Flotte benötigt, um nicht vom Wettbewerb abgehängt zu werden. Es muss entsprechend gemanagt werden und dahinterliegende Strukturen müssen auf diese verschiedenen Geschwindigkeiten ausgerichtet sein. Sowohl die ganzheitliche digitale Strategie als auch das Business- und IT-Operating Model des EVU müssen diesen Anforderungen gewachsen ein.

Eine „Multispeed-IT“ ist unabdingbar.

Es bedarf einer IT, welche in gleichem Maße schnell als auch flexibel agieren kann. Des Weiteren müssen laufende Prozesse stabil und zuverlässig weitergeführt werden. Um diese gegensätzlichen Arbeitsweisen abzubilden, hat sich eine Geteilte bewährt: Während ein Bereich auf die Unterstützung des Tagesgeschäfts ausgerichtet ist und in traditionellen Entwicklungszyklen vorgeht, stellt ein anderer eine Umgebung bereit, in welcher neue Ideen für das Business von agilen Teams erprobt, entwickelt und an den Markt gebracht werden können. Diese sogenannte „Multispeed-IT“ muss dabei folgende Charakteristika mit sich bringen:

  • Skalierbarkeit: Einfache Anpassung der Kapazitäten an schwankende Bedarfe bzw. Nutzerzahlen.
  • Flexibilität: Verbesserte Reaktion auf Marktentwicklungen durch einfachere Integration neuer Funktionalitäten.
  • Agilität: Erhöhter Speed-to-Market für die Entwicklung und Nutzung von Neuerungen.
  • Stabilität: Absicherung der Geschäftsprozesse über einen störungsfreien Betrieb der traditionellen IT-Infrastruktur.

Der Aufbau einer solchen IT-Landschaft im eigenen Unternehmen geht meist mit hohen Investitionen einher und bindet viele Ressourcen. Gefordert sind jedoch skalierbare Kapazitäten, Zugang zu Innovationen sowie flexible Preismodelle. Die einzige Möglichkeit dem gerecht zu werden, ist die Nutzung von Cloud-Technologien. Im Gegensatz zum langwierigen und teuren Aufbau von traditionellen Systemen sind IT-Ressourcen aus der Cloud bei Bedarf verfügbar („on demand“), werden nach Nutzung bezahlt (“pay per use”) und ermöglichen den Aufbau einer hocheffizienten automatisierten IT und den Einsatz von DevOps.

Was bedeutet das konkret?
Um diese kryptischen Sätze zu entziffern kann ein bekanntes Streaming-Unternehmen als Beispiel herangezogen werden: Netflix hat ähnliche Probleme, wie die Energieversorger. Während EVU die täglichen Stromlastspitzen über den Tag hinweg antizipieren und mit cleverem Hoch- und Runterfahren von Kraftwerken kontrollieren müssen, sieht sich der Streaming-Anbieter gezwungen den teilweise gut prognostizierbaren Streamingspitzen beim Release von neuen „House of Cards“-Folgen entgegenzuwirken. Diese erreichten in 2015 beispielsweise einen Anteil von 37 % des gesamten nordamerikanischen Internetverkehrs. Es wäre äußerst kostenintensiv diese Kapazitäten ständig vorzuhalten – günstiger ist der Weg über eine Cloud. Die Auslagerung in die Cloud ermöglichte es Netflix zur Bedienung der Spitzen die Kapazitäten automatisch hochzufahren, bei Nichtgebrauch wieder runterzufahren und nur für die tatsächlich genutzte Kapazität zu zahlen.

Stolpersteine beim Gang in die Cloud.

Trotz der bestechenden Vorteile hinken viele Energieversorger im industrieweiten Vergleich noch hinterher. Die häufigsten Gründe für die Zurückhaltung im Energiesektor sind die fehlenden Kompetenzen, Sorge um unzureichende Datensicherheit, Verstöße gegen Compliance und nicht zuletzt die intransparenten Kosten. Offensichtlich herrscht bei vielen Energieunternehmen bisher ein fehlendes Verständnis über die Möglichkeiten und Fähigkeiten moderner Cloud-Lösungen und -Provider.

Wie können diese Risiken minimiert oder gar beseitigt werden? Was genau steckt hinter dem Gang in die Cloud? Und wie kann sich der totgeglaubte EVU wiedererwecken lassen, um agil, flexibel und stabil am Markt zu agieren?

In unserem PoV „Cloud in der Energiewirtschaft – ungenutzte Potentiale“ spannen wir den Bogen vom Megatrend Digitalisierung hin zu einer maßgeschneiderten Cloud-Strategie für Energieversorgungsunternehmen.

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Dieser Artikel wurde von Goran Lovric verfasst.

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