Digitalisierung: Die IT-Architektur im Zwiebelprinzip

Publish date:

„In fünf Schritten und drei Monaten zur Digitalisierung, und die finanziert sich von selbst“, so preisen die heutigen IT-Quacksalber ihre Wunderkuren an, an deren Ende das voll digitalisierte Unternehmen stehen soll.

RSS-Feed abonnieren

IT-Architekten, die tatsächlich ihre Organisation verändern wollen, wissen, dass es so nicht funktioniert. Wie man das tatsächlich anpacken muss, haben vier Vorträge aus dem Bereich Technologie & Chemie, der öffentlichen Verwaltung und der Telekommunikation den Teilnehmern unseres 10. Kundenforums Architektur gezeigt: Ohne die tiefgreifende und umfassende Renovierung der „alten“ IT, die vermeintlich bremst, das Geschäft aber eben trägt, geht es nicht. Keine IT ist eine Insel, erst recht nicht die IT eines Großunternehmens mit einer langen Historie.

Die Zwiebel häuten

Die über lange Zeit gewachsene IT erscheint uns zunächst wie eine Zwiebel. Jede technische Modernisierung, jede nicht ganz umgesetzte Transformation hat ihre Schicht hinterlassen. Jede dieser vielen „Zwiebelhäute“ hat ihre Berechtigung, aber ihr Zusammenwirken ist komplex und macht Änderungen schwierig, langwierig und risikoreich. So beschreibt uns der Leiter IT Solutions eines Telekommunikationsunternehmens einen Aspekt seiner IT. Und fährt fort: Wenn wir uns die IT in einem Großunternehmen nach Umorganisationen, Fusionen und Neuausrichtung des Geschäfts ansehen, dann gibt es nicht nur eine, sondern mehrere Zwiebeln nebeneinander.

Lösungen im Bereich der Digitalisierung brauchen zwei Dinge: Erstens, die zuverlässige Integration mit der bestehenden IT als Grundlage und zweitens, Geschwindigkeit in der Umsetzung. Im ersten Schritt muss dafür eine weitere Zwischenschicht entstehen, die digitale Welt und alte IT voneinander entkoppelt. Hinter dieser Schicht treibt der Architekt die Konsolidierung der alten IT voran.

Agiles Vorgehen muss Versuch und Irrtum zulassen

Einen ganz ähnlichen Ansatz hat uns der Head of Digital Architecture, Design & Integration eines Technologie/Chemie-Unternehmens gezeigt: Hier ist das Vorgehen, die Informationen via Engagement Platform Environment verfügbar zu machen. In diesem Falle sind das Objekte aus den „konventionellen“ ERP-Systemen. Diese technische Kopplung zu gestalten ist aber nur eine der vielen Herausforderungen.

Digitalisierung verlangt mehr als nur die technische Lösung: Den Übergang von festen und langfristig geplanten Großvorhaben zu überschaubaren, flexiblen Ideen, die Versuch und Irrtum zulassen.

In dieser Art des agilen Vorgehens ist man im öffentlichen Bereich weiter, wie uns ein IT-Beauftragter aus der Bundesverwaltung erklärte. Grundmuster der Anwendungen dort ist das „Register“. Dieser Ansatz vermeidet durch konsequente Standardisierung den Anbau immer neuer Zwiebelhäute. Zwischen Register als Backend und dem Frontend liegt wie in den anderen vorgestellten Architekturen so auch hier eine Middleware-Komponente. Angesichts der kurzen Vorlaufzeiten bei Gesetzen im Bund und in der EU muss die IT-Umsetzung in der Bundesverwaltung auf jeder Ebene einem agilen Vorgehen folgen. Über verschiedene Dienstleister kann das nur auf der Grundlage der entsprechenden Standardisierung erfolgen.

Um in einer gewachsenen IT den Überblick zu behalten, und damit die verschiedenen Zwiebeln zu beherrschen, benötigt der Architekt Hilfsmittel. Im kommunalen Bereich haben wir von einer Facharchitektin gelernt, wie die grafische Darstellung der Attribute von Anwendungen und der Abhängigkeiten zwischen eben diesen IT-Entscheidungen überhaupt erst ermöglicht. Niemand erkennt Zusammenhänge aus Tabellen. Das Werkzeug der IT-Architekten ist deshalb das Bild, das das Abstrakte konkret macht.

Fundament für Digitalisierung schaffen

Der Titel des 10. Kundenforums Architektur „Digitalisierung des Alltags – der Architekt als Revolutionär“ hat sich in den Vorträgen des Tages widergespiegelt. Die Digitalisierung findet sich in den fachlichen Aspekten wieder: Ein digitale Lösung findet sich für Ventile an Gasflaschen, in der Abschaffung von Stempeln für das Einreisevisa an der Grenze ebenso wie bei der Verwaltung von Geodaten für öffentliche Stadt-Toiletten. Gemeinsam ist diesen Lösungen ihr innovativer Charakter, die hohe Umsetzungsgeschwindigkeit und Versuch und Irrtum als Ansatz. Ohne solide Grundlage in der konventionellen IT funktionieren diese Lösungen nicht. Leider ist dieses Fundament häufig brüchig und locker, dann muss man es oft erst noch bauen. Die Arbeit des IT-Architekten bleibt also weiter spannend.

Weitere Posts

Agile

Agil Skalieren – nicht das Framework ist entscheidend

Thomas Zeimentz
Date icon August 22, 2019

Agile@Scale: Jeder sucht das richtige Framework um agile zu skalieren. Aber was steht vor der...

Agile

Agiles IT-Betriebsmodell

Felix Middendorf
Date icon Juni 26, 2019

Agile – es geht nicht um das „Ob“, sondern um das „Wie“

IT-Trends

Künstliche Intelligenz: Was IBM und der Brexit gemeinsam haben

Schladitz, Fabian
Date icon Mai 10, 2019

Alle reden von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten Künstlicher Intelligenz (KI), aber viele...

cookies.

Mit dem Fortsetzen des Besuchs dieser Website akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies.

Für mehr Informationen und zur Änderungen der Cookie-Einstellungen auf Ihrem Computer, lesen Sie bitte Privacy Policy.

Schließen

Cookie Information schließen