Blockchain: Ist Bitcoin der Durchbruch?

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Der Bitcoin boomte, der Geist ist aus der Flasche. Aber bedeutet das den finalen Durchbruch für die Technologie?

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Den Erfolgskurs der Kryptowährungen möchte ich mir zum mein Anlass für ein aktuelles Resümee zur Blockchain nehmen. Vielen gilt sie als DIE Revolutionstechnologie quer über alle Branchen. Alles ist möglich, Disruption par excellence. Unzählige Vortragsreihen, Hackathons, Blockchain-Start-ups, die wie Pilze aus dem Boden schießen, ein Anwendungsfall, ein Meilenstein jagt den nächsten – angefeuert vom Milliardenvermögen der Venture-Kapitalisten.

CIOs zeigten sich zaghaft

Mein Eindruck im letzten Jahr war, dass sich CIOs hierzulande mit einer umfassenden Einschätzung eher schwer taten. Man fasste die Technologie mit den Fingerspitzen an, drehte und wendete sie, legte sie dann aber doch wieder beiseite. Am Ende überwog die Skepsis:

Brauchen wir das wirklich? Ist das nicht eher ein Spielball der Nerds? Der Hype, der legt sich. Die Technologie ist nicht reif und zu viele rechtliche und regulatorische Fragen sind offen.

All diese zaghaften Positionen sind mir nicht nur einmal untergekommen. Nur wenige Unternehmen in der DACH-Region machten sich wirklich auf, die Technologie und ihr Potenzial mit POCs zu testen und eigenes Knowhow aufzubauen. So testet beispielsweise die Allianz den Einsatz der Smart-Contracts-Technologie für die Durchführung sogenannter Swaps für Naturkatastrophen. Swaps bilden ein Finanzinstrument, das im Schadenfall das Risiko von einem Versicherer auf einen anderen oder auf Investoren überträgt. Der Plan ist, die Blockchain sukzessive auch auf weitere Versicherungsfälle auszuweiten. Auch die Deutsche Bahn setzt ein eigens dediziertes Blockchain-Team auf die neue Technologie an und erprobt erste Produkte und Piloten.

In den Konsortien liegt die Kraft

Vor zwei, drei Jahren riefen sich die Leute zu, die dezentrale Technologie würde Intermediäre wie Banken, Versicherungen oder Notare reihenweise überflüssig machen. Ob man diese Position teilt oder nicht, einige interessante Phänomene lassen sich in der Tat beobachten: Aus Gesprächen mit Kunden weiß ich, dass die Unternehmen, die frühzeitig damit begonnen haben, sich mit der Technologie zu beschäftigen, ihr Engagement mit neuen POCs, Use Cases und ersten Plänen für die produktive Nutzung auch mehrheitlich weiter ausbauen.

Außerdem spannend finde ich den andauernden Trend zur Spezialisierung. Unternehmen konzentrieren sich auf ihre Kernkompetenzen und überlassen lieber anderen partnerschaftlich die restlichen Wertschöpfungsschritte. Neue Formen der Freundschaft sind ein potenziell glückbringendes Moment – auch für Firmen und sie fordern viel von den IT-Systemen: gegenseitiges Vertrauen, Schutzmechanismen vor Datenmanipulation, Ausgleichsregelungen für erbrachte Leistungen. Gerade hier kann die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) die entscheidende Antwort liefern.

Und tatsächlich, Supply Chain und DLT werden erstaunlich oft in einem Atemzug genannt. Ein paar Beispiele für die Modernisierung einzelner Wertschöpfungsschritte finden Sie hier. Auch branchenweite Kooperationen verschiedener (konkurrierender) Unternehmen fassen die Blockchain für ganz spezifische Use Cases ins Auge, so zum Beispiel für die Abwicklung des Wertpapierhandels in der Finanzbranche. Und auch die öffentliche Hand entwickelt auf der Suche nach Datenschutzmechanismen für Zeugnisse, Zertifikate, Krankenakten und ähnliches ein starkes Interesse an der Technologie.

Meine Vermutung ist, dass eher diese Konsortien die Technologie zum finalen Durchbruch führen und weniger die Blockchains mit öffentlichem P2P-Netzwerk ohne Intermediäre – was ihre ursprüngliche Idee ironischerweise ein Stück weit ad absurdum führt. Denn ihr Entstehen war intrinsisch von dem Gedanken der Dezentralisierung motiviert.

Eine Frage der Zeit

Trotz all dem Enthusiasmus sehen wir ohne Frage eine Technologie in den Kinderschuhen. Wir stecken gerade noch mitten im Usecase-Findungsprozess. Ich bleibe bei meiner Einschätzung: was wir beobachten ist vergleichbar mit den Anfängen des Internets. Die Technologie liegt draußen auf der Straße. Sie gehört niemandem und ist offen und zugänglich für alle, die sie für sich nutzen wollen und können. Sie wird den Firmen, die ihre Nische gefunden haben das Vehikel zu neuen Märkten und zum großen Geld sein.

Ein Blick in die Zukunft: Ähnlich den großen Internetgiganten werden in den nächsten Jahren Unternehmen zu Blockchain-Riesen avancieren. Sie werden es mit einer Steilkarriere von der Bedeutungslosigkeit auf die Weltbühne schaffen. Und auf einmal wird die Riege der großen Protagonisten ein paar weitere Darsteller zählen. Der Durchbruch ist nur eine Frage der Zeit. Aber vielleicht nicht gleich morgen, vielleicht nicht nächstes Jahr. Denn trotz all der Rasanz von heute, am Ende des Tages dreht sich die Welt doch immer noch genauso schnell, wie sie es gestern tat.

 

 

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