Heute zeige ich Unternehmensarchitekten, wie sie sich auf die relevanten Dinge konzentrieren. Hier kommt die vierte der sieben Regeln: Keine Architekturen auf Vorrat!

Die Abläufe sind überall gleich: Vermutlich sind Ihre Unternehmensarchitekten gerade dabei, aus der Geschäftsstrategie die IT-Ziele abzuleiten. Danach wollen sie die IT-Landschaft erfassen, um den aktuellen Startpunkt der Transformation zu kennen. Anschließend dann der Vergleich: aktuelle IT-Landschaft versus Ziellandschaft. Aus den Lücken schnüren sie dann Arbeitspakete, welche die Landschaft über wohldefinierte Transitions-Architekturen in drei bis fünf Jahren zum Ziel führen. Denn so sagt es TOGAF, der „Quasi-Standard“. Als Ihre Unternehmensarchitekten damals dieses Vorgehen vorgeschlagen haben, klang auch alles sehr systematisch und plausibel. Keiner konnte ahnen, dass sich das Ganze so lang hinziehen würde und für aktuelle Probleme unbrauchbar ist. Mittlerweile sind gut und gerne zwei Jahre vergangen und gerade einmal die Hälfte der IT-Landschaft ist komplett erfasst. Die Geschäftsstrategie hat sich auch geändert und irgendwie passen die IT-Ziele nicht mehr so recht. Dieser Fall kommt Ihnen bekannt vor? Dann sollten Sie sich fragen:

Wo liegen die relevanten Handlungsfelder?

Verstehen Sie mich nicht falsch – ein kompletter Überblick über die IT-Landschaft ist äußerst nützlich. Wenn Ihre Unternehmensarchitekten diesen bereits haben, lassen Sie doch mal eine systematische Analyse darüber erstellen (für nähere Insights kommen Sie gern auf mich zu).

Wenn sie dabei Optimierungspotenzial feststellen, sollten sie es schriftlich festhalten (z. B. einfach jeweils auf einer Powerpoint-Folie – Template siehe weiter unten). Das sind die von der Unternehmensarchitektur festgestellten Handlungsfelder. Sie spiegeln aber nicht unbedingt die aktuell relevanten Aspekte der operativen Einheiten wider. Deshalb sollten die Unternehmensarchitekten außerdem…

Handlungsfelder ohne Kenntnis der aktuellen IT-Landschaft finden

Oft fehlt ein umfassender Überblick über die IT-Landschaft – doch es geht auch ohne.

Einen guten Startpunkt bildet ein Domänenmodell. Es beschreibt die wesentlichen fachlichen Aufgaben des Unternehmens. Viele davon sind nicht unternehmensspezifisch sondern überall anzutreffen (siehe Beispiele im Bild):

Die meiste Musik spielt in den Kerndomänen. Ein erster Entwurf steht meist nach nur einem Tag und sollte nicht tiefer gehen als bis zur Ebene der Subdomänen. Nicht zu kleinteilig werden, 10 Domänen reichen erstmal aus.

Gehen Sie im nächsten Schritt zu den jeweils relevanten Entscheidern der Domänen. Holen Sie sich von ihnen Feedback zum Modell und sprechen Sie danach darüber, was ihr Gegenüber in Sachen Architektur gerade umtreibt. Versuchen Sie vorzufühlen, was im jeweiligen Bereich gerade passiert oder in nächster Zeit ansteht und wo Schwierigkeiten lauern könnten.

Eine Sammlung der Handlungsfelder Ihrer Gesprächspartner könnte sich an diesem Template orientieren:

So lassen sich die vielen Handlungsfelder später gut vergleichen und priorisieren – was Sie auf jeden Fall gemeinsam mit dem Management machen sollten. Wie viele Themen Sie gleichzeitig bearbeiten können hängt von Ihrer Manpower ab. Jedes Thema wird meist von einem Lösungsarchitekten begleitet, der sich eng mit den Unternehmensarchitekten abstimmt – siehe Regel 3. Tipp: Die Unternehmensarchitekten schnappen sich die Analysen der Lösungsarchitekten über die derzeitige Situation und voila, schon haben sie den ersten Teil der Ist-Erfassung der IT-Landschaft. Achten sie darauf, bisherige Ergebnisse der einzelnen Handlungsfelder und noch anstehende Arbeiten regelmäßig in Richtung der Entscheider zu kommunizieren. Es wird sicherlich umpriorisiert, neue Themen kommen dazu und alte werden fallengelassen. Aber wir sind ja alle agil, oder?

So ist gewährleistet, dass stets die relevanten Themen bearbeitet werden und Architekturarbeit nicht auf Vorrat gemacht wird. Haben meine Tipps bei Ihnen geklappt? Sprechen Sie mich gerne auf Ihre Erfahrungen und Projekte an und lesen Sie meine anderen Artikel über leichtgewichtiges EAM.