Führt die Nutzung von Cloud tatsächlich zu einer Verschiebung von CapEx zu OpEx? – Teil 1

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Welche bilanziellen Unterschiede existieren zwischen On-Premise und Cloud?

Gemäß der Studie „IT Spending and Staffing Benchmark 2017/2018“ zeigt sich ein deutlicher Trend zur Verschiebung der IT Ausgaben von CapEx zu OpEx. 2013 betrug der CapEx Anteil noch 24% des gesamten IT Budgets, wogegen er 2017 nur noch 18% ausmachte. Unserer Erfahrung nach ist eine Ursache hierfür die verstärkte Nutzung von Cloud Technologien und die reduzierte Investition in eigene Hardware und Software. Ein Wechsel von On-Premise zu Cloud Technologien führt zu einer Reduzierung der längerfristigen Anlagevermögen (Capital Expenditure (CapEx)) und gleichzeitig zu einer Erhöhung der Betriebsausgaben (Operational Expenditure (OpEx)), was eine Veränderung der Vermögensdarstellung in der Bilanz bewirkt und somit Einfluss auf das Jahresendergebnis eines Unternehmens hat.

In meiner dreiteiligen Blogartikelserie möchte ich deshalb die unterschiedlichen bilanziellen Auswirkungen von Cloud Technologie gegenüber einer On-Premise IT darstellen. Folgende Fragestellungen werden nacheinander genauer betrachtet:

  1. Welche bilanziellen Unterschiede existieren zwischen On-Premise und Cloud?
  2. In welcher Situation ist es für Unternehmen vorteilhafter in Cloud Lösungen zu investieren, anstelle von On-Premise Lösungen?
  3. Welche zusätzlichen Anforderungen an die IT bzw. den CIO zieht die Nutzung von Cloud gegenüber On-Premise mit sich?

Dieser erste Artikel soll zunächst Klarheit über wichtige Begrifflichkeiten und Zusammenhänge schaffen sowie die wesentlichen finanziellen Unterschiede zwischen Cloud und On-Premise Technologien gegenüberstellen.

Erläuterung der wichtigsten Begrifflichkeiten

Der Konsum von IT Leistungen in Form von physischen Komponenten und IT Services zieht die Investition in Anlagevermögen (CapEx) und Betriebsausgaben (OpEx) nach sich. Dabei unterscheiden sich CapEx und OpEx im Wesentlichen in Ihrer Darstellung in der Bilanz und haben somit unterschiedlichen Einfluss auf das Jahresendergebnis.

  1. CapEx: Bei Capital Expenditure (CapEx) handelt es sich um die Ausgaben eines Unternehmens für längerfristige Anlagegüter, welche entsprechend ihrer Nutzungsdauer anteilig abgeschrieben werden und die Aktiva in der Bilanz erhöhen (Investitionskosten). Die Aktivierung führt zur Verbesserung von Schlüsselkennzahlen, wie Jahresergebnis und Eigenkapital.
  2. OpEx: Die Operational Expenditure (OpEx) eines Unternehmens beinhaltet die laufenden Ausgaben, welche zur Aufrechterhaltung des Kerngeschäftes nötig sind (Betriebskosten). Im Gegensatz zu den Investitionskosten (CapEx) werden diese für den laufenden Zeitraum in voller Höhe über die Gewinn und Verlustrechnung ergebniswirksam und mindern mögliche Gewinne bzw. erhöhen Jahresfehlbeträge.

On-Premise vs. Cloud – Wie kommt es zur Verlagerung von CapEx zu OpEx?

Wie ich bereits eingangs dargestellt habe, liegen die Unterschiede von Cloud und On-Premise Lösungen in der unterschiedlichen Wirkung auf CapEx und OpEx. Um die Einflüsse klarer zu machen, habe ich in der nachfolgenden Grafik drei Basiskomponenten von On-Premise IT und IT Cloud Services gegenübergestellt und werde anhand dieser die wichtigsten Unterschiede im Hinblick auf CapEx und OpEx aufzeigen.

Die Inbetriebnahme einer On-Premise IT setzt die Anschaffung von IT Infrastruktur sowie Datenzentren und Servern voraus. Der Kauf solch einer eigenen Infrastruktur führt zu einem Nettoabgang liquider Mittel und somit zur Reduzierung der Cashflows sowie Zunahme des Anlagevermögens (CapEx). Die entstehenden Vermögensgegenstände werden dann i.d.R. über mehrere Jahre abgeschrieben. Damit einhergehend entstehen operative Aufwände (OpEx) für spezialisiertes Personal, welches Betrieb, Wartung und Weiterentwicklung sicherstellen kann. Zum Großteil handelt es sich bei den Aufwendungen um OpEx, welche über die GuV ergebniswirksam werden. In der Regel kann nur ein kleiner Teil, insbesondere Weiterentwicklung eigener Spezialsoftware als CapEx in der Bilanz aktiviert werden.
Dem gegenüber steht die Nutzung von Cloud Services, bei denen deutlich weniger Investitionen in eigene Infrastrukturkomponenten sowie Software notwendig sind, was zur Reduzierung der CapEx und zu einer Erhöhung der OpEx führt, da diese jetzt in Form von nicht eigenen On-Demand-Lösungen konsumiert werden. Als Ergebnis der Nutzung von externen Cloud Leistungen sinken die Anforderungen an das Personal für die Wartung und Weiterentwicklung im Vergleich zur On-Premise IT, was wiederum zu niedrigeren OpEx und nahezu keinen CapEx führen sollte.

Fazit und Ausblick

Im Ergebnis führt die Nutzung von Cloud Lösungen zu einer Verschiebung von aktivierungsfähigen Anlagevermögen zu einer Erhöhung der Betriebsausgaben, welche den Jahresüberschuss mindern bzw. den Jahresfehlbetrag erhöhen. Mit anderen Worten senken die gestiegenen OpEx potenzielle Gewinne und machen Cloud Leistungen zu einem wichtigen Faktor, den es bei der strategischen Finanz- und Investitionsplanung näher zu betrachten gilt.
In meinem nächsten Artikel werde ich deshalb aufzeigen in welcher Situation sich Unternehmen – aus Sicht der Vermögensdarstellung – für oder gegen Cloud entscheiden sollten.

Dieser Artikel wurde von Sebastian Michel verfasst.

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