Ein historisch einzigartiges Ereignis. Seit dieser Grundsteinlegung entwickelt sich das Universum evolutionär, also allmählich und schrittweise, weiter – auf Bestehendem wird aufgebaut, es wird um- oder abgebaut. Das gilt auch für die IT-Architektur eines Unternehmens. Evolution statt vieler Big Bangs, lautet die Parole dieses Blogartikels. Sie bildet Regel zwei von sieben, die Ihr Enterprise Architecture Management leichtgewichtig machen. Regel eins können Sie hier nachlesen.

 

Evolution statt Disruption

Übertragen Sie Ihre Vorstellung vom Ursprung des Universums auf die Unternehmensarchitektur. Sie entwickelt sich ähnlich sukzessiv und wächst von klein auf mit. Sie ist beständig und steht auf fixen Grundfesten. Nur in sehr seltenen Fällen starten Sie neu auf einer grünen Wiese und selbst dann bewegen Sie sich meist innerhalb enger Rahmenbedingungen. Ebenso selten gehen  Sie mit der Abrissbirne über Ihre Anwendungslandschaft, um sie dann komplett neu errichten. Für ein erfolgreiches Architekturmanagement sollten Sie also evolutionär denken und die Dinge Schritt für Schritt steuern.

Fokussieren Sie dabei stets auf gewisse Teile der Anwendungslandschaft  – welche genau erfahren Sie in Regel 4 – und entwickeln Sie diese weiter. Zwei Dimensionen gilt es zu beachten: Zum einen geht es um neue fachliche Anforderungen, die entweder von Kunden, Endanwendern oder vom Gesetzgeber kommen. Zum anderen um IT-Anforderungen, wie beispielsweise Technologie-Stack-Konsolidierungen, Sicherheitsanforderungen oder Versionsupdates. Der Spagat zwischen beiden Dimensionen ist oft ein Balanceakt. Denken Sie also weiterhin ergebnisorientiert (Memo Regel 1) und behalten Sie das Zielbild fest im Blick: Wo liegt Ihr Hauptgeschäft? Welche Probleme sind akut? Welche Modernisierung kann warten und welches sind die wichtigsten Ziele?

Raus aus dem Elfenbeinturm

Identifizieren Sie diese Rahmenbedingungen und schreiben Sie sie auf. Das heißt aber nicht,  sich ein Jahr im Elfenbeinturm einzuschließen und alle im Unternehmen verfügbaren Architekturdokumente zu studieren. Überfliegen Sie besser die wesentlichsten Unterlagen, sprechen Sie mit den Autoren und dem Management darüber und schaffen Sie sich ein eigenes Bild. Versuchen Sie dieses Bild zu formalisieren. Aber bitte nicht in einem 78-Seiten-Dokument sondern eher auf einer Powerpoint-Folie oder einer A3-Visio-Grafik – und vielleicht auch noch drei Seiten Text, damit Sie das Ganze bei Bedarf per Mail versenden können. Dies ist ab sofort ihr Zielbild. Aber machen Sie sich gefasst, es wird weder mittel- noch langfristig so bleiben.

Vermutlich umfasst es auch nur einige Teile Ihres Unternehmens und sicher bei weitem auch nicht alle Rahmenbedingungen, Ziele, Risiken, Stakeholder, Zukunftstrends, etc. Kurzum, es sind keine 100 Prozent. Und das braucht es auch gar nicht zu sein. Denn das Ziel auf das sie schießen bewegt sich immer weiter. Sind Sie bei 90 Prozent angekommen, können Sie sicher schon wieder die ersten 50 Prozent davon überarbeiten. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen und bleiben Sie weiter ergebnisorientiert. Die wichtigsten 50 Prozent des Zielbilds reichen erstmal aus, um darauf zusteuern zu können.

Da Sie nun ein Zielbild haben, können Sie beginnen, das Unternehmen dorthin zu navigieren. Weil die meisten Unternehmen mit EAM-Funktion allerdings eher Tanker statt Schnellboote sind, braucht die Crew mehr Mann an Bord als nur Sie. Wie genau die Zusammenarbeit zwischen Unternehmens- und Lösungsarchitekten aussehen sollte, damit das Architekturmanagement leichtgewichtig bleibt, zeige ich Ihnen in meinem nächsten Beitrag. Bleiben Sie gespannt!