Automatisierung, Internet der Dinge und Cloud. Auch ich habe die ruhige Zwischenzeit dazu genutzt, nachzuforschen und mir verschiedene Analystenmeinungen zu Gemüte zu führen. Reden wir alle über das gleiche? Und sehen wir alle dieselbe Zukunft? Ja und nein. Am Ende des Tages erzählen alle Analystenhäuser eine ähnliche Digitalisierungsgeschichte. Ihre Protagonisten sind die gleichen, aber die Handlungsstränge unterschiedlich gewichtet. Das sagen Analysten zu meinen drei Dauerbrennern:

Keine Angst mehr vor der Cloud

Die Anbieter haben ihre Hausaufgaben erledigt und in Sachen Sicherheit und Datenschutz so stark an Standards und Zertfikaten gewonnen, dass der Versuch einer eigens gestemmten Cloud-Infrastruktur nahezu unhaltbar wird. Keine Spur mehr von unternehmerischer Zurückhaltung. Bereits die IT-Trends-Studie im vergangenen Jahr sagte den enormen Anstieg in der Nutzung voraus. Nach der Private-Lösung ist nun auch die Public Cloud salonfähig geworden; einziges Hindernis sind die regulatorischen Anforderungen (PAC). Alle Analysten bestätigen diese Entwicklung. Einzig Gartner erwähnt sie nicht mehr explizit. Diese sind mit ihren „Digital Technology Platforms“ schon einen Schritt weiter und denken die Folgeideen. Neben dem Wechsel zu Cloud Only lässt sich noch etwas anderes spannendes beobachten: Der Blick jenseits des Sektor-Tellerrandes. IDC spricht von Industry Collaborative Clouds (kurz ICC). Bis 2020 sollen schon 60 Prozent der Unternehmen an ihnen beteiligt sein.

Im Netz der Dinge

Das Interesse am Internet der Dinge (IoT) hat nun seinen Siedepunkt erreicht, so Forrester. Wearables (A.T. Kearney) und neue intelligente Technologien wie Drohnen, Roboter und autonome Fahrzeuge (Gartner) heizen dem Thema unablässig weiter ein. Auch IoT wird zu groß für einen Branchen-Approach. Das mitreißende Fahrerlebnis im vernetzten Auto schafft nur ein anwendungsbezogener Ansatz mit dem Kunden im Mittelpunkt. Ohne gemeinsame Standards kann das nicht klappen, sagt auch PAC und sieht die Branchentrennung bereits aufbrechen und neue Ökosysteme formen. In diesem Zusammenhang prognostiziert Experton den vermehrten Einsatz von Enterprise Integration Platform Solutions. Sie sollen helfen, heterogene Systemen und Maschinen branchenübergreifend zu harmonisieren. Größtes Hindernis für gelungene IoT-Konzepte wird der Mangel an Fachkräften sein. Hier wird händeringend gesucht und fraglich ist, ob sich der Bedarf überhaupt durch Recruiting von außen stillen lässt. Viele Organisationen werden hier über ihr internes Weiterbildungsprogramm nachdenken müssen, um fehlende Kompetenzen aufzubauen. Die eigene Umschulung auf digital fordern jetzt übrigens auch der DGB und die Arbeitsagentur.

Mensch meets Maschine

Im Kontext der automatisierten, selbstlernenden und kognitiven Systeme bekommt der eigentlich alte Gedanke der Künstlichen Intelligenz nochmal richtig frischen Aufwind. Sie wirkt wie ein Innovationsbeschleuniger auf die Digitalisierung und bildet schon heute den Nukleus vieler alltäglicher Anwendungen. Laut IDC werden sich 2019  bereits knapp die Hälfte aller Transformationsinitiativen und alle IoT-Projekte der Fähigkeiten aus künstlicher Intelligenz bedienen. Denn ohne KI-Technologien haben die Daten nur beschränkten Nutzen. 2017 öffnen sich die Big-Data-Schleusentore, prognostiziert Forrester zur Nutzung von Daten für KI-Anwendungen. Unternehmen haben gelernt, frei von Silos mit den Daten zu arbeiten, sie zu koordinieren und in wertvolles Wissen umzuwandeln. Das dient auch dem Vorhaben, den Kunden in den Mittelpunkt der Betrachtung und aller Aktivitäten zu rücken. Schon nächstes Jahr wird der Großteil der Weltkonzerne intelligente Apps und den gesamten Big-Data-Werkzeugkasten auf eine bessere User-Erfahrung und Kundensupport konzentrieren, erwarten die Experten von Gartner.

Im Moment sind wir die Zeugen einer ungemein spannenden Zeit in der IT mit Perspektiven in viele Richtungen. Sie fordert von uns großen Erfindungsreichtum mit flexiblen Ideen und Lösungsansätzen ohne feste Branchenbrille. Und diese Konzepte müssen wir dann in immer kürzeren Zyklen ständig neu denken. Von 2017 erwarte ich mir ein spannendes Jahr mit neuen Impulsen und innovativen Fortschritten. Auf die Bilanz zum nächsten Jahresende freue ich mich schon jetzt.

Welche Erwartungen stellen Sie an den technologischen Fortschritt der nächsten zwölf Monate? Teilen Sie Ihre Visionen mit uns!