iStock | © ThinkstockBerichte wie der vor kurzem erschienene „Clicking Clean Report 2014“ von Greenpeace sorgen dafür, dass die Bedeutung der Umweltfreundlichkeit der Unternehmens-IT als Image-Faktor steigt. Das gilt vor allem für Unternehmen, die Produkte für Endkunden herstellen oder damit handeln. Im Report geht es nicht nur um den Stromverbrauch insgesamt, sondern auch darum, ob der Strom „grün“ ist, also aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Ökostrom ist aber nicht in jedem Land in unbegrenzter Menge verfügbar. Welche Möglichkeiten haben CIOs, ihre IT möglichst klimafreundlich auszurichten und damit zu einem positiven Unternehmensimage beizutragen?

In Deutschland beispielsweise ist der Anteil erneuerbarer Energien in den letzten Jahren erheblich gestiegen, während das in Frankreich oder Großbritannien nicht der Fall ist. Die nordischen Länder sind in Sachen Öko-Strom Vorreiter, aber sollte man deshalb seine Anwendungen dorthin verlagern? Warum nicht, hat sich BMW gedacht und den Betrieb einige seiner energieintensivsten Applikationen nach Island verlegt. Auf diese Weise senkte das Unternehmen seinen CO2-Ausstoss um 3.570 Tonnen pro Jahr.

Wer nicht ins Ausland gehen kann, hat die Möglichkeit, sich vor Ort einen möglichst umweltfreundlichen Anbieter zu suchen oder die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Noch schrecken aber viele Rechenzentrumsbetreiber davor zurück, ihren eigenen Öko-Strom zu produzieren, weil Produktion und Bedarf noch nicht optimal aufeinander abgestimmt werden können. Außerdem kann die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen derzeit nur schwer abgeschätzt werden. Um diese Probleme zu lösen, hat die EU jetzt verschiedene Forschungsprogramme aufgesetzt.

Im Rahmen des Projektes „GreenDataNet“ sollen Konzepte entwickelt werden, um den Energiebedarf zukünftig zu 80 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu decken. Entwickelt werden Stromspeicher und Energie-Management-Systeme, um witterungsbedingte Schwankungen in der Stromproduktion ausgleichen zu können. Die EU-Initiative „RenewIT“ will dazu beitragen, dass mehr Rechenzentrumsbetreiber selbst Strom erzeugen und unterstützt sie mit Planungsinstrumenten, die den Aufbau von Anlagen erleichtern sollen.

Es wird noch einige Jahre dauern, bis diese Projekte Ergebnisse bringen, klar ist aber, dass das Thema Öko-Strom vor allem in Deutschland nicht mehr von der Agenda verschwinden wird. Derzeit scheinen sich hauptsächlich Unternehmen im Endkundengeschäft um ein grünes Image zu bemühen, wie der zwar nicht repräsentative Report von Greenpeace aber dennoch zeigt: Apple, Google und Facebook schnitten sehr gut ab, während Amazon Web Services (AWS), Twitter und viele Hosting-Anbieter hintere Plätze belegten.

Meiner Meinung nach kann es aber nicht mehr lange dauern, bis auch im BtoB-Rechenzentrumsgeschäft mehr Wert auf Umweltfreundlichkeit gelegt wird, denn am Ende jeder Lieferkette steht irgendwann der Endkunde, der sich für die Ökobilanz interessiert. Die Frage ist nur, wann er mit seinen Kaufentscheidungen so viel Einfluss nehmen wird, dass die Umweltfreundlichkeit einer Energiequelle wichtiger wird als ihr Preis. Was denken Sie, wann es soweit ist?

PS: Wir haben uns auch schon Gedanken um die Thematik gemacht und mit Merlin ein Rechenzentrum aufgebaut, das sehr umweltfreundlich ist und mit 100 Prozent Ökostrom betrieben wird. Es dient uns unter anderem als Modell, wie man neue Rechenzentren umweltfreundlicher konzipieren und vorhandene optimieren kann.

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