„Software is eating the world“, so die häufig zitierte Aussage aus dem Jahr 2011 von Marc Andreessen, Mitgründer des Unternehmens Netscape und Aufsichtsratsmitglied von Facebook. Seine Prognose lautete: Jedes Unternehmen wird in der Zukunft ein Softwareunternehmen sein. Die große Bedeutung, welche Software auch für klassische Industrien einnimmt, ist heute omnipräsent. Elon Musk geht so weit zu sagen, sein Unternehmen, der Autohersteller Tesla, sei zu gleichen Teilen ein Softwarehersteller wie ein Hardwarehersteller. Doch wie steht es um die Softwareentwicklung in unseren klassischen deutschsprachigen Herstellerindustrien, wie dem Maschinen- und Anlagenbau und der Automobilindustrie? Welchen Herausforderungen müssen sie sich stellen und welche Chancen bieten sich ihnen?

Digitalisierung steht weit oben auf der Agenda

Dass die Digitalisierung und eine damit einhergehende Fokussierung auf Softwareentwicklung in den meisten Unternehmen angekommen ist, lässt sich nicht abstreiten. Vergleicht man die Geschäftsberichte von internationalen Herstellern* der letzten fünf Jahre auf die Erwähnungshäufigkeit von Begriffen wie „Software“ oder „digital“, zeigt sich ein deutlicher Anstieg seit dem Jahr 2015. Im Durchschnitt steht das Wort „digital“ auf jeder vierten Seite, das Wort „Software“ findet sich auf jeder sechsten Seite der ausgewerteten Geschäftsberichte 2016 wieder.


*Betrachtete Unternehmen: ABB, BMW, Bosch, Continental, Daimler, GE, Schindler, Siemens, ThyssenKrupp, VW, ZF

Auch ein Blick auf das Business Netzwerk LinkedIn bestätigt, dass alle untersuchten Unternehmen sich mit dem Thema Software auseinandersetzen und entsprechend Mitarbeiter in diesem Feld beschäftigen. Eine Analyse zeigt, dass durchschnittlich 12% der untersuchten LinkedIn Nutzer, welche angeben für eines der Unternehmen zu arbeiten, den Begriff „Software“ in ihrer Profilbeschreibung verwenden. Natürlich ist dies nicht als repräsentativ zu betrachten, es ist jedoch ein guter Indikator dafür, dass Softwareentwicklung in diesen Unternehmen vorangetrieben wird.

Die Digitale Transformation führt dazu, dass viele Hersteller ihre Kompetenzen in Sachen Softwareentwicklung ausbauen und neue Geschäftsmodelle jenseits der Hardware entwickeln. Dieser Meinung sind auch vier Industrieexperten bei Capgemini Consulting, welche für eine Übersicht zum Thema Softwaremanagement bei Industrieherstellern interviewt wurden. Sie sehen jedoch auch einige Hürden, welche noch gemeistert werden müssen.

Viele Hersteller sind nicht so digital, wie sie selbst oft denken

Die Experten sind sich einig, dass Software in verschiedenen Formen, z.B. eingebettet in eigene Hardware Produkte (embedded-software), alleine stehend (stand-alone) oder auch als Plattformangebot, essenziell für das Portfolio von Herstellern ist, um in Zukunft konkurrenzfähig zu sein. Sie bescheinigen auch vielen Unternehmen im Bereich der Softwareentwicklung selbst große Fortschritte in den letzten Jahren gemacht zu haben. Hindernisse und Verbesserungspotenziale werden hingegen beim Einbinden des Softwaregeschäfts in die Firmenkultur sowie bei der Anpassung von operationalen Prozessen über alle Abteilungen hinweg gesehen. Denn auch wenn die Digitalisierung bei fast allen Firmen bereits seit längerem im Fokus steht, scheinen viele Hersteller nicht so digital zu sein, wie sie es selbst oft denken.

Kulturelle und operationale Herausforderungen müssen überwunden werden

Ein Großteil der Herausforderung einer digitalen Transformation besteht darin, alte Strukturen und Denkweisen in einem Unternehmen zu lösen und neu zu definieren. Häufig genannte Problemfelder sind:

  • Industrielle Denkweise – Die Unternehmen müssen agiler werden, auch in ihrer Denkweise.
  • Interne Prozesse – Gute Software zu entwickeln reicht nicht aus, auch alle anderen „Software-Prozesse“ müssen durchgängig und abteilungsübergreifend entwickelt werden.
  • Führung – Es wird eine starke Führung mit einer klaren Vision benötigt, um das gesamte Unternehmen an die Anforderungen der digitalen Welt anzupassen.

Neben diesen kulturellen Aspekten besteht dringender Verbesserungsbedarf bei operationellen Prozessen. Von der Entwicklung, über den Vertrieb, bis hin zur Bereitstellung von Support und weiteren Services müssen alle Vorgänge modernisiert und miteinander vernetzt werden. Handlungsbedarf besteht zum Beispiel in folgenden Bereichen:

  • Applikation Lifecycle – Vor allem die kontinuierliche Aktualisierung und Auslieferung von Updates ist vor dem Hintergrund von Cyber-Sicherheitsaspekten ein immer wichtiger werdender Punkt, bei dem viele Unternehmen noch hinterherhinken.
  • Softwaremanagement – Prozesse und Werkzeuge wie Risk und Opportunity Management, Change und Configuration Management sowie ein Rollout und Release Management unterstützen die einzelnen Phasen des Applikation Lifecycle.
  • Installed Base Management System – Eine Übersicht mit Angaben zum installierten Produkt sowie Details zum Kunden und möglicher Support- und Wartungsverträge bietet eine wichtige Grundlage für ein verbessertes Customer Relationship Management (CRM) als auch Licensing Management.
  • Software-Marketing und Sales Prozesse – Moderne Vertriebssysteme, zum Beispiel online Verkaufs- und Informationsplattformen, bieten Potenzial für Industrieunternehmen, welche häufig noch die gleichen Prozesse nutzen, die für den Vertrieb von „Hardware“ entwickelt wurden.

Allgemein gilt es alle Prozesse nahtlos und stärker kundenorientiert zu entwickeln, denn bei einem weiteren Punkt sind sich die Befragten einig: Die Entwicklung und der Verkauf von Software sind nur der erste Schritt für die Hersteller bei einer Transformation hin zu datengetriebenen Serviceanbietern bzw. Softwareunternehmen. Dies spiegelt sich auch in einer Aussage von Bill Ruh, Chief Digital Officer bei General Electrics wieder:

„I don’t see GE as a software company. However, we will lead in the productivity of our installed products and their ecosystems.”

Die Herausforderungen für Hersteller bei dieser Transformation und dem Management ihrer Software können überwunden werden. Capgemini Consulting kann mit seiner großen Erfahrung mit einer Vielzahl von Industrieunternehmen und Projekten zur Optimierung des Softwaregeschäfts dabei unterstützen.