Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – Die aktuelle Krise als Chance nachhaltiger Veränderungen

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Die Förderung des Arbeitsumfeldes und die Einführung hybrider Arbeitsmodelle erlaubt es Unternehmen auch in unsicheren Zeiten ihre Produktivität zu steigern.

Im ersten Teil der zweiteiligen Serie dieses Blogartikeles (Die Minimal Virtuelle Organisation – eine positive Entwicklung aus der Coronakrise) hatten wir die Auswirkungen der aktuellen Krise auf Organisationsstruktur, Prozesse and Governance erläutert. Dieser Artikel ergänzt diese Sichtweise, indem wir weitere Transformationshebel näher betrachten, die im gleichen Maße wichtig und komplementär für eine nachhaltige Transformation sind.

Die Umwelt als neuer Disruptor

Die Corona Krise spiegelt uns einmal mehr, wie volatil, unsicher, komplex und mehrdeutig unsere heutige Welt ist. Naturkatastrophen, politische Krisen, soziale Bewegungen und Cyberattacken, gehören mittlerweile zum Alltag.

Jeder Ausnahmezustand bringt bekannte und neue Herausforderungen mit sich. Neu ist in der aktuellen Krise jedoch, dass neben Wettbewerbern und wirtschaftlichen Unsicherheiten ein neuer Disruptor auf den Plan tritt, den Unternehmen bisher unterschätzt haben: Die Umwelt. Neu ist auch der Umfang und die Geschwindigkeit, mit dem er die Unternehmen zwingt die digitale Transformation zu starten und voranzutreiben. Auch wenn einige Unternehmen stärker betroffen sind als andere, gibt es derzeit kaum eine Branche, die ihre Arbeitsweise nicht anpassen musste oder aufgrund von externen Partnern oder Lieferanten betroffen ist.

Erstaunlicherweise ist es vielen Unternehmen gelungen, sich angesichts dieser Zwangslage schnell und erfolgreich zu wandeln.

Der Schlüssel zum Erfolg

Die schnelle Anpassungsfähigkeit von Unternehmen an sich ändernde äußere Umstände wird auch als Organizational Dexterity bezeichnet. In unserer Change Management Studie 2019, konnten wir bereits zeigen, dass sich Unternehmen in ihrem Reifegrad der Organizational Dexterity unterscheiden und nur jedes fünfte Unternehmen (20,4 %) schon am Ziel und bereits in der Lage ist auf äußere Faktoren schnell und angemessen reagieren zu können.

Die aktuelle Situation zeigt uns jedoch, dass Unternehmen, wenn es um das wirtschaftliche Überleben geht, eine schlagartig hohe Organizationale Dexterity auf bestimmten Dimensionen des Target Operating Models (Verweis Blogartikel I) zeigen. Schätzen die befragten Unternehmen  in der Change Management Studie 2019 noch die Dimensionen Kultur (77%) sowie Leadership & People (64%) als relevanteste auf dem Weg zur Organizational Dexterity ein, rückt derzeit jedoch insbesondere die Dimension Arbeitsumfeld (18%) immer stärker in den Fokus der Unternehmen.  Nach wie vor sind und bleiben die Unternehmenskultur sowie Führungskräfte und Mitarbeiter essenzielle Einflussgrößen, in diesem Artikel wollen wir aus gegebenem Anlass aber das Arbeitsumfeld in den Fokus rücken.

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Abbildung 1: Dimensionen der Organisational Dexterity

Die flexible Anpassung des Arbeitsumfelds als erster Schritt zur Organizational Dexterity #WFH

Home-Office Reglungen haben die meisten Unternehmen schon seit Jahren, jedoch schreckten sie bisher davor zurück das Home-Office als jederzeit verfügbare Option für ihre Mitarbeiter anzubieten. Hauptgrund dafür waren neben der fehlenden Infrastruktur und den fehlenden digitalen Kompetenzen auch der grundsätzliche Zweifel, ob Mitarbeiter effektiv von zuhause aus arbeiten können.

Bei unseren Kunden beobachten wir, dass dies unerwartet reibungslos funktioniert und neben dem offensichtlichen Vorteil der örtlichen Flexibilität auch weitere positive Aspekte auftreten. So melden Mitarbeiter zurück, dass sie sich im Home-Office besser konzentrieren können und effektiver arbeiten, wenn sie nicht die ganze Zeit mit Fragen auf der Projektfläche gestört werden. Zudem setzt sich die Belegschaft im Rahmen von virtuell abgehaltenen Terminen und Veranstaltungen verstärkt mit digitalen Kollaborationstools auseinander und eignet sich on-the-job die entsprechenden digitalen Fähigkeiten an.

Selbst wenn die ersten Wochen noch geprägt waren von technischen Störungen, eingeschränkten Zugriffsrechten und unabgestimmten Arbeitsabläufen, sind viele Mitarbeiter und Führungskräfte mittlerweile begeistert von den Möglichkeiten und der einfachen Handhabung der digitalen Tools. Ein wesentlicher Katalysator für diese Entwicklung ist die hohe Aufmerksamkeit des Top-Managements in diesen Zeiten. So können Entscheidungen über Toollizenzen, Zugriffsberechtigungen und vieles mehr derzeit deutlich schneller getroffen werden als zuvor.

Obwohl die aktuelle Situation Unternehmen vor einige Herausforderungen stellt, gehen die derzeitigen Anpassungen langfristig auch mit vielen Vorteilen einher. So erhöht eine Home-Office-Reglung insbesondere für jüngere Mitarbeiter und potenzielle Bewerber die Arbeitgeberattraktivität, da flexible Arbeitsmodelle Mitarbeitern ermöglichen, viele Lebensbereiche flexibler zu gestalten und selbst zu entscheiden, wann und wo sie arbeiten wollen. Zudem birgt das Home-Office auch wirtschaftliche Vorteile wie die Kostenersparnis durch entfallene Reisen, verminderte Mietkosten für Büroflächen und einen niedrigeren Stromverbrauch. Dass sich diese Faktoren ebenfalls positiv auf die Umwelt und somit auf die Nachhaltigkeit der Unternehmen auswirken, ist unumstritten.

Der Schlüsselfaktor für resiliente Unternehmen: Hybride Arbeitsmodelle als Zukunftsmodell

Neben den Vorteilen der digitalen Zusammenarbeit steigt derzeit auch der Wert der sozialen Interaktion. In vielen Teams finden nun virtuelle Kaffee- und Mittagspausen statt, jedoch wird schnell klar, dass dies nicht das persönliche Gespräch auf dem Weg zum nächsten Meeting im Büro ersetzen kann.

Wir sind der Meinung, dass anpassungsfähigere Unternehmen ihre Produktivität sowohl durch einen physischen als auch durch einen virtuellen Arbeitsplatz steigern werden-  Das ermöglicht den Mitarbeitern, ihre Arbeit in einer Umgebung zu erledigen, in der sie am effektivsten sind.

Die Infrastruktur agiler Unternehmen fördert zudem die funktions- und hierarchieübergreifende Zusammenarbeit. Darüber hinaus ermöglicht die Nutzung von Apps und digitalen Kollaborationstools es den Mitarbeitern, jederzeit mit Kunden, Kollegen und Partnern auch ohne physische Nähe verbunden zu sein.  Die Zukunft sollte unserer Meinung nach also durch hybride Arbeitsmodelle gekennzeichnet sein, die Unternehmen und Mitarbeitern maximale Flexibilität erlauben, aber der sozialen Interkation weiterhin einen besonderen Wert beimessen.

Corona Krise – und danach back to business as usual?

Unserer Meinung nach bietet die aktuelle Krise Unternehmen die Chance, jetzt ihre Organizational Dexterity auf die nächste Stufe zu heben. Denn eines steht fest: dies ist nicht die letzte Herausforderung für Unternehmen.

Die Veränderungen des Arbeitsumfeldes sollten also der Startpunkt sein, um sich auch mit den anderen sieben Dimensionen des Target Operating Models zu beschäftigen. Dabei ist uns wichtig zu betonen, dass auch nach der Corona Krise der Wert der sozialen Interaktion in hybriden Arbeitsmodellen gestärkt werden sollte.

Vielen Dank an Aline Hagemann für die Unterstützung bei der Erstellung des Blogartikels.

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