Enterprise Architecture Management (EAM) Governance zwischen Looping und Wasserfall

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Mein letzter Blog-Beitrag befasste sich mit dem Thema, wie Enterprise Architecture Management (EAM) agile Prinzipien übernehmen kann. Dieser Wandel geschieht nicht von heute auf morgen. Eine Übergangszeit zwischen alten Strukturen und agilem Vorgehen muss daher aktiv geplant werden. Dieser Blog beschäftigt sich mit dem Thema, welche Möglichkeiten es dazu gibt.

Prozessänderung als Evolution

Bestehende Prozesse ändern sich zumeist evolutionär. Werden neue Funktionen und Prozesse eingeführt, müssen diese in die bestehende Prozesslandschaft eingebettet werden, ohne die Prozesskontinuität zu beeinträchtigen. Dies gilt auch für die Einführung von EAM. Auch wenn das „neue“ EAM bereits agilen Prinzipien folgen soll, beispielsweise dem im letzten Blogbeitrag vorgestellten „minimum viable architecture (MVA)“-Ansatz, muss es sich dennoch in bestehende, hierarchische Prozesse einbetten lassen.

Architektennetzwerke setzen einen agilen Gedanken um und schaffen es auch in hierarchischen Strukturen, eine bessere Einbettung der Architektur zu erreichen. Darüber hinaus muss auch die Einbettung der Architektur entlang der bestehenden Governance-Ebenen erfolgen. Dies sollte auf operativer, taktischer und strategischer Ebene erfolgen. So wird sichergestellt, dass Entscheidungsstrukturen nicht zu stark zentralisiert sind und zum „Bremser“ für den Projektfortschritt werden.

Das Ziel ist, EAM-Governance-Strukturen zu schaffen, die eine dezentrale Entscheidungsfindung für Architekturfragen begünstigen und fördern. Nur Themen von strategisch übergreifender Bedeutung werden dann im Top-Management entschieden, während operative Entscheidungen schon auf Projektebene getroffen werden. Sind Architekten, insbesondere Enterprise-Architekten, schon auf der operativen Ebene eingebunden, können sie die Entscheidung begleiten. Dies hat den Vorteil, dass das Architekturmanagement als neutraler Vermittler zwischen Business und IT verschiedene Szenarien verstehen und mit einer ganzheitlichen Perspektive vermitteln kann.

Agile Strukturen ermöglichen

Neben der hierarchischen Einbettung des EAM, welches das klassische „Wasserfall“-Modell des Unternehmens unterstützt, muss gleichzeitig die agile Einbettung ermöglicht werden.

In verbreiteten agilen Methoden wie Scrum oder SAFe® liegt der Fokus auf der Entwicklung mit definierten Synchronisierungspunkten. Um hier möglichst früh Abhängigkeiten zu erkennen und Implikationen von Design-Entscheidungen aufzuzeigen, ist die Einbindung des EAM entlang des Portfolio-Kanbanflows entscheidend. Enterprise-Architekten begleiten den Prozess durchgehend und helfen die architekturellen Fragestellungen entlang der Phasen zunehmend zu konkretisieren. Dies geschieht auf allen Architekturebenen. Dabei liegt der Fokus der Enterprise Architekten eher darauf, Guidance zu geben und eine ganzheitliche Architekturentwicklung zu koordinieren, während Solution-Architekten vor allem die Architekturperspektive beim Lösungsdesign in der Phase „Implement“ einbringen.

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Abbildung 1: Einbindung EAM entlang des Portfolio-Kanban-Prozesses.

Die tatsächliche Einbindung der Enterprise-Architektur in eine agile Governance ist zum Teil durch die operative Einbindung abgedeckt. Zusätzlich sollte – analog zu SAFe® und Scrum – auch eine Einbindung zu den Synchronisierungspunkten erfolgen. Außerdem ist es Aufgabe des Architekturmanagements, mit praktischer Erfahrung das agile Portfoliomanagement zu unterstützen, indem beispielsweise Enabler-Epics / Features abgeleitet werden, die die Erreichung von Business-Zielen unterstützen. Wichtige Ziele können so zeitig geplant und in die Umsetzung gegeben und wichtige laufende Projekte unterstützt werden.

Kontinuität durch Evolution und Transformation

Insgesamt sollten also parallel beide Welten durch die Einbettung oder Anpassung des Enterprise-Architekturmanagements ermöglicht werden:

Das hierarchische Unternehmen – der „Wasserfall“ –, welches durch seine definierten Prozesse und Boards gesteuert wird, muss im Sinne der Kontinuität weitergeführt und behutsam evolutionär angepasst werden. So wird das Enterprise-Architekturmanagement sehr natürlich in das Unternehmen eingebettet. Die Disruption bleibt dadurch niedrig.

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Abbildung 2: DevOps-Looping.

Das agile Unternehmen in Form des DevOps-Looping (siehe Abbildung 2) muss unterstützt werden durch die Einbettung von Architekten, die in ihrer eigenen Arbeit schon agil ausgerichtet sind. So kann die agile Transformation im Unternehmen weiter vorangetrieben werden.

Insgesamt kann Enterprise-Architekturmanagement also in jeglichem Szenario eingebettet werden. Es hat seine Funktion und Relevanz auch in einer digitalisierten, agilen Welt nicht verloren – im Gegenteil.

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