Von Data-Influencern zur Data-Community

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Viele Unternehmen scheitern daran, Künstliche Intelligenz (KI) und datenbasierte Technologien erfolgreich im Unternehmen zu verankern. Dies liegt zumeist an der fehlenden Akzeptanz der Mitarbeiter gegenüber KI und neue Arbeitsweisen anzunehmen. Unser Ansatz für eine nachhaltige Einführung von KI in Organisationen stellt eine Erfolgsgröße in den Vordergrund: Wandel vorangetrieben durch gut vernetzte Mitarbeiter mit Datenaffinität – den sog. Data-Influencern.

Wie Vertrauen Datentransformationen beschleunigt

Es ist offensichtlich: die Datenrevolution ist immer noch ein heißes Thema und bietet für Unternehmen viele Möglichkeiten zu wachsen und ihre Produkte und Dienstleistungen geschäftskritisch weiterzuentwickeln. [1] Start-ups, die sich in den letzten zehn Jahren zu wichtigen Akteuren im Wirtschaftsgeschehen entwickelt haben, weisen eine entscheidende Gemeinsamkeit auf: Sie sind datenbewusste Organisationen und zeichnen sich durch die Integration von KI in ihre organisatorische DNA aus. [2] Laut Capgeminis jüngster KI-Studie waren jedoch nur 13 % der Unternehmen in der Lage, KI zu skalieren, während 72 % der Unternehmen im vergangenen Jahr mit der Einführung einer einzigen Anwendung zu kämpfen hatten.[1] 

Wenn wir mit Kunden über KI-Transformationen sprechen, stoßen wir häufig auf Vorbehalte gegenüber KI, die eher auf kulturelle, als auf technische Aspekte zurückzuführen sind. Zweifel reichen dabei von grundsätzlichem Misstrauen in KI und der Angst den eigenen Arbeitsplatz durch neue Technologien zu verlieren („Wir können nicht ausschließlich Algorithmen vertrauen.“; „Sie bedrohen unsere Arbeitsplätze.“) bis hin zu Vorbehalten gegenüber der Nutzung von Daten bei der Entscheidungsfindung und den Chancen, die sich aus neuen Arbeitsweisen ergeben („Unser eigenes Bauchgefühl ist besser als einige Daten.“; „Es hat ohne Daten und KI immer gut funktioniert – warum also die Veränderung?“). All diese Äußerungen  betonen, dass es nicht die Technologie an sich ist, die den Erfolg von Datenprojekten bremst, sondern die skeptische Einstellung und mangelnde Befähigung der beteiligten Personen.

Um eine nachhaltige KI-Transformation zu gewährleisten, ist es entscheidend, einen Fokus auf die „menschliche“ Seite der Transformation zu legen und Vertrauen in KI zu entwickeln. Initiiert durch datenversierte Kollegen – den sogenannten Data-Influencern – kann das mit drei einfachen Schritten erreicht werden. Die Data-Influencer sind gut vernetzte Kollegen innerhalb von Unternehmen, die dabei helfen können, die Lücke zwischen KI, Business und Mitarbeitern zu schließen und so die Grundlage für Vertrauen in Datentransformationen zu bilden.

Schritt 1 – Vertrauen schaffen mit einer inspirierenden KI-Vision

Die Grundlage für eine inspirierende KI-Vision ist ein transparenter und ethisch korrekter Projektaufbau. KI muss vor allem aus Kunden- und Mitarbeiterperspektive erklärbar, transparent und nachvollziehbar sein. [1] & [3] Dies beginnt damit, die richtige Frage zu stellen, die mit Hilfe von Algorithmen beantwortet werden soll. Eine akkurate Projektfrage, die die vorliegende Problemstellung erfasst und eine hohe Wahrscheinlichkeit besitzt, auf Basis der Datenlage richtig beantwortet zu werden, ist die essentielle Basis für den verzerrungsfreien Algorithmus.

Erfolgreiche Unternehmen heben hervor, dass es vor allem das Vertrauen in die Vorhersagbarkeit der Ergebnisse ist, das ihren KI-Erfolg und ihre ethische Glaubwürdigkeit belegen. [1] Dies bildet die Grundlage für den Entwurf einer transparenten und spannenden KI-Vision, die die Projektziele in eine inspirierende Geschichte übersetzt. Die KI-Vision fördert das Verständnis unter den Beteiligten, löst ein Gefühl der Dringlichkeit aus und definiert den gemeinsamen Weg nach vorn. Die Verinnerlichung des Transformationszwecks (warum und wohin) charakterisiert den essentiellen Ausgangspunkt für Vertrauen und Engagement der an der Datentransformation beteiligten Interessenvertreter.

Schritt 2 – Mobilisierung von Data-Influencern

Die jüngste KI-Studie zeigt, dass die Integration der neuen Technologie in der Organisation ohne Mitwirkung der Mitarbeiter – insbesondere von Mitarbeitern die eine Multiplikatorenrolle besitzen – selten gelingen wird. [3]  So ist es entscheidend, einzelne Data-Influencer frühzeitig zu identifizieren, zu mobilisieren und sie in die Transformation gezielt einzubeziehen, mit dem Ziel, die gemeinsame KI-Vision zum Leben zu erwecken. Besonders geeignet, Data-Influencer zu werden, sind Mitarbeiter mit einer allgemeinen intrinsischen Motivation, KI-Technologien zu testen und zu nutzen, und Freude daran finden, Kollegen bei der Einführung neuer Technologien zu unterstützen. Indem man sie mobilisiert, werden sie in die Lage versetzt, die Brücke zwischen KI-Vision und Daten zu schlagen. Sie animieren ihr internes Netzwerk und treiben eine Technologieübernahme aus der Kraft des Unternehmens selbst heraus voran. Als Vorbild für ihre Kollegen sind sie eine lebende Referenz für das Vertrauen in die KI-Technologie und die Chancen, die sich aus den neuen Arbeitsweisen ergeben.

Schritt 3 – Aufbau einer offenen Data-Community

Der dritte Schritt auf dem Weg zu einer erfolgreichen Einführung der KI ist der Aufbau einer offenen Data-Community innerhalb des Unternehmens, die die Mitarbeiter ermutigt, neue Technologien und deren Vorteile mit Hilfe von Data-Influencern aus erster Hand zu erfahren. Das Projektteam und die Data-Influencer sollten gemeinsam an der Entwicklung eines Forums des ständigen Austauschs mit unternehmensspezifischen Formaten arbeiten, das sich im Laufe der Zeit zu einer sich ständig weiterentwickelnden Austauschplattform heranwächst. Dies sollte auch spezielle Schulungssitzungen für die Weiterbildung von Fachkollegen beinhalten und sowohl das Verständnis als auch das Wissen in Richtung KI fördern. Die teilnehmenden Kollegen werden die Möglichkeit haben, die KI und datenbasierte Arbeitsweisen zu testen, zu diskutieren und sich darüber zu informieren. Der offene Austausch mit engagierten Data-Influencern senkt die Barrieren, um mit KI und Daten in direkten Kontakt zu kommen und das eigene Verständnis zu fördern. Die Data-Community trägt dazu bei, eine zuverlässige Vertrauensbasis auszubauen und die Akzeptanz gegenüber der neuen Technologie zu festigen. Nur durch den offenen Umgang und den Austausch kann sich authentsich eine neue und positive Einstellung gegenüber KI und relevanter Transformationen entwickeln.

Wir als Capgemini Invent unterstützen Unternehmen in der erfolgreichen Umsetzung von KI-Projekten. Sie wollen mehr über Capgemini’s neueste Ergebnisse zu daten-getriebenen Unternehmen erfahren? Dann werfen Sie im November einen Blick in die neueste Veröffentlichung des Capgemini Research Institute.

Vielen Dank an die Autoren Dr. Caroline Baethge, Dr. Christoph Euler und Ali Ergün.


Quellen:

[1] Capgemini Research Institute, The AI-powered enterprise: Unlocking the potential of AI at scale, 2020

[2] Capgemini Invent, Change Management Study 2019: Leaping forward: Paths to Organizational Dexterity, 2019

[3] Capgemini Research Institute, AI and the Ethical Conundrum: How organizations can build ethically robust AI systems and gain trust, 2020

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