Enterprise Architecture als Treiber ökologischer Nachhaltigkeit?

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Wie können Enterprise Architekten zur Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen in Unternehmen beitragen?

Die Digitalisierung verändert nicht nur unser tägliches Leben, sie nimmt auch erheblichen Einfluss auf das Ökosystem unseres Planeten. Der derzeitige Energieverbrauch der eingesetzten Informations- und Kommunikationstechnologie ist für ca. 3% der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich – mehr als Spanien, Frankreich und Portugal zusammen[1]. Auch die dazu äquivalenten Treibhausgasemissionen sind enorm und bewegen sich in etwa auf dem Niveau der weltweiten Luftfahrtindustrie im Jahr 2018[2].

Die Rolle des Enterprise Architecture Management unterliegt stetigem Wandel. Unserer Capgemini Digital Architecture Study 2020[3] zufolge sehen 95% der Unternehmen das Enterprise Architektur Management als bedeutenden Erfolgsfaktor bei Innovationsvorhaben an. 81% der befragten Unternehmen, die Corporate Social Responsibility (CSR) als ein Schlüsselthema für ihre Organisation betrachten, setzen bereits Nachhaltigkeitsprojekte zur Optimierung des Technologie- und Ressourceneinsatzes um. Enterprise- und IT-Architekten als Innovations-Enabler haben das Potential nicht nur den digitalen Wandel voranzutreiben, sondern auch die entscheidenden Weichen hinzu einer umweltverträglicheren Unternehmens-IT zu stellen. Doch wie gelingt es Enterprise und Solution Architekten nachhaltige Unternehmensarchitekturen zu entwickeln und ökologische Ziele im Design-Prozess zu verankern?

Im Architekturkontext berücksichtigt die Nachhaltigkeitsperspektive die Beschaffung, Nutzung und Entsorgung von Ressourcen mit Blick auf ökologische, soziale und wirtschaftliche Auswirkungen. Statt Nachhaltigkeit allein als Teil von Corporate Social Responsibility Bestrebungen zu sehen und entsprechende Projekte anzustoßen, sollte ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt werden. Nachhaltigkeitsaspekte sollten Teil des Designprozesses auf allen Architekturebenen sowie über alle Abstraktionsebenen werden.

Der Architekturprozess umfasst eine ganzheitliche Betrachtung aller Architekturebenen (Business, Information, Informationsystems, Technology Infrastructure) und erfolgt auf vier Abstraktionsebenen:

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Abbildung 1: Integrated Architecture Framework 6.0 (Sustainability Edition)”
  • Auf kontextueller Ebene werden Fragen nach dem „Warum“ beantwortet: z.B. Warum muss die IT transformiert werden? Der Aspekt Nachhaltigkeit kann beispielsweise durch übergeordnete IT-Prinzipien, die einen konkreten Orientierungsrahmen für nachhaltige Lösungen geben, oder die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsstrategien und -richtlinien in Vision und Zielkonzepten eingebracht werden.
  • Auf konzeptioneller Ebene werden Fragen nachdem „Was“ beantwortet: z.B. Was an Services und Funktionen wird benötigt? Welche Anforderungen gibt es? Auf der konzeptionellen Ebene werden die Anforderungen und Ziele heruntergebrochen. Nachhaltigkeitsanforderungen sind sowohl Teil non-funktionaler als auch funktionaler Anforderungen: z.B. „Ein Server darf in der Spitze nicht mehr als 270 Watt pro Stunde verbrauchen“.
  • Auf logischer Ebene werden Fragen nach dem „Wie“ beantwortet: z.B. Wie können Kundenbedürfnisse mit Technologiekomponenten realisiert werden? Nachhaltigkeitsanforderungen werden auf dieser Ebene im Rahmen des Lösungsdesign-Prozesses umgesetzt. Beispielsweise wird der Energieverbrauch eines angedachten Lösungsdesigns als Zielgröße bei Designentscheiden (z.B. Cloud Vs. OnPremise) berücksichtigt.
  • Auf physikalischer Ebene werden Fragen nach dem „Womit“ beantwortet: B. Mit welchen Standards, Produkte, Richtlinien werden Technologiekomponenten implementiert? Auf physikalischer Ebene wird der Ressourcenverbrauch verschiedener Lösungen über der Lebenszyklus quantifiziert und somit vergleichbar gemacht. Darauf basierend werden Maßnahmen zur Effizienzoptimierung des Ressourcenverbrauchs abgleitet.

Spannt man die Matrix zwischen Architekturebenen und Abstraktionsebenen wie in Abbildung 1 gezeigt auf, ergibt sich ein umfangreiches Feld an Ansatzpunkten, um Nachhaltigkeitsziele im Architekturprozess zu verankern. Es liegt nun an Enterprise Architekten dies auch in der Praxis umzusetzen und Nachhaltigkeitsanforderungen als feste Dimension im Architekturprozess zu etablieren.

Welche Rolle Enterprise Architekten im Kontext Nachhaltigkeit bereits heute in der Praxis spielen und wie sie in Ihrer Funktion wahrgenommen werden, lesen Sie in unserer diesjährigen Digital Architecture Study 2020 „Enterprise Architecture als Erfolgsfaktor in Digitalen Transformationen“.

[1] https://www.capgemini.com/gb-en/2019/10/applying-technology-to-sustainability-challenges/

[2] https://theicct.org/publications/co2-emissions-commercial-aviation-2018

[3] https://www.capgemini.com/de-de/resources/digital-architecture-study-2020/


Vielen Dank an den Co-Autoren Julian Assmann für die maßgebliche Erstellung dieses Blogbeitrages.

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