Datenkompetenz: Die Basis für passgenau personalisierte Produkte und Wachstum bei Versicherern

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Der Einsatz von Technologien und Werkzeugen zur Erhebung und Auswertung von (Kunden-)Daten versetzt Versicherer in die Lage, gezielt auf die Wünsche des Kunden einzugehen und auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben.

In der neuen Blogreihe zu den Erkenntnissen des World Insurance Reports 2020, wurde bereits analysiert, wie Kunden zunehmend in die Lage versetzt werden, Versicherungsprodukte unabhängig von einem Vermittler zu beurteilen und abzuschließen. Das Kundenalter hat dabei nur marginalen Einfluss auf das Abschlussverhalten beim Versicherungskauf und ist unabhängig davon, welche digitalen Kanäle eine entscheidende Rolle spielen. Lesen Sie mehr dazu im Blogbeitrag „Versicherungsbranche 2020“.

Zwischen der vom Kunden erwarteten und der tatsächlich vorhandenen Personalisierung auch im Vertrieb klafft meist noch eine Lücke, die es zu schließen gilt. Versicherer können dies schaffen, indem sie dem Kunden das richtige Produkt über den präferierten Kanal zur richtigen Zeit anbieten. Dieser Dreiklang ist die Basis für eine starke Beziehung zwischen Kunde und Versicherer. Lesen Sie mehr dazu im Blog „Der perfekte Dreiklang“.

Offen ist bislang geblieben, wie Versicherer mit der Nutzung von gesammelten Daten Wachstum generieren können. Darum geht es jetzt.

Die passende Technologie ist vorhanden, die Erfassung der Daten hinkt meist hinterher

Heutzutage sind Aktuariate nicht mehr die einzigen Abteilungen, die auf Daten angewiesen sind und ihr tägliches Tun darauf stützen. Kundendaten werden von der Antrags- bzw. Risikoprüfung bis hin zur Schadenbearbeitung genutzt und angereichert. Folglich ist die fortschrittliche, schnittstellenübergreifende Datennutzung und -bereitstellung ein wirksamer Hebel, die Produktivität zu verbessern. Versicherern ist grundsätzlich daran gelegen, qualitativ hochwertige Daten zu erheben und auszuwerten.

Interessanterweise wurde im World Insurance Report 2019 deutlich, dass lediglich 35 Prozent der Versicherer in der Lage waren, Daten in Echtzeit zu sammeln und zu nutzen. Dies hat sich auf 41 Prozent im Jahr 2020 verbessert. Blickt man auf das Jahr 2019, in dem lediglich 15 Prozent der Versicherer NLP integrierten, hat sich aber auch hier das Blatt bereits zum Positiven gewendet und 19 Prozent nutzen 2020 diese Technologie, um ihren Service zu verbessern.

Behält man dies im Hinterkopf und betrachtet die Fähigkeit Daten automatisiert zu verarbeiten, dann wird erkenntlich, dass Versicherer über das letzte Jahr hinweg ihre Hausaufgaben gemacht haben und Prozessautomatisierung ein beträchtlicher Teil der Digitalen Agenda war. Flossen 2019 Daten lediglich bei 55 Prozent der Versicherer automatisch, verfügen 2020 bereits 94 Prozent über automatisierte Prozesse und stellen über integrierte Schnittstellen Daten innerhalb und ggf. außerhalb des Unternehmens zur Verfügung.

Diesen Fortschritten bei der Datenverarbeitung hinkt die Erfassung von qualitativ hochwertigen und nutzbaren Kundendaten allerdings hinterher. Die Ursache dafür ist, dass Kunden weiterhin zurückhaltend sind, freiwillig persönliche Daten zur Verfügung zu stellen. Lediglich 27 Prozent[1] der Versicherungskunden sind bereit, zusätzliche Daten an den Versicherer zu übermitteln, um einen besseren Versicherungsschutz zu erhalten.

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Abbildung 1: Nutzung von Technologien zur Erfassung von Kundendaten (DACH)

Die Zahl der Datenlieferanten wächst schnell

Die Flut an Daten wird täglich weiter zunehmen – etwa um Daten, die von Smart Devices, Wearables oder Fahrzeugen generiert werden. Laut Statista[2] wird sich die Anzahl der Smart Homes bis 2024 auf über 6 Millionen verdoppeln. Gartner prognostiziert für den Automobilsektor, dass bis Ende 2020 eine Viertelmilliarde vernetzter Autos unterwegs sein wird und bis 2021 98 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge vernetzt sein werden[3]. Dies ermöglicht eine Vielzahl an Möglichkeiten der Monetarisierung von Fahrzeugdaten.

Beispiel einer ausgewählten Kooperation zur Datenmonetarisierung

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Abbildung 2: Vielzahl an Sensoren zur Erhebung von Daten

Die Partnerschaft von Capgemini Invent und Otonomo vereint zwei wesentliche Säulen der Datenmonetariserung von Automobildaten: die Plattformkompetenz von Otonomo sowie Versicherungsexpertise von Capgemini Invent.

Über seine Plattform aggregiert Otonomo aktuell täglich mehr als zwei Milliarden Datenpunkte von über 20 Millionen vernetzten Fahrzeugen weltweit. Mit Hilfe dieser Daten können neue intelligente, datenbasierte Versicherungsprodukte wie „Pay as you drive“, „Usage based insurance“, „first notification of loss“, etc. und Dienstleistungen für den Verbraucher realisiert werden.

Dies ermöglich es Unternehmen, mehr Nutzen aus den Daten zu generieren: Indem sie die umfassende Technologie- und Branchenexpertise von Capgemini, die Kompetenzen von Capgemini Invent hinsichtlich digitaler Transformation und verbundenen Produkten sowie Dienstleistungen mit Otonomos führender Fahrzeugdaten-Plattform verbinden. Die Zusammenarbeit ergänzt die Vision der Intelligenten Industrie von Capgemini und ermöglicht die Transformation von Fahrzeugherstellen hin zu Mobilitätsanbietern und Dienstleistern.

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Abbildung 3: Möglichkeiten zur Monetarisierung von Fahrzeugdaten

Versicherer müssen diese Lücke schließen

Versicherer müssen damit beginnen, die „richtigen“, vom Kunden erzeugten Daten zu erfassen und fortschrittliche Datenverarbeitungssysteme einzusetzen, die verwertbare Erkenntnisse liefern. Ohne den richtigen Input (Daten) und den richtigen Output (eine 360-Grad-Sicht auf den Kunden) sind gewinnbringende Einblicke unmöglich. Eine qualitativ hochwertige Datengrundlage kann wesentlich zum Wachstum eines Versicherers beitragen und ihn für die Zukunft stärken.

Kooperationen mit Anbietern von Lösungen, die qualitativ hochwertige Daten sammeln und zur Verfügung stellen, kann Versicherern den entscheidenden Vorteil liefern. Capgemini Invent arbeitet mit Experten wie Otonomo zusammen, um neue datenbasierte Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.

Nutzen Sie digitale Technologien, um den Kunden besser zu verstehen und ihn in das Zentrum ihres Tuns zu rücken. Erfahren Sie in der nächsten Blog-Ausgabe am 03. September 2020, wie Maßnahmen zur Bewältigung der aktuellen Herausforderungen aussehen könnten, um die aus Daten gewonnenen Erkenntnisse sinnvoll zu nutzen. Eine effektive Digitalstrategie lässt sich durch Kooperationen stärken, die zu den richtigen Daten Analysefähigkeiten und Kompetenzen in der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle liefern.

[1] World Insurance Report 2019

[2] Smarte Haushaltsgeräte, Statista

[3] ZDNet (Gartner Report)


Über den Autor:

Der Beitrag wurde erstellt von Simon Holler, Manager bei Capgemini Invent im Bereich Brand & Experience mit Schwerpunkt Insurance. Der World Insurance Report 2020, für den über 150 Führungskräfte der Versicherungsbranche und mehr als 8.000 Versicherungskunden befragt wurden, steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung.

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