Minimum Viable Organization (MVO)

Die erfolgreiche Umsetzung einer anpassungsfähigen und innovativen Organisation

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Die MVO revolutioniert die traditionelle Organisationsgestaltung, indem sie Kernbestandteile des Zielmodells unter Realbedingungen pilotiert und eine iterative Optimierung dieses Zielmodells in der Umsetzung ermöglicht.

Die traditionelle Umsetzungsmethode verlief nach dem Wasserfall-Prinzip – ohne Raum für Piloten oder Anpassungen

Dass sich Organisationsstrukturen für die Zukunft verändern müssen, um anpassungsfähig, innovativ und flexibel zu werden, um den stetig verändernden Markt- und Kundenanforderungen gerecht zu werden, haben wir in unseren vorhergehenden Blogartikeln der Serie „Future Organization“ dargestellt. Doch die Frage, die sich stellt, ist das „wie“? Wie transformiert sich ein Unternehmen hin zu einer adaptiven, innovativen Organisation?

Traditionell beantwortete man für die Transformation folgende Fragen:

  1. Welche Implikationen hat die Strategie auf die Organisation?
  2. Wie sieht ein daraus abgeleitetes Organisationsmodell aus?
  3. Was ist der schnellste Weg es umzusetzen?

Zumeist wurde auf Basis eines Idealbildes strategisch saubere, sehr detaillierte Konzepte entwickelt, die auf dem Papier schlüssig aussahen, einem der bekannten Organisationsmodelle folgten, möglichst einem Benchmarking standhielten und idealerweise in einer großen Umsetzungswelle realisierbar waren. Die Umsetzung erfolgte dann top-down auf die Organisation, ohne Raum für Flexibilität, Anpassung oder einen Test in der Realität. Somit wurde die PowerPoint-Theorie 1:1 umgesetzt, weil sie in den Köpfen der Ersteller funktionierte. Als Ergebnis änderten sich jedoch nur Kästchen, die Mitarbeiter frustriert hinterließen und die gesteckten Ziele der Transformation nicht (vollumfänglich) erreichten.

Dieses traditionelle Vorgehen folgte dem Wasserfall Prinzip. Es eignet sich jedoch aufgrund der Endgültigkeit des Ergebnisses nicht für eine erfolgreiche Entwicklung und Umsetzung eines adaptiven, flexiblen und innovativen Organisationsmodells, denn auch dieses muss sich stetig anpassen.

Ein adaptives Zielbild erfordert ein adaptives Vorgehen

Bei einem adaptiven Vorgehen ist das Zielbild das Kernelement der Transformation. Die MVO ist der Dreh- und Angelpunkt und entsteht auf Basis des Zielbilds. Die Strategie ist und bleibt ein entscheidender Input für das Design. Allerdings ist sie nicht mehr die einzige Einflussgröße. Mit der Analyse der Kerneinflüsse der Strategie geht ein detailliertes Verstehen der individuellen Situation des Unternehmens einher. Dabei werden Kundenanforderungen, Schmerzpunkte, aber auch Themen, die unbedingt erhalten werden sollen, pointiert beschrieben. Das Zielbild wird auf Basis all dieser Erkenntnisse beschrieben und dient als Nordstern für das neue Organisationsmodell. Es ist allerdings nur bis zu einem notwendigen Level und NICHT bis ins letzte Detail beschrieben oder gar festgelegt.

Das Zielbild gibt lediglich die Richtung vor, es beschreibt die notwendigen Bestandteile des Organisationsmodells, dessen Zusammensetzung und das grobe Zusammenspiel der Bestandteile. Es gibt damit Orientierung in der gesamten Transformation – definiert aber nicht jeden einzelnen Schritt.

Die Minimum Viable Organization funktioniert wie ein Prototyp des zukünftigen Organisationsmodells und lässt Raum für Feedback und Iterationen

Im Rahmen des MVO-Ansatzes wird zunächst die Frage beantwortet, was die Kernbestandteile und -charakteristika des zukünftigen Organisationsmodells sind. Das Zielmodell wird dann in „lebensfähige“ Organisationsbestandteile zerlegt, welche ein Ausprobieren der Kernbestandteile und -charakteristika ermöglichen. Diese lebensfähigen Organisationsbestandteile (MVO) werden dann umgesetzt, während der restliche Teil der Organisation zunächst – bis auf notwendige Anpassungen von Schnittstellen und Governance-Mechanismen – unberührt weiter existiert. Die MVO wird intensiv betreut, beobachtet und gemessen. Insbesondere die positiven Effekte, die man sich vom neuen Organisationsmodell erhofft, werden kritisch betrachtet und regelmäßig reflektiert. Im Zuge dieser Reflektionen wird die MVO weiter ausdetailliert und optimiert. Es werden auch notwendige Anpassungen am Zielbild vorgenommen, wenn dies sinnvoll erscheint. Wenn die erste MVO einen Stand erreicht hat, der die Zielsetzungen des neuen Organisationsmodells weitestgehend erfüllt, folgt der Ausbau der MVO, um weitere Bestandteile des neuen Organisationsmodells umzusetzen

Organisationen müssen offen, ausbalanciert und inklusiv sein, um sich auf Minimum Viable Organizations einzulassen

Um MVOs erfolgreich zu entwickeln und umzusetzen, erfordert es jedoch drei Kerneigenschaften, die als Basis der Transformation dienen.

Offenheit

Die Organisation muss Offenheit bewahren, um Iterationen des Zielbilds zu zulassen, ohne dabei die Richtung zu verlieren. Unsere Erfahrung zeigt, dass sich auch ein Zielbild eines neuen Organisationsmodells in der Umsetzung verändert und oft anders, als in der Definitionsphase aufgenommen wurde.

Balance

Um Neues auszuprobieren, aber nicht das Ziel aus den Augen zu verlieren, ist es äußerst wichtig, die richtige Balance zwischen feststehenden Eckpfeilern des Zielmodells und gestaltbaren Komponenten zu finden.

Inklusion

Organisationen müssen mutig sein auch Arbeitsstände zu kommunizieren, Mitarbeiter frühzeitig zu involvieren und mit ihnen gemeinsam das Zielbild auszuprobieren. Dieses Einbinden führt zu einem validierten Zielbild mit dem schlussendlich sowohl Mitarbeiter, als auch Führungskräfte besser umgehen können.

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Abbildung 1: Vorteile der MVO, Capgemini Invent

Die Minimum Viable Organization als Basis für eine flexible Umsetzung

Die sich ständig verändernden Marktbedingungen erfordern eben nicht nur adaptive Organisationsstrukturen, sondern auch eine entsprechend flexible und anpassungsfähige Umsetzung, die sicherstellt, dass eine Zielstruktur erreicht wird, die sich immer wieder an geänderte Anforderungen und Rahmenbedingungen anpassen kann. Der MVO Ansatz bietet genau diese Möglichkeit. MVOs sind also genau diese flexible und anpassungsfähige Form der Umsetzung hin zu einer adaptiven Organisation.

Basierend auf den neuen Marktanforderungen verändern sich Unternehmen nicht nur zu adaptiven Organisationen, sonderen streben auch nach einem einheitlichen Ansatz für die Einführung von neuen Technologien. Ein weiteres Ziel für die Organisationsstruktur ist also die Ausrichtung als intelligentes Unternehmen. Wie so eine neue Unternehmensstruktur, die gesamtheitlich neue Technologien integriert, aussehen kann, werden wir in unserem nächstem Blog-Artikel zeigen.

Herzlichen Dank an die Autoren Markus Cramer, Carolina Spiess & Kristin Lüdecke.

Weitere Blogartikel zu der Reihe „Future Organization“ finden Sie hier:

Flexible Strukturen – Ein Oxymoron?

Die adaptive Organisation – wie Innovation und Anpassungsfähigkeit zusammenfinden

Innovation Reloaded

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