Innovation Reloaded – Keine Frage der Wahl

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Unternehmen benötigen Innovationen um sich zu entwickeln. Wie können aber die Strukturen und Prozesse nachhaltige Innovation in Organisationen fördern?

Evolve or die – Nachhaltige Wissensintegration war schon immer elementar für Unternehmen

Erfolgreiche, nachhaltige Innovation war schon immer wichtig für die Überlebensfähigkeit eines jeden Geschäfts und damit auch die Integration neuen Wissens. Egal wann und in welcher Industrie, Wissen musste schon immer dynamisch sein und in Organisationen adaptiert werden. Zum Beispiel Steinway & Sons, welches ihre komfortable Position als Marktführer gegen Yamaha verloren hat oder Ford Motors welches von General Motors überholt wurde. Oder aber auch wie Blockbuster die Herausforderung von Netflix als Konkurrenten unterschätzt hat. Unternehmen, die es nicht schaffen ihre Geschäftsmodelle weiter zu entwickeln und zu innovieren können nicht mit den Veränderungen der Zeit mithalten.

Gleichzeitig werden Marktveränderungen immer drastischer und schneller, was sich in kürzeren Produktlebenszyklen bemerkbar macht. Unternehmen müssen dadurch schneller neues Wissen integrieren, eine Herausforderung die viele nicht meistern und sich zu langsam entwickeln. Die Folgen beinhalten verlorene Marktanteile bis hin zur Insolvenz, etwas was sich auch in der verkürzten erwarteten Lebenszeit von Unternehmen widerspiegelt (von 61 Jahren 1958 zu 18 Jahren 2018). Es scheint als ob die konstante Adaption neues Wissens und neuen Fähigkeiten elementar für die Überlebensfähigkeit von Unternehmen ist. „Evolve or die“ – aber wie können Unternehmen konstant neues Wissen integrieren?

Die schnelle Wissens- und Fähigkeitenakquisition benötigt neue Organisationsansätze

Externe Partnerschaften, M&A Aktivitäten sowie das Einstellen von Mitarbeitern mit benötigten Fähigkeiten sind die am häufigsten genutzten Maßnahmen von Unternehmen um neues Wissen und neue Fähigkeiten zu akquirieren. Diese Maßnahmen können erfolgreich sein, allerdings benötigt es oft zu viel Zeit um die positiven Effekte nachhaltig zu erzielen. Zudem ist die Liste der gescheiterten M&A’s sehr lang, welches dies eine sehr riskante Option für Unternehmen darstellt um Innovation zu fördern.

Gleichzeitig scheinen intern getriebene Innovationen bemerkenswerte Resultate liefern zu können. Während neuere Unternehmen wie Google, Apple und Amazon sich scheinbar einfacher tun neues Wissen konstant zu adaptieren und neue Produkte/ Services zu erfinden, kämpfen ältere Unternehmen mit dieser Form von Innovation. Zu oft scheitern Innovationsaktivitäten in Unternehmen aufgrund von internen Grabenkämpfen, nicht-definierten Verantwortlichkeiten und Resourcenknappheit (Bild 1). Damit nehmen sich Unternehmen die Möglichkeit, bemerkenswerte Markterfolge von Innen heraus zu erreichen. Procter & Gamble schaffte es den undynamisch geltenden Waschmittelmarkt mit der Einführung der sogenannten „washing pods“ nachhaltig zu verändern. P&G konnte signifikante Marktanteile weltweit erobern, obwohl das neue Produkt die Verkaufszahlen bereits existierender Angebote im Markt kannibalisiert. Dieses Beispiel zeigt, wie auch etablierte Unternehmen in der Lage sein können Innovationen intern zu treiben und somit Markterfolge erzielen zu können. Aber wie können Unternehmen die limitierenden, organisationellen Faktoren überwinden um erfolgreich Innovation zu betreiben?

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Abbildung 1: Warum Innovationen scheitern

In unserem letzten Blogartikel haben wir die Adaptive Organisation vorgestellt, ein kundenorientiertes Organisationskonzept welches flexible Ressourcenallokation mit klaren Verantwortlichkeiten ermöglicht. Innovation kann somit ein integraler Bestandteil des Organisationsmodells werden. Es gibt aber auch andere Ansätze wie Unternehmen Innovation erfolgreich treiben, sei es durch eine strukturelle Trennung (z.B. Alphabet) oder eine starke R&D Abteilung (z.B. P&G). Es gibt keine Standardlösung für nachhaltige Innovation in Unternehmen, sondern Innovationsaktivitäten müssen in das Organisationsmodell von Unternehmen aktiv integriert werden. Dieser Faktor wird oftmals unterschätzt und zu wenig beachtet von Unternehmen, welche versuchen ihre Innovationsfähigkeiten zu verbessern.

Die Unternehmensstrategie bestimmt die Richtung von Innovationsaktivitäten und Organisationsstruktur

Erfolgreiche Innovation benötigt klare Leitplanken. Innovation und Kreativität wird durch Grenzen und Einschränkungen gefördert, welche von der strategischen Ausrichtung des Unternehmens gesetzt werden. Mitarbeiter auf allen Ebenen können sich an bei Innovationsaktivitäten an den Leitplanken orientieren um somit mit Ihrer Kreativität nachhaltig zum Unternehmenserfolg beitragen. Durch eine klare strategische Ausrichtung können Unternehmen ihre operativen Ansätze organisatorisch anpassen um „out-of-the-box thinking“ zu fördern. Dies beinhaltet strukturell fördernde operative Prozesse, Governancemodelle und Resourcenverteilung zur Erfüllung von Geschäftsbedürfnissen und Marktanforderungen. Hierbei muss eine Balance zwischen Innovationsaktivitäten und Aufrechterhaltung der Kernprozesse von Unternehmen gefunden werden. Das Konzept der adaptiven Organisation hier wieder sehr hilfreich, da es den Kundenwert in den Mittelpunkt stellt. So ein kundenorientierter Wertschöpfungsansatz fördert ebenfalls die organisationale Resilienz für unternehmenskritische Prozesse. Das „Chaos Monkey“ Programm von Netflix ist hier ein sehr extremes Beispiel (alle Resourcen werden sofort zur Lösung eines systemkritischen Prozessproblems allokiert), allerdings zeigt es die Durchschlagskraft der flexiblen Resourcenallokation kombiniert mit schnellen Governance- und Entscheidungsprozessen.

Ohne eine klare strategische Ausrichtung wäre P&G wahrscheinlich nicht in der Lage gewesen ein Produkt zu entwickeln und erfolgreich in den Markt zu geben, welches die Verkaufszahlen bereits existierender Produkte potentiell kannibalisiert. Das zeigt die Bedeutung einer klaren Unternehmens- und Innovationsstrategie für erfolgreiche Innovationsaktivitäten in Unternehmen.

Unternehmen müssen Organisationsentwicklung aktiv fördern und kritische Maßnahmen durchführen um nachhaltig Innovation zu integrieren

Dies alles zeigt, Innovation und Wissensintegration sind nicht eine Frage der Wahl, sondern eine Notwendigkeit für nachhaltigen Unternehmenserfolg. Unternehmen müssen die oftmals ungenutzten Potentiale ihrer eigenen Organisation nutzen um Innovation zu fördern – ‘Evolve or die‘. Hierzu müssen Mitarbeiter die Möglichkeit bekommen Ideen zu verfolgen und interne Netzwerke in Unternehmen gefördert werden. Dies kann durch die Integration von Innovation in das Organisationsmodell geschehen, welches sich an der Unternehmens- und Innovationsstrategie ausrichtet. Um Innovation nachhaltig und erfolgreich zu machen müssen Unternehmen vor allem vier kritische Maßnahmen ergreifen: Kundenwertorientierung, Ressourcenbereitstellung, schnelle Entscheidungsmechanismen und klar definierte Verantwortlichkeiten.

Kundenwertorientierung:

Jede neue Idee muss bewertet werden bevor sie verfolgt werden kann. Der Kundenwert (inkludiert unternehmensinterne Kunden) muss immer im Vordergrund stehen, genauso wie die Relevanz für die gesamte Unternehmensstrategie.

Ressourcenbereitstellung:

Ressourcen müssen für verfolgte Innovationsaktivitäten bereitgestellt werden, damit aus einer Idee ein Prototyp generiert werden kann. Das beinhaltet die schnelle Allokation von Fähigkeiten, Wissen und Ressourcen (inklusive Geld) welche fundamental für die Wertschöpfungskette der Innovation sind. Kontinuierliche Fortschrittsevaluierung und Realitätschecks werden benötigt. So ergeben sich auch oftmals Änderungen an den bereitgestellten Ressourcen. Allerdings bedeutet dies auch, dass Innovationsaktivitäten eingestellt werden, wenn diese nicht den erwarteten Kundenwert erfüllen. Von diesen Versuchen können trotzdem wichtige Erfahrungen und Erkenntnisse extrahiert und in der Organisation geteilt werden um den Wissenshorizont zu erweitern.

Schnelle Entscheidungsmechanismen:

Mit einer etablierten Wertschöpfungskette für Innovation, können Unternehmen die oftmals langen und bürokratischen Entscheidungsmechanismen umgehen. Schnelle Entscheidungsmechanismen benötigen allerdings klare Verantwortlichkeiten über die Innovationsaktivität und Ressourcenverteilung. Ein etabliertes Governancemodell für Innovation wird dadurch benötigt um das volle Potential von Innovationen in Unternehmen zu auszuschöpfen.

Klare Verantwortlichkeiten:

Eine Innovationsaktivität muss in der klaren Verantwortlichkeit eines Teams liegen, welches die gesamte Wertschöpfungskette der Innovation bearbeiten kann. Dies ermöglicht Innovationsteams schnell zu agieren und auf Marktbedürfnisse reagieren zu können. Zudem wird ein Sponsor aus dem Top Management benötigt. Dieser Sponsor sollte über die Art der Innovationsaktivität bestimmt werden, zum Beispiel sollte eine Innovationsaktivität um interne Prozesse zu optimieren zuständigen Vorstandsmitglied gefördert werden.

Unternehmen mussten sich schon immer weiterentwickeln und auf Markttrends reagieren. Die erhöhte Geschwindigkeit von technologischen Entwicklungen verstärkt diese Notwendigkeit. Evolve or die – mit der vierten Industriellen Revolution im vollen Gange, sehen sich Unternehmen einer großen Herausforderung gegenübergestellt. Aber wie können Unternehmen auf die aktuellen Entwicklungen reagieren? Unser nächster Blogartikel von unseren Innovationsexperten von Fahrenheit 212 wird das Thema Innovationen in Unternehmen vertiefen und ein Blick darauf werfen, wie Unternehmen Innovationsaktivitäten nachhaltig fördern können.


Vielen Dank an die Co-Autoren Markus Cramer und Yannick Büchting.

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