Agilität

Agiles IT-Betriebsmodell

Was Agilität jenseits von Buzzwords für Innovationen und Digitalisierung wirklich bedeutet

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Agile – es geht nicht um das „Ob“, sondern um das „Wie“

Agilität ist längst in der Unternehmensrealität angekommen und wird verstärkt nachgefragt. Aber warum brauchen wir Agilität? Und wie gelingt die Entwicklung zu einem agilen IT-Betriebsmodell?

In den vorhergehenden Blogbeiträgen dieser Serie wurden wesentliche Herausforderungen des CIOs und der erforderliche Wandel von Fähigkeiten und Führungskultur betrachtet. Dieser Beitrag beschäftigt sich nun mit der Frage, wie Unternehmen sich mithilfe eines agilen IT-Betriebsmodells zukunftssicher ausrichten. Capgemini ist überzeugt, dass Agile Delivery ein wesentlicher Enabler einer digitalen IT ist.

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Erfolgreiche digitale Unternehmen fördern sowohl agile Arbeitsweisen als auch den erforderlichen organisatorischen Rahmen und setzen dabei vor allem auf folgende Fähigkeiten:

  1. Agile Delivery und Produktorientierung
  2. DevOps und Cloud Operation
  3. IT-Portfoliomanagement und IT-Partner-Ökosysteme

Agile – Scrum ist gut, Agile at Scale ist besser

Studien belegen, dass die Beschleunigung der Produktentwicklung, bessere Reaktionsfähigkeit auf wechselnde Prioritäten des Business sowie Produktivitätssteigerungen die drei Hauptgründe für die Einführung von agilen IT-Betriebsmodellen sind. Agile Methoden zeichnen sich durch enge Feedbackschleifen, kürzere Planungshorizonte, Risikoreduktion und erhöhte Flexibilität aus. Die Fokussierung auf ein „Minimum Viable Product“ (MVP) stellt sicher, dass eine erste Version des Produkts schon frühzeitig und wertstiftend genutzt werden kann und Feedback der Nutzer in den nächsten Entwicklungszyklus eingeht. So wird ein klarer Fokus auf das Produkt gelegt und die Nutzer können die Entwicklungsaktivitäten steuern.

In einer idealen Welt arbeitet ein agiles Team vor Ort mit allen notwendigen Experten eng zusammen an den digitalen Innovationen von Morgen. Komplexe Softwareprodukte benötigen jedoch eine Vielzahl agiler Teams, die es im Unternehmen zu koordinieren gilt. Dies wirft die Fragestellung auf, welche Voraussetzungen in Unternehmen geschaffen werden müssen, damit ein agiles IT-Betriebsmodell möglich wird.

Die Antwort ist zweigeteilt: zum einen bedarf es skalierender Ansätze agiler Betriebsmodelle, um die Methoden agiler Software-Entwicklung im Unternehmen zu implementieren. Zum anderen müssen insbesondere global agierende Unternehmen die organisatorischen Voraussetzungen schaffen, um Business und IT besser zu vernetzen und Fähigkeiten entlang von Produkten zu bündeln.

Für die Skalierung agiler Methoden geben praxiserprobte Frameworks wie „SAFe“ oder „Scrum at Scale“ Orientierungspunkte. Entscheidend ist die Auswahl des geeigneten Frameworks für das jeweilige Unternehmen. Spotify zeigt, wie ein Unternehmen erfolgreich Frameworks kombiniert und ganz im Sinne des agilen Gedankens verschiedene agile Methoden testet, um sie entweder zu adaptieren oder zu verwerfen. Auf diese Weise entsteht eine selbstlernende Organisation, die sich kontinuierlich weiterentwickelt.

Über den methodischen Rahmen hinaus gilt es für Unternehmen, das erforderliche organisatorische Gerüst für ein agiles IT-Betriebsmodell zu etablieren. Produktorientierung ist hierzu der Schlüssel: Digitale Champions stellen interdisziplinäre Teams entlang ihrer IT-Produkte auf und etablieren Product Owner, die nicht nur Kundenzufriedenheit, sondern auch Wertbeitrag verantworten. Die Vorteile liegen auf der Hand: durch dedizierte Zuordnung von Teams zu Produkten steigt der Geschäftsfokus, Verantwortung stärkt den Unternehmergeist und Interdisziplinarität erhöht die Produktivität.

DevOps und Cloud – Entwicklung auf Wolke 7

Während Frameworks das Gerüst für die agile Kooperation bilden, sind DevOps ein elementarer Inhalt der operativen Umsetzung agiler IT-Betriebsmodelle. Hinter dem Begriff DevOps verbirgt sich die Idee, die klassische Trennung von IT-Entwicklung und -Betrieb aufzuheben und stattdessen integriert vorzugehen. Diese Integration optimiert die Abstimmung von Abläufen, Tools, Infrastrukturen und den beteiligten Mitarbeitern. DevOps umfassen also die gesamte IT-Lieferkette und können einen maßgeblich Beitrag zur Verbesserung der Time-to-Market leisten. Die Integration von stabilitätsorientiertem IT-Betrieb und kontinuierlicher Veränderung in der Software-Entwicklung erfordert einen Kulturwandel, welcher Management-Support benötigt.

Über den kulturellen Aspekt hinaus hat die konsequente Anwendung von Cloud-Technologie großen Einfluss auf den Erfolg von DevOps. Cloud-Technologie wie beispielsweise Infrastructure as a Service bewirkt eine rasante Beschleunigung durch automatisierte Bereitstellung von Infrastruktur. Bottlenecks wie etwa Wartezeiten für den Ausbau von Rechenkapazitäten entfallen, auf Veränderungen in der Nachfrage kann die IT unmittelbar reagieren. Auch Lastspitzen können flexibel durch Skalierung temporär ausgeglichen werden. Cloud Operations ermöglichen der IT eine Fokussierung auf ihre Kernkompetenzen und somit eine Erhöhung des Wertbeitrags.

Portfolio und Partner Management – wenn Strategie greifbar wird

Das IT-Portfoliomanagement unterstützt die Umsetzung der Unternehmensstrategie innerhalb des agilen IT-Betriebsmodells. Ein agiles IT-Portfoliomanagement unterteilt IT-Anforderungen in Epics, die direkt auf das Erreichen von Geschäftszielen abzielen, und in Enabler, welche Grundlagen wie z.B. die Etablierung eines zentralen Datenmanagements oder die Implementierung einer Technologieplattform einführen. Enabler sollten im IT-Portfolio nicht zu kurz kommen, da sie sowohl die Veränderungs- als auch Umsetzungsfähigkeit der IT-Landschaft sicherstellen und oft Voraussetzungen für Digitalisierungsinitiativen aus dem Business schaffen. Über einen definierten Auswahlprozess werden IT-Anforderungen in Form von Epics oder Enablern erfasst, verfeinert und bewertet, bevor diese in einem priorisierten Backlog gesammelt und iterativ umgesetzt werden. Für das Management der Umsetzung hat sich die Etablierung von einem Kanbansystem als vorteilhaft erwiesen. Es erhöht es die Sichtbarkeit aller Initiativen und deren Bezug zur Unternehmensstrategie, vor allem aber begrenzt es den „Work-in-Progress“ und beugt so einer Überlastung der IT vor. Die Umsetzung der ausgewählten Initiativen aus dem IT-Portfolio wird auf diese Weise unter Beibehaltung der Reaktionsfähigkeit sichergestellt.

Bei der Umsetzung gewinnen IT-Partnerschaften zunehmend an Bedeutung. Sie ermöglichen es vor dem Hintergrund wechselnder Anforderungen, eigene Kompetenz- und Ressourcenlücken auszugleichen, eine Fokussierung auf Kernkompetenzen herbeizuführen und an Innovationen sowie Best-Practices der Partner zu partizipieren. Abhängig vom verfolgten Ziel ist die Auswahl und das Management der Partner zu gestalten. Unternehmen etablieren deshalb ein IT-Partnermanagement, welches die gesamte IT-Partnerlandschaft und deren Leistungen transparent macht. Dies ermöglicht das Treffen informierter Entscheidungen zu strategischen IT-Partnerschaften und Konsolidierungspotentialen. Insbesondere im Bereich Innovationen sollten dabei auch Universitäten, Startups und Technologie-Hubs als Partner in Betracht gezogen werden. Ob und welche Kooperationen zielführend sind, kann durch den Aufbau eines Innovationsradars beantwortet werden.

Agile Delivery – Chancen der Digitalisierung realisieren

Schnelle Anpassungsfähigkeit ist überlebenswichtig für Unternehmen und ihre IT. Ein agiles IT-Betriebsmodell unterstützt dies und ist somit ein wichtiger Enabler für die Digitalisierung. Fallstudien zeigen, dass agile IT-Betriebsmodelle zu zufriedeneren und motivierteren Mitarbeitern, erhöhter Produktivität, Fehlerreduktion und einer schnelleren Time-to-Market führen. Voraussetzungen dafür sind auch in der Unternehmensführung zu schaffen, denn Verständnis von Agilität im Führungskreis schafft Akzeptanz für agile IT-Betriebsmodelle. Erst im Anschluss sind Piloten und eine stufenweise Skalierung zielführend. Unternehmen, die auf agile IT-Betriebsmodelle setzen, werden in Zukunft einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Wettbewerb haben. Dabei sind agile Herangehensweisen, bereichsübergreifende Zusammenarbeit, Cloudtechnologien, Steuerung von IT-Initiativen sowie der gezielte Aufbau von Partnerschaften wichtige Fähigkeiten einer digitalen IT.

Welche dieser Fähigkeiten besitzt Ihre IT bereits? Capgemini unterstützt Sie herauszufinden, welchen Reifegrad Ihre IT hat. Unser Digital IT Assessment hilft Ihnen bei der Bestimmung des Reifegrads und der Identifikation von Verbesserungspotentialen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Vielen Dank an Christian Stock für die Zusammenarbeit beim Schreiben dieses Artikels.

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