Last Mile Delivery – welche Technologie wird sich durchsetzen?

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Heutzutage werden Pakete innerhalb von wenigen Tagen geliefert werden. Doch gerade die letzte Meile ist für die Lieferanten immer noch eine teure Angelegenheit. Dieser Artikel gibt einen Überblick, wie in Zukunft Pakete zu Kunden kommen.

Jeder bestellt Pakete und wartet sehnsüchtig darauf. Meist weiß man, wann das Paket geliefert werden soll, plötzlich kommt unerwartet eine Verspätung und man verpasst die Anlieferung. Da Paketdienste mehr als ausgelastet sind, haben sie keine Zeit, auf den Empfänger zu warten. Ein in Deutschland jährlich um 10% wachsender E-Commerce Handel führt zu einem Anstieg der Sendungen von bis zu 5 Milliarden Paketen bis zum Jahr 2028. Zusätzlich führt die wachsende Bevölkerung in Ballungsräumen zu unvermeidbaren Staus. Das starke Verkehrsaufkommen resultiert nicht nur in steigender Luftverschmutzung, sondern auch in verspäteten Anlieferungen. Im Kontrast dazu stehen stetig steigende Kundenanforderungen, die auf einen exakten Belieferungszeitpunkt, eine direkte Belieferung nach der Bestellung, flexible Belieferungsorte sowie transparente und verfolgbare Belieferungsprozesse drängen. Dadurch und durch die Herausforderung, heutzutage noch Leute für den Job als Paketausträger zu begeistern, ist es höchste Zeit, über alternative, nachhaltige und effizientere Möglichkeiten der Last Mile Delivery nachzudenken.

Ziel der Last Mile Delivery ist es, das Paket so schnell wie möglich zu seinem Empfänger zu bringen. Das ist für Transportunternehmen derzeit noch eine zeit- und kostspielige Angelegenheit, denn 53% aller Lieferkosten macht die „letzte Meile“ aus. Wie beim Omni Channel Ordering stehen auch im Delivery Bereich zahlreiche Belieferungskanäle zur Verfügung. Diese können in Abhängigkeit der Sendung, der zeitlichen Rahmenbedingungen und der örtlichen Lage des Empfängers variieren. Die Technologien und Lösungen bieten jedoch unterschiedliche Reifegrade: einige sind noch in der Entwicklung, andere werden sogar schon prototypisch oder als gängige Lösung eingesetzt. Doch was heute noch als Zukunft erscheint, wird 2035 schon der Standard sein.

Kannst du mal eben das Paket ausliefern?

Für einige Einzelhandelsunternehmen wie Walmart ist es schon Teil des Standardprozesses geworden: Mitarbeiter nehmen auf dem Weg nach Hause Pakete zu Empfängern mit, die sich auf der Strecke befinden. Es muss kein Spediteur beauftragt werden, Kunden kommen schnell an ihr Paket und Mitarbeiter kriegen für die Auslieferung noch ein kleines Entgeld. Die einzige Abhängigkeit stellt das Schichtende dar – fährt kein Mitarbeiter Heim, wird auch das Paket nicht ausgeliefert. Doch auch dafür hat Walmart eine Lösung parat: die Platform Spark Delivery ermöglicht es, dass sich Fahrer für die Lieferung vom Geschäft zum Kunden anbieten. Fahrer tragen wie bei Amazon Flex in einer App ein, in welchen Zeiträumen sie für Lieferungen bereitstehen, Walmart checkt die Formalien und wenn alles passt, sind die Pakete auf dem Weg zum Kunden.

In Deutschland gibt es die Möglichkeit, das Paket, statt von einem Paketdienst, per Taxi bringen zu lassen. MyTaxi-Fahrer, die sich in der Nähe des Lagers befinden, nehmen den Auftrag an und anstelle von Stillstandzeiten am Flughafen, nutzen sie ihre Zeit, Pakete auszuliefern. So wird das Paket zum Fahrgast.

Wir sind der Meinung, dass man diese Zustelloptionen auch auf andere Branchen ausweiten kann. Dadurch können schon bald weltweit Menschen in städtischen und ländlichen Regionen von diesen Services profitieren.

Kurze Distanzen überbrücken

Essen wird heute schon auf zwei Rädern ausgeliefert. Umweltfreundlich mit dem Fahrrad oder mit dem E-Scooter werden 2035 auch Pakete durch die Stadt transportiert. Zudem können diese Fahrzeuge problemlos jeden Stau umfahren. Um die Abhängigkeit von der Verfügbarkeit der Fahrer zu minimieren, sind Autonomous Ground Vehicles (AGVs) eine innovative Lösung für die Paketauslieferung. AGVs nutzen Sensoren, um Hindernissen auszuweichen und sind mit Kameras und GPS ausgestattet, um den Weg zum Paketempfänger eigenständig zu finden. Prototypen sind batteriebetrieben und daher leise, decken eine Reichweite von bis zu 7 Kilometern ab und informieren den Empfänger über die exakte Ankunftszeit des Paketes.

Es regnet Pakete

Drohnen sind bereits aus der Filmindustrie und dem privaten Gebrauch bekannt. Sie fliegen an Orte, die sonst unmöglich erreichbar sind. Drohnen erkennen eigenständig Hindernisse, fliegen nur in freigegebenen Lufträumen und sind eine umweltfreundliche Lösung, da sie kein CO2 ausstoßen. Derzeit werden sie jedoch nur prototypisch als Logistiklösung in Lagern und für Pilotlieferungen durch Firmen wie 7-eleven eingesetzt.

Drohnen transportieren Pakete bis zu 15 kg und sind daher für die Belieferung eines Geschäftskunden nur bedingt nutzbar. 2035 werden sie jedoch auch bei Geschäftskunden für leichte Pakete beliebt sein: das Paket wird abgestellt, automatisch über Sensoren in den Bestand gebucht und der Lieferant erhält die Bestätigung digital. Daher bieten Drohnen eine schnelle Lieferlösung, die stets den direkten und kürzesten Weg nimmt und so jeden Stau umfliegt.

Delivery 2035

2035 werden lange Distanzen durch Transportmittel überbrückt, die weder stauanfällig sind noch viel CO2 ausstoßen. So transportieren Hyperloops (elektrisch betriebene Transportkapseln mit einer Geschwindigkeit bis zu 1125 km/h ähnlich zur Rohrpost) und Seilbahnen die Pakete über mehrere hundert Kilometer. Am Umschlagpunkt schwärmen Drohnen aus und bringen das Paket zum AGV oder direkt zum Empfänger. Sollte dieser nicht Zuhause sein, kann das Paket natürlich auch problemlos an eine Packstation gebracht werden. Ware, die bereits im Laden liegt, wird ebenfalls von Drohnen, AGVs oder umweltfreundlichen Zweirädern ausgeliefert. Nach einer Studie von UPS werden für das Einsparen einer letzten Meile pro Fahrer am Tag jährlich die Kosten um $50 Millionen sinken. Wir wissen, dass das kein Traum mehr ist, sondern die Zukunft!


 

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Carolin Schwägler, Capgemini Invent

Über den Autor: Carolin Schwägler

Carolin berät Kunden rund um Themen der Digitalisierung in der Produktion und Intralogistik. Mit ihrer Erfahrung in der Prozess- und Technologieberatung konnte sie bereits vielen Kunden unterschiedlicher Branchen auf dem Weg hin zur Industrie 4.0 und Smart Factory unterstützen.

 

 

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